Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.11.2017


Exklusiv

Agrarmarketing-Chef zieht sich überraschend zurück

Nach 14 Jahren verlässt Wendelin Juen die bäuerliche Marketinggesellschaft. Er wird sich wieder ganz der Landwirtschaftskammer widmen.

© BöhmWendelin Juen versuchte die Wertschöpfung für Tiroler Produkte zu verbessern und setzte auf die Regionalitätsschiene.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Der Verein Agrarmarketing Tirol (AMT) genießt einen hohen Stellenwert im Land, vor 22 Jahren wurde er aus der Taufe gehoben. In der recht schwierigen Umstellungsphase nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union sollte die AMT den Bauern helfen, ihre Produkte besser zu vermarkten, und darüber hinaus die kleinstrukturierte Tiroler Landwirtschaft zukunftsfit machen. Damals wie heute geht es um die Vernetzung mit den Verarbeitungsbetrieben, dem Handel und Tourismus. Dafür gibt es vom Land jährlich rund zwei Millionen Euro.

Der „Qualität Tirol“-Ranzen kennzeichnet die heimischen Qualitätsprodukte. Vereinsmitglieder der AMT sind das Land Tirol, die Landeslandwirtschaftskammer, die Wirtschaftskammer sowie die Tirol Werbung, als Obmann fungiert Agrarreferent LHStv. Josef Geisler (VP). Seit knapp 14 Jahren führt Wendelin Juen die AMT als Geschäftsführer, zur Hälfte ist er nach wie vor bei der Kammer beschäftigt. Auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung bestätigt Geisler, dass sich Juen aus dieser Funktion zurückziehen und sich künftig wieder ganz der Bauernkammer widmen werde. Dort gebe es schließlich viele Projekte zu betreuen. Einen Zusammenhang mit der zu Beginn des Jahres gegründeten Lebensraum Tirol 4.0 GmbH schließt Geisler aus. Obwohl sich die Politik die bessere Koordinierung und Synergienutzung verschiedener Einrichtungen wie Standortagentur Tirol, Agrarmarketing Tirol oder Tirol Werbung zum Ziel gesetzt hat – ursprünglich war sogar eine Verschmelzung angedacht –, verfolge Tirol 4.0-Geschäftsführer Karlheinz Töchterle die Strategie, die drei Bereiche selbstständig zu stärken, wie Geisler hinzufügt.

Das unterstreicht auch der scheidende AMT-Chef Wendelin Juen. Seine Funktion wird ausgeschrieben, die Agrarmarketing bleibt weiter bestehen. Warum dann der Abschied? „Ich bin in der Landwirtschaftskammer u. a. für Garten- und Obstbau sowie Vermarktung und Spezialkulturen zuständig. Ursprünglich wollte ich ohnehin nur sieben Jahre in der AMT arbeiten. Geworden sind es vierzehn Jahre“, sagt Juen. Jetzt sei es Zeit für einen Wechsel, schließlich seien die vergangenen Jahre mit der Positionierung von Tiroler Qualitätsprodukten sehr intensiv gewesen. Aber die Agrarmarketing habe bewiesen, dass man mit einem ausgezeichneten Angebot die Wertschöpfung steigern könne.

Stolz ist Juen vor allem auf „Bewusst Tirol“ und die Regionalitätsoffensive, die nicht nur in der Gastronomie greife, sondern zwischenzeitlich auch in den Großküchen. In der AMT will er für einen geordneten Übergang sorgen und sich dann wieder auf seine Kammeraufgaben konzentrieren.