Letztes Update am Sa, 18.11.2017 21:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innsbruck

Nur zwei Drittel für Innsbrucker SPÖ-Spitzenduo

Für Irene Heisz und Helmut Buchacher gab es beim Innsbrucker Stadtparteitag ein nur bescheidenes Ergebnis.

Führen die Liste der SPÖ Innsbruck an (v.l.n.r.):  Benjamin Plach (Platz 4), Christina Bielowski (Platz 5), Elli Mayr (Platz 3), Stadtparteivorsitzender Helmut Buchacher (Platz 2), Spitzenkandidatin Irene Heisz und Martin Kuprian (Platz 6).

© DomanigFühren die Liste der SPÖ Innsbruck an (v.l.n.r.): Benjamin Plach (Platz 4), Christina Bielowski (Platz 5), Elli Mayr (Platz 3), Stadtparteivorsitzender Helmut Buchacher (Platz 2), Spitzenkandidatin Irene Heisz und Martin Kuprian (Platz 6).



Innsbruck – „Ich bin sehr zufrieden – und die, die noch mit mir fremdeln, werden sich auch noch an mich gewöhnen“: So lautete die erste Reaktion von Irene Heisz, nachdem sie gestern beim Stadtparteitag der Innsbrucker SPÖ mit zwei Dritteln der Delegiertenstimmen zur Spitzen- und Bürgermeisterkandidatin für die Gemeinderatswahl am 22. April 2018 gewählt worden war. Gegenkandidaten gab es keine. Stadtparteivorsitzender Helmut Buchacher, der auf Platz zwei kandidierte, erhielt im Congress ebenfalls 66 Prozent, als Innsbrucker SP-Chef wurde er mit 75 Prozent bestätigt.

Parteiintern gab es bis zuletzt heftige Diskussionen über die Spitzenkandidatur der Quereinsteigerin Heisz – was sich auch im mageren Votum niederschlug. Sie gehe aber davon aus, dass auch jener Teil der Delegierten, der sie nicht gewählt habe, „das Ergebnis akzeptiert und nun Seite an Seite mit meinem Team wahlkämpft“, sagte Heisz zur TT. Buchacher bekräftigte, dass es „ausdrücklich meine Person war, die Irene Heisz gefragt hat, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könnte“. Er habe nach einer innerparteilichen Ergänzung gesucht, um die SPÖ möglichst breit aufzustellen, nachdem LA Thomas Pupp kurz vor dem Parteitag im März aus persönlichen Gründen abgesagt habe. „Dass das nicht jeder in der Partei mit Freude aufnimmt, akzeptiere ich.“ Aber auch Buchacher zeigte sich „überzeugt, dass wir jetzt geeint in die Wahl gehen“.

- SP Innsbruck

Die 49-jährige Journalistin und Moderatorin Heisz, die der SPÖ erst heuer beigetreten ist, betonte in ihrer Rede, dass ihr die Partei „zu einer Art Familie geworden ist, die ich bisher nicht kannte“. In Innsbruck laufe derzeit „alles in unsere Richtung“, meinte Heisz, die Kritik in Richtung der Noch-Koalitionspartner aussandte: Die Grünen seien mit einem „ziemlich ungustiösen Selbstzerfleischungsprozess“ beschäftigt. Und BM Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) stoße mit ihrer Art, die Stadt zu führen, auf „tiefes Misstrauen in der Bevölkerung“, die sich „überfahren“ fühle. Die „schallende Olympia-Watsche“ sei da nur das jüngste Beispiel.

Der „sensationelle Erfolg“ bei den Nationalratswahlen (wo die SPÖ in Innsbruck stärkste Kraft war) zeige, „was möglich ist, wenn wir gemeinsam auftreten. Wir sind nicht dazu da, die Innsbrucker mit unseren internen Befindlichkeiten zu belästigen, sondern dazu, dem Volk zu dienen“, so Heisz.

Als Themen nannte sie u. a. die „untragbare Wohnsituation“ in Innsbruck – mit der Forderung nach einem „Leerstandsmanagement“ und der Schaffung von leistbarem Wohnraum, auch für Studierende –, „mutige und kreative“ Lösungen in der Verkehrspolitik oder ein „professionelles begleitendes Management bei Großprojekten“. Durch Beispiele wie das Haus der Musik – wo es zu unerwarteten Kostensteigerungen kam – fühle sich die Bevölkerung „zu Recht gepflanzt“. Wahlziel sei es, die SPÖ in Innsbruck „so stark zu machen, dass bei der Regierungsbildung niemand um uns herumkommt“. Als Bürgermeisterkandidatin will Heisz „eine ernsthafte Herausforderung darstellen“.

Die Notwendigkeit, geeint aufzutreten, betonte auch Landesparteivorsitzende Elisabeth Blanik: Die Stärke der SPÖ sei es, am Ende „geschlossen wie ein Block“ zu dem zu stehen, worauf man sich zuvor, „vielleicht auch mühsam“, geeinigt habe, mahnte Blanik.

Allerdings setzten sich die internen Konflikte im Vorfeld des Parteitags (die TT berichtete) auch gestern in einigen Diskussionsbeiträgen von „einfachen“ Parteimitgliedern fort: So nannte es Marie-Luise Pokorny-Reitter „völlig unverständlich“, dass GR Angela Eberl vollständig von der Wahlliste gestrichen und GR Ruth Blaser-Hajnal nur auf Platz 13 gereiht worden sei. Beide seien höchst engagierte Politikerinnen. Ivo Hajnal befand, dass bei der Listenerstellung SPÖ-Werte wie Fairness und Freundschaft „mit Füßen getreten“ worden seien: „Das ist keine Liste der Basis und daher auch keine sozialdemokratische Liste.“ Helmut Muigg kritisierte, dass nach dem Ausscheiden von Eberl kein Stadtteilvorsitzender mehr an wählbarer Stelle zu finden sei. Der von ihm vorgeschlagene Stefan Gasser (Sektion Höttinger Au) war in einer Kampfabstimmung um Platz 8 prompt siegreich. (md)

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