Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Osttirol

Lienz: Gutscheine statt Geld für Bettler geplant

Der Lienzer Gemeinderat erörtert am Dienstag ein Gutschein-Modell, das über den Sozialladen laufen soll.

© TT/Thomas Böhm(Symbolbild)



Von Catharina Oblasser

Lienz – Bettler sorgen bei vielen Menschen für Verunsicherung. Soll man ihnen etwas geben? Und wie umgehen mit jenen, die nicht nur am Straßenrand sitzen, sondern Leute direkt ansprechen?

In Lienz ist ein Projekt geplant, das am kommenden Dienstag Thema im Gemeinderat ist: Gutscheine, die man den Bettlern statt Geld geben kann. „Wir suchen Lösungen abseits von Verboten“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ). Der Lienzer Sozialausschuss mit Obmann Karl Zabernig (SPÖ) schildert nähere Details: „Wir schlagen vor, dass Personen, die den Bettlern etwas geben wollen, in der Bürgerservicestelle der Lienzer Liebburg einen Gutscheinblock kaufen können.“ Der Block umfasst zehn Bons zu je einem Euro. Einlösen können die Bettelnden diese Gutscheine im ­SoLaLi, dem Sozialladen Lienz in der Schweizergasse. Dort gibt es sehr günstig Artikel des täglichen Bedarfs, aber nichts darüber hinaus. „Damit wollen wir einem Missbrauch vorbeugen“, erklärt Zabernig. „Etwa, dass mit den Gutscheinen Alkohol oder Zigaretten gekauft werden. Dieses Gutschein-Modell soll ein Pilotprojekt sein, das vorerst für ein Jahr läuft. Beschlossen ist aber noch gar nichts, wie Blanik und Zabernig betonen. Das bleibe dem Gemeinderat vorbehalten.

Grundsätzlich ist stilles Betteln, also das bloße Sitzen oder Stehen der Bettelnden im öffentlichen Raum, nicht verboten. Dennoch sind viele Passanten unsicher, ob das gespendete Geld wirklich für sinnvolle Zwecke verwendet wird. Die Gutschein-Aktion könnte eine Lösung sein.