Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.12.2017


Bezirk Imst

Demo gegen Gletscherfusion zwischen Ötz- und Pitztal

Gegen den angestrebten Zusammenschluss der Skigebiete Ötztal und Pitztal machen sich Umweltschützer stark: Die Organisation “Mountain Wilderness“ warnt vor dem Entstehen des „größten Gletscherskigebietes Europas“.

© mountain wildernessDie Umweltaktivisten zeigten mit diesem Transparent unmissverständlich ihren Unmut gegen den Gletscher-Zusammenschluss.



Von Hubert Daum

St. Leonhard – Es ist schon jahrelang ein heißes, kontroversiell diskutiertes Thema: der von den Touristikern angestrebte Zusammenschluss der Skigebiete Ötztal und Pitztal. Die Fusionsbestrebungen sind natürlich auch außerhalb der Landesgrenzen bekannt, speziell in Deutschland.

Naturschützer warnen vor dem Entstehen des „größten Gletscherskigebietes Europas“, so auch die internationale Umweltorganisation „Mountain Wilderness“. „Neben dem bislang unerschlossenen Linken Fernerkogel sollen der Mittelbergferner, der Hangende Ferner und der Rettenbachferner in den Ötztaler Alpen mit Seilbahnen und Pisten verschandelt werden“, wettert Michael Pröttel von Mountain Wilderness Deutschland gegen die Pläne, „deshalb sind wir heute bereits zum dritten Mal hier, um dagegen öffentlich zu protestieren“. Mit hier meint Pröttel die Gletscherseebahn-Talstation auf dem Mittelberg Gletscher. Dort platzierten zwölf Organisationsmitglieder ein Transparent mit der Aufschrift „Finger weg von den Gletschern“. „Es ist ein Skandal, noch unberührte Gebirgsräume für die sich immer schneller drehende Aufrüstungsspirale des Skitourismus zu opfern“, sagte Kerrin Lessel, Vereinsobfrau von Mountain Wilderness Österreich. Neben dem Verteilen von Flyern habe man auch das Gespräch mit den Ski-Touristen gesucht. Pröttel: „Nach unserer Analyse der rund 50 Gespräche ist mehr als die Hälfte der Passanten gegen den Zusammenschluss.“

„Die Demo war ordnungsgemäß angemeldet, jeder hat das Recht, seine Meinung kundzutun“, so das Statement von Gerhard Gstettner, GF des TVB Pitztal, „wir sind unaufgeregt.“ TVB-Obmannstellvertreter Otmar Walser wiederholte seine Botschaft, die er bereits in der Vollversammlung artikulierte: „Der Zusammenschluss ist für das ganze Tal enorm wichtig. Wir lassen uns von einer Demo nicht drausbringen. Man sollte die Aktivisten fragen, wie sie ihr Geld verdienen.“