Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.11.2017


Honorarkonsul

Stützpunkt für Kasachstan in Tirol

BTV-Vorstandschef Gerhard Burtscher ist seit heute Honorar­konsul von Kasachstan. Er sieht sich als Mittler zwischen Welten.

Der Botschafter der Republik Kasachstan in Österreich, Kairat Sarybay (l.), mit Gerhard Burtscher, BTV-Vorstandsvorsitzender und kasachischer Honorarkonsul von Tirol.

© BTVDer Botschafter der Republik Kasachstan in Österreich, Kairat Sarybay (l.), mit Gerhard Burtscher, BTV-Vorstandsvorsitzender und kasachischer Honorarkonsul von Tirol.



Von Mario Zenhäusern

Innsbruck – Kasachstan ist mit einer Fläche von mehr als 2,7 Millionen Quadratkilometern das neuntgrößte Land der Welt, hat aber nur 18 Millionen Einwohner. Trotzdem ist die nach dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion 1991 gegründete Republik zwischen dem Kaspischen Meer und dem Altai-Gebirge eine wirtschaftliche und damit auch politische Macht. Hauptverantwortlich dafür sind die riesigen Ölvorkommen: Fast 95 Prozent des kasachischen Exports betreffen Rohstoffe – und hier in erster Linie Rohöl.

Seit heute Sonntag, 12. November besitzt die Republik Kasachstan auch einen Stützpunkt in Tirol: Botschafter Kairat Sarybay eröffnet heute im BTV-Stadtforum in Innsbruck ein Honorarkonsulat, das vom Vorstandsvorsitzenden der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), Gerhard Burtscher, geleitet wird.

Im Interview mit der TT nahm Sarybay am Tag vor dem Festakt unter anderem zur aktuellen wirtschaftlichen Situation Stellung. Er räumte dabei ein, dass in Kasachstan durchaus noch Aufholbedarf bestehe: „In 25 Jahren kann man nicht alle Wege zurücklegen, die unsere europäischen Partner in der Vergangenheit gegangen sind. Aber wir sind offen, mit Europa eng zusammenzuarbeiten.“

Obwohl zwischen den politischen und wirtschaftlichen Riesen China und Russland geradezu eingeklemmt, sei für Kasachstan Europa der Wirtschafts- und Handelspartner Nummer eins. Sein Land betreibe eine Politik der offenen Türen, um die besten Technologien kennen zu lernen und in naher Zukunft auch anwenden zu können.

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Österreich bezeichnet Sarybay als „technologischen Vorreiter“, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energie, Biomasse und Implementierung digitaler Technologien. Auch die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bezeichnet der Diplomat als für Kasachstan nachahmenswert: „Wir haben ähnliche Strukturen und schätzen deshalb die Erfahrungen Österreichs auf diesem Sektor hoch.“

Kasachstan habe zum Beispiel die duale Ausbildung bereits implementiert und arbeite auf dem Sektor Landwirtschaft (Rinderzucht) oder Hochtechnologie eng mit österreichischen Unternehmen zusammen.

Nicht zuletzt geht es in Tirol auch um sportliche und natürlich touristische Kontakte – und in diesem Kontext spielt natürlich das neue Honorarkonsulat eine bedeutende Rolle. Honorarkonsul Gerhard Burtscher: „Kasachstan hat Skigebiete, hat Berge über 4000 Meter. Darüber hinaus haben natürlich viele unserer Kunden bereits jetzt gute Kontakte nach Kasachstan. Gerade das Thema KMU bietet für Tiroler Unternehmen die Möglichkeit, dass wir sie dorthin begleiten. Damit liegt der Nutzen auf beiden Seiten.“

Kasachstan wolle 2050 zu den 30 am höchsten entwickelten Ländern der OSZE gehören, erklärte Botschafter Kairat Sarybay. „Das ist ein ambitioniertes Ziel, aber wir haben alle Voraussetzungen dazu.“ Kasachstan verfüge über eine bestens ausgebildete junge Generation, über ausreichendes wirtschaftliches Potenzial und sehr starken politischen Willen: „Das sind die drei Hauptelemente, um unser Ziel zu erreichen.“

Natürlich würden auch die globale Wirtschaft und Politik in Kasachstan eine Rolle spielen, ebenso der zunehmende Terrorismus in der Region (Afghanistan). „Aber Kasachstan ist schon heute international sehr gut vernetzt und hochgeschätzt. Wir haben eine Strategie und auch einen klaren Plan, wie wir unser Ziel erreichen können.