Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.11.2017


Bezirk Reutte

Allianz gegen Lärm im Außerfern wird international

Außerferner und Oberallgäuer Entscheidungsträger haben sich jetzt verbündet, um dem Motorradlärm den Kampf anzusagen. Ein gemeinsames Auftreten soll ihren Forderungen mehr Gewicht verleihen.

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© REA



Außerfern, Oberallgäu – Der Schneefall hat die Motorradfahrer an den beliebten Bergstrecken im Außerfern und im Oberallgäu mittlerweile eingebremst. Geschwindigkeit aufgenommen haben hingegen die Initiativen gegen den überhandnehmenden Motorradlärm.

Kürzlich präsentierte die Interessengemeinschaft „Xund’s Lechtl“ die Ergebnisse von Lärmmessungen und forderte die Behörde zum Handeln auf. Seitens des Landes Tirol werden derzeit die versuchsweise verordneten Geschwindigkeitsbeschränkungen evaluiert. Zudem wird geprüft, ob Fahrverbote für Motorräder erlassen werden können (die TT berichtete). Bisher eher im Hintergrund setzten sich zahlreiche Außerferner Bürgermeister von Hotspot-Gemeinden für ihre lärmgeplagte Bevölkerung ein. Sie erwirkten nicht nur Geschwindigkeitsbeschränkungen, sondern stellten auch zusammen mit dem Landratsamt Oberallgäu, der Stadt Sonthofen und der bayerischen Exekutive ein grenzüberschreitendes Projekt auf die Beine. Auf Tiroler Seite sind hier auch die Bezirkshauptmannschaft Reutte, das Baubezirksamt und die Polizei eingebunden. Die Bürgermeister Heiner Ginthe­r (Elmen), Martin Schädle (Grän) und Hans Dreier (Weißenbach) vertreten die Außerferner Gemeinden. Dieses Projekt dient sowohl der Bündelung von Aktivitäten als auch der internationalen Vernetzung.

Bereits im März besuchte eine Delegation von Bürgermeistern und Vertretern von Polizei und Behörden aus dem Außerfern und den bayerischen Nachbarregionen das staatliche Bauamt in Weilheim. Diese Behörde ist zuständig für den Kesselberg, eine beliebte Motorradstrecke bei Kochl am See. Dort versucht man, mit Rüttelstreifen und Leitschwellen der Raserei und des Kurvenschneidens Herr zu werden.

Im Mai fand ein erster runder Tisch im Landratsamt Oberallgäu statt. Für das Frühjahr 2018 ist eine grenzüberschreitende Regionalkonferenz geplant. Zudem sollen an den Ortsausgängen Hinweisschilder mit der Aufschrift „Motorradfahrer bitte leise fahren“ angebracht werden. Gerade die Ortsausgänge sind neuralgische Lärmzonen. Hier braucht es gestaffelte Geschwindigkeitsbegrenzungen, die zum beschleunigungsreduzierten Fahren auffordern.

Der erste grenzüberschreitende Erfahrungsaustausch zeigte, dass die Probleme zwar überall die gleichen, die rechtlichen Instrumentarien aber oft sehr unterschiedlich sind. So gibt es in Deutschland keine Halterhaftung wie in Österreich oder der Schweiz, was das Strafen von durch das Tragen des Helms anonymisierten Rasern erschwert. Dafür findet man in Bayern zahlreiche Streckensperren. Vor solchen radikalen Maßnahmen schreckte man in Tirol bislang zurück. Auf beiden Seiten der Grenze ist gegen den Motorradlärm allerdings noch kein Allheilmittel gefunden. Zum einen stehen der Exekutive nicht ausreichend Personalressourcen für eine konsequente Lärm- und Geschwindigkeitsüberwachung zur Verfügung. Zum anderen sind viele Motorräder völlig legal sehr laut. Die Typisierungsvorschriften legen nämlich nicht fest, dass die Lärmgrenzwerte in allen Fahrsituationen gelten müssen, sondern nur in einem engen Drehzahlbereich. Ziel des Projekts ist es daher auch, einen Forderungskatalog für den Gesetzgeber aufzustellen. Ein koordiniertes, internationales Auftreten soll diesen Forderungen mehr Gewicht verleihen.

Das Projekt wird von der Regionalentwicklung Außerfern koordiniert und über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung/Interreg-Programm Bayern-Österreich gefördert. (TT, fasi)