Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.12.2017


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Tiroler Schafzuchtverband will Datenbank gegen Hundekot

Der Schafzuchtverband schlägt vor, die DNA aller Tiroler Hunde zu sammeln, um damit der Verschmutzung durch deren Kot vorzubeugen. LK und Land Tirol sind skeptisch.

© APA/dpa/Maja HitijLiegen gelassener Hundekot ist ärgerlich – und kann für Mensch und Tier gefährlich sein.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Nahezu jeder hat so eine unliebsame Begegnung schon machen müssen. Ein falscher Tritt und der frisch geputzte Turnschuh ist wieder reif für die Waschmaschine – ganz zu schweigen vom unangenehmen Geruch. Einfach so liegen gelassener Hundekot kann ein Ärgernis sein. Viel schwerer wiegt, dass er für Mensch und Tier auch gefährlich sein und Krankheiten übertragen kann. Um dagegen nachhaltiger vorzugehen, wartet der Tiroler Schafzuchtverband mit einer Idee auf: eine DNA-Datenbank für Hunde.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass so eine DNA-Sammlung eine Form sein könnte, mit der sich die Probleme durch den Hundekot ein bisschen minimieren lassen“, sagt Johannes Fitsch, Geschäftsführer des Tiroler Schafzuchtverbands. Wenn Schafe oder Rinder Hundekot über die Nahrung aufnehmen, können Parasiten übertragen werden. Vor allem trächtige Tiere leiden darunter. Totgeburten sind keine Seltenheit. Besonders das Leugnen der Schuld bei derlei Zwischenfällen stößt Fitsch sauer auf: „Wenn es ein Problem mit Exkrementen von Hunden gibt, dann streitet jeder immer alles ab.“

Daher könne die Datenbank besonders für die Hundebesitzer eine Absicherung sein: „Wenn der Vorwurf aufkommt, dass mein Hund irgendwo seine Exkremente hinterlassen hat, kann ich mit einem einfachen Test das Gegenteil beweisen.“ Er könne sich vorstellen, dass die DNA-Proben bei der bereits verpflichtenden Mikrochip-Registrierung genommen werden.

Und was ist mit Hunden von Touristen oder jenen von Einheimischen, die sich einer DNA-Probe entziehen? „Dann weiß ich wenigstens, dass der schuldige Hund aus einer gewissen Grauzone kommt“, sagt Fitsch.

Dem Vorschlag skeptisch gegenüber steht die Landesveterinärdirektion. Zwar sei es grundsätzlich möglich, aus Hundekot die DNA zu isolieren. Aber: „Um zu bestimmen, von welchem Hund ein aufgefundener Hundekot stammt, müsste von jedem Hund in Tirol eine DNA-Probe zur Untersuchung und zum Aufbau einer Datenbank abgegeben werden. Solche DNA-Untersuchungen sind in der Kleintierpraxis jedoch nicht unbedingt Routine.“ Eine realistische Kostenschätzung sei daher nicht möglich. Vielmehr setze man beim Land auf Prävention und Bewusstseinsbildung bei den Hundebesitzern: „Es soll gemeinsam daran gearbeitet werden, die Straßen, Wege und landwirtschaftlichen Flächen in Tirol sauber zu halten.“

Auch in der Landwirtschaftskammer zweifelt man an der Idee. Zwar sei man allen Lösungsvorschlägen gegenüber aufgeschlossen, sagt LK-Präsident Josef Hechenberger. „Gerade weil Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen ein immer größeres Problem wird. Allerdings kann ich nicht abschätzen, ob eine derartige DNA-Datenbank ein praxistaugliches Modell ist.“

Anwendung finden solche Datenbanken bereits in einigen US-Großstädten – durchaus mit beachtlichen Erfolgen. Auch in London läuft derzeit ein Pilotprojekt. Sollte eine Datenbank auch hierzulande konkretere Formen annehmen, müssten aber neue Gesetze geschaffen werden. „Für eine verpflichtende Registrierung von DNA-Proben von Hunden gibt es weder in Tirol noch in Österreich eine Rechtsgrundlage“, heißt es vom Land.