Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 11.11.2017


Landespolitik

Hörl droht Bodenseer mit Klage

© Die FotografenWK-Präsident Jürgen Bodenseer gratulierte Franz Hörl (l.) zur Wahl zum neuen Obmann der Sparte Tourismus und Freizeit in der Wirtschaftskammer Tirol.



Innsbruck – Der Wirtschaftsbund (WB) Tirol und sein früherer Direktor Helmut Kern haben im arbeitsgerichtlichen Verfahren einen Vergleich unterzeichnet. Kern erhält 400.000 Euro, damit sind alle Ansprüche abgegolten.

Hörl hatte den WB-Angestellten am 30. Dezember 2016 fristlos gekündigt. Im Zuge der Schlussabrechnung für den bereits acht Monate zuvor dienstfrei gestellten Mitarbeiter hatte er nämlich bemerkt, dass der sich statt der in seinem Dienstvertrag vereinbarten 14 Gehälter regelmäßig 15 und zum Teil sogar 16 Gehälter auszahlen ließ.

Weil der frühere WB-Obmann Jürgen Bodenseer noch am 29. Dezember 2016 in einer E-Mail an Hörl angab, von diesen Sonderzahlungen „nichts gewusst“ zu haben, musste Hörl nach seinem Rechtsverständnis die fristlose Kündigung aussprechen. Im Gerichtsverfahren legte Kern nun aber E-Mails vor, die Bodenseers Aussage widerlegten und bewiesen, dass er die Zahlungen sogar mehrfach genehmigt hatte.

Vor Beginn des Prozesses wurden die Ansprüche Kerns inoffiziell mit rund 800.000 Euro beziffert. Hörl könnte also zufrieden sein. Immerhin hat er sich (bzw. dem Wirtschaftsbund) durch den Vergleich 400.000 Euro erspart. Doch das reicht dem vielbeschäftigten Zillertaler nicht: „Helmut Kern hat mit dem Vergleich einen Schritt auf uns zu gemacht. Jürgen Bodenseer hatte augenscheinlich die Kontrolle über den Wirtschaftsbund verloren bzw. nie gehabt. Wir prüfen nun, ob der doch massive Schaden, der dem Wirtschaftsbund dadurch entstanden ist, juristisch thematisiert werden kann und werden diesen Schaden notfalls einklagen.“

Den Vergleich mit Kern ließ Hörl am Donnerstagabend von der WB-Spitze absegnen. Außerdem sprach er Jürgen Bodenseer, der ebenfalls anwesend war, offiziell sein Misstrauen aus. (mz)