Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.11.2017


Innsbruck-Land

Kemater Ärztin wünscht sich Geldspritze von Gemeinde

Weder die Ärztin noch die Neue Heimat wollen für die Umplanung der Praxis im Sozialzentrum aufkommen. Der Bürgermeister ist genervt.

© TT/Rudy De MoorWer die Arztpraxis im neuen Sozialzentrum Kematen beziehen wird, ist derzeit völlig unklar.



Von Denise Daum

Kematen – Es sieht nicht nach einem Happy End aus. Wie berichtet, sollte die Kemater Kassenärztin Birgit Mihalovics in das Sozialzentrum übersiedeln. Allerdings gab es zwischen ihr und der Neuen Heimat (NHT) als Errichterin Unstimmigkeiten darüber, wer für die von der Ärztin gewünschten Umplanungen an der Praxis aufkommen soll. Laut der Ärztin musste sie umplanen, weil die NHT keinen genehmigungsfähigen Plan vorgelegt hätte. NHT-Chef Hannes Gschwentner weist das entschieden zurück: „Erst durch ihre Extrawünsche wurde die Praxis nicht genehmigungsfähig. Wir hatten einen vom Arbeitsinspektor genehmigten Einreichplan.“

Trotzdem möchte Gschwentner einlenken. Er habe Mihalovics angeboten, sich mit ihrem Planer und dem von der NHT zusammenzusetzen und einen neuen Plan gemäß ihren Wünschen auszuarbeiten. „Dann wissen wir, was ihre Änderungen kosten. Wenn sie die umsetzen möchte, machen wir das. Aber sie muss es bezahlen“, erklärt Gschwentner.

Dieses Angebot sei ihr neu, sagt Mihalovics. „Aber selbst wenn es diesen Vorschlag gibt: Ich kann nicht mehr als die vereinbarte Miete zahlen. Die Umplanungen kosten nochmal um die 150.000 Euro – das kann ich nicht finanzieren.“ Sie nimmt die Gemeinde Kematen in die Pflicht, die „einspringen soll“. Es sei üblich, dass Gemeinden ihre Kassenärzte unterstützen, immerhin stelle sie die ärztliche Versorgung sicher. „Meine Patienten sind durch die Vorgänge ganz verunsichert.“ Bis auf Weiteres bleibt sie in ihrer aktuellen Praxis.

„Die Frau Doktor ist nicht mehr in der Position, Forderungen zu stellen. Sie hat viel Vertrauen zerstört“, sagt Bürgermeister Rudolf Häusler, der mit seiner Geduld am Ende ist. Sowohl die Neue Heimat als auch er hätten sich lange genug vergeblich um eine Lösung bemüht. „Die Gemeinde wird 100-prozentig nicht finanziell einspringen.“ Vielmehr möchte er nun für die Praxis im Sozialzentrum eine andere ärztliche Leitung finden und sich um eine dritte Kassenstelle für die Gemeinde bemühen (neben Mihalovics gibt es derzeit noch eine zweite Kassenärztin).

Eine andere Meinung vertritt die Oppositionsliste Gemeinsam Unabhängig für Kematen. „Wir möchten Birgi­t Mihalovics auf keinen Fall verlieren, sie ist eine sehr beliebte Ärztin. Sie kann mit unserer vollen Unterstützung rechnen“, betont Gemeinde­rat Bernd Raitmair. Seine Liste schließt eine finanzielle Hilfe von Seiten der Gemeinde keineswegs aus.

Die von der Ärztin ins Spiel gebrachten Mehrkosten von 150.000 Euro kann Hannes Gschwentner übrigens nicht bestätigen. Es gebe noch keine Kostenschätzung. Er habe Mihalovics aufgefordert, bekannt zu geben, wofür sie sich nun entschieden habe. Eine andere Ärztin habe an der Praxis im Sozialzentrum Interesse bekundet. Die NHT will aber zunächst die Angelegenheit mit Birgit Mihalovics ordentlich klären.