Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Exklusiv

Haus der Musik: Baukosten wachsen an

Land und Stadt bestätigen erstmals, dass die Baukosten den finanziellen Rahmen sprengen werden. Vergabe für Bestuhlung wurde gestoppt.

© Thomas Boehm / TTDas Haus der Musik kämpft mit Startschwierigkeiten.Foto: Böhm



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Es sind weniger feine Töne, die Land und Stadt derzeit zum Haus der Musik (HdM) am Innsbrucker Rennweg um die Ohren fliegen. Der Kulturbau, der im Frühjahr 2018 von den ersten Nutzern besiedelt werden soll, ufert nämlich in finanziellen Belangen aus. Ursprünglich waren von Bund, Land und Stadt 58 Millionen Euro beschlossen worden. Vor rund einem Jahr wurde dann das Betriebskonzept vorgelegt. Dass einige der daraus resultierenden Kosten (z. B. Erstinvestitionen und Anlaufkosten) nicht in den 58 Mio. € eingepreist sind, wurde vergangene Woche bekannt. Hier ist die Rede von einem Betrag bis zu 2,7 Mio. €. Zeitgleich wurde das Gerücht laut, dass auch der derzeit noch laufende Bau des Musikhauses Mehrkosten verursachen dürfte.

Nun bestätigen Stadt- wie Landesspitze erstmals, dass der vereinbarte Budgetrahmen für die reinen Baukosten nicht zu halten sein wird. Wie zwischen den drei Partnern im Vorfeld vereinbart, wurde quasi eine Art Konsultationsmechanismus ausgelöst, als sich die Anzeichen für Mehrkosten beim Bauherrn, der Innsbrucker Immobilien Gesellschaft (IIG), verdichteten. Die grundsätzliche finanzielle Vorwarnung wird aus dem Büro von Landeshauptmann Günther Platter (VP) bestätigt. Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (FI) informierte am Donnerstag den Gemeinderat. Wie hoch die Baumehrkosten sein werden, darüber schweigen sich Land wie Stadt aus. Erst in zwei bis drei Wochen soll eine detaillierte Aufstellung seitens der IIG fertig sein. Oppitz-Plörer versichert aber, dass sich die Höhe dieser zusätzlichen Gelder in einem „vertretbaren Ausmaß“ bewegen werde.

Schuld an dem fälligen Mehraufwand soll hauptsächlich die Baukonjunktur sein. Die SPÖ-Befürchtung, dass der Prestigebau kein begleitendes Kostencontrolling habe, dementiert Oppitz-Plörer. Landesexperten werden nun mit der IIG die Mehrkosten besprechen und mit der Stadt Gespräche über die Kostenaufteilung führen.

Doch damit nicht genug. Die IIG kämpft auch an einer weiteren Front. So soll die Ausschreibung für die Bestuhlung der Kammerspiele – auch sie ziehen ins HdM – von einem im Bieterverfahren unterlegenen Konkurrenten beeinsprucht worden sein. Nun liegt der Fall beim Landesverwaltungsgericht. Das Vergabeverfahren ist vorerst gestoppt. IIG-Geschäftsführer Franz Danler will dazu auf TT-Anfrage vorerst keine Details nennen: „Es ist ein Verfahren anhängig.“