Letztes Update am Do, 28.12.2017 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Große TT-Umfrage

Schwarz-Blau hat die Nase vor Landtagswahl in Tirol klar vorne

Das politische Stimmungsbild in Tirol weist zwei Monate vor der Landtagswahl relativ klare Konturen auf. Laut TT-Umfrage sieht auch in Tirol einen Trend zu Schwarz-Blau. Die Negativstimmung gegenüber den Grünen setzt sich fort, sie stürzen aber nicht ab. Die SPÖ erholt sich leicht und NEOS sitzen am Zitterbalken.

© BöhmAm 25. Februar wird ein neuer Landtag gewählt, er erhält einen neuen politischen Farbanstrich.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Am 25. Februar wird ein neuer Landtag gewählt. Wie der aktuelle politische Trend aussieht, hat das Meinungsforschungsinstitut „Research Affairs“ im Auftrag der Tiroler Tageszeitung erhoben. Auf Basis deklarierter Wähler – 20 Prozent der 600 Befragten machten keine Angaben bzw. wollen nicht zur Wahl gehen – zeigt sich eines: Die ÖVP legt nach mäßigen Werten in den Vorjahren deutlich um fünf Prozentpunkte zu und liegt fast wieder auf dem Niveau von 2013. Die Schwankungsbreite der Ergebnisse beträgt +/- 4,2 Prozent.

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Im wahrsten Sinne des Wortes kommt ihr Koalitionspartner, die Grünen, mit zwei blauen Augen davon. Der grüne Abwärtstrend hat auch die Ökopartei in Tirol erwischt, aber er bremst sich bei zwölf Prozent ein. Angesichts der Diskussionen nach der Nationalratswahl könnten sie damit noch gut leben. Im Vorjahr waren sie allerdings mit 17 Prozent im Umfragehoch.

Freiheitliche auf stabil hohem Niveau, Liste Fritz draußen

Trotzdem: Die FPÖ läuft den Grünen den Rang ab. Mit 24 Prozent pendeln sich die Blauen weit über 20 Prozent ein und würden 15 Prozentpunkte gegenüber 2013 dazugewinnen. Gleichzeitig dreht sich der Koalitionswunsch in der Bevölkerung. Waren 2016 noch 27 Prozent für die Fortsetzung von Schwarz-Grün, wollen jetzt exakt ebenso viele einen Wechsel zu Schwarz-Blau. Nur noch 20 Prozent wären für eine schwarz-grüne Verlängerung.

Unter SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik geht der Aufwärtstrend der SPÖ zwar weiter, aber langsam. 14 Prozent oder das Landtagswahlergebnis 2013 weist die Umfrage für die Sozialdemokraten aus; ein Prozentpunkt mehr als 2016.

Für die Liste Fritz (drei Prozent) sieht es derzeit nicht nach einem Wiedereinzug in den Landtag aus, die NEOS wären knapp drinnen.

Ein Blick ins Detail:

VOLKSPARTEI: Die Ausgangsposition für Parteichef Günther Platter war 2017 deutlich besser als in den Vorjahren. „Dazu hat auch der Wechsel in der Bundespartei und der Wahlsieg von Sebastian Kurz bei der Nationalratswahl beigetragen“, erklärt Meinungsforscherin Sabine Beinschab. Darüber hinaus könne die ÖVP mit Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit punkten. Die zuletzt klare Positionierung in der Transitfrage reiht sich hier nahtlos ein. Mit 38 Prozent erreicht die ÖVP fast wieder das Niveau der Landtagswahl 2013. Beinschab: „Und in der öffentlichen Wahrnehmung hat sich die Volkspartei offenbar stärker gegenüber dem grünen Koalitionspartner abgrenzt.“ Der Kompetenzpfeil zeigt nach oben, 26 Prozent trauen der ÖVP nach wie vor zu, die Probleme im Land am besten zu lösen. Das sind fast doppelt so viele wie bei den Freiheitlichen.

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FPÖ: Die politische Großwetterlage ist für die FPÖ weiterhin himmelblau, dazu kommt noch die Regierungsbeteiligung in Wien. Mit 24 Prozent befindet sie sich nicht nur im Umfragehoch, sondern pendelt sich auch auf ihrem Tiroler Ergebnis bei der Nationalratswahl ein. Obwohl sich die Flüchtlingskrise entschärft bzw. nicht weiter verschärft hat, „ist die innere und äußere Sicherheit nach wie vor ein zentrales Thema in der Bevölkerung“, sagt Beinschab. Dazu würden noch die Ängste vor radikalisierten Glaubensfanatikern kommen. Geht es um Sicherheitsfragen, hilft das stets den Freiheitlichen.

GRÜNE: Das Spiegelbild für den Vertrauensverlust ist die Koalitionsfrage. Hier schlägt das Pendel in Tirol heuer ebenfalls zugunsten einer schwarz-blauen Landesregierung nach der Landtagswahl am 25. Februar aus. Von einem Absturz wie bei der Nationalratswahl am 15. Oktober sind die Grünen in Tirol jedoch meilenweit entfernt. Nach dem vorjährigen Umfragehoch müssen sie sich Ende 2017 aber mit zwölf Prozent begnügen. Die Krise schlägt durch, weder für Spitzenkandidatin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe noch für die Ökopartei hat sich Felipes kurzzeitiger Ausflug auf das bundespolitische Parkett ausgezahlt.

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SPÖ: Beinschab führt den leichten Aufwärtstrend der SPÖ mit 14 Prozent auf ihre Parteichefin Elisabeth Blanik zurück. „Sie hat persönlich sehr gute Werte und profitiert wahrscheinlich von ihrer Tätigkeit als Lienzer Bürgermeisterin. Im Wahlkampf wird es darauf ankommen, ob sich das auf die Partei überträgt.“ Die grünen Leihstimmen von der Nationalratswahl sind jedoch bereits wieder weg.

NEOS und LISTE FRITZ: Beide Parteien sitzen derzeit auf dem Zitterbalken. Die Pinken würden zwar die 5-Prozent-Hürde überspringen und im Landtag vertreten sein. Meinungsforscherin Sabine Beinschab verweist allerdings auf die Schwankungsbreite von +/-4,2 Prozent bei den Umfrageergebnissen. „Da ist noch alles möglich – vom Scheitern bis zum sicheren Einzug.“ Ob dieser der Liste Fritz wieder gelingt, hänge vom Wahlkampf ab.

Das Bürgerforum präsentiert sich im Landtag als einzige „echte“ Oppositionspartei, doch das schlägt sich nicht in den Umfragen nieder. Die Liste Fritz stagniert bei drei Prozent, die erklärten Olympia-Gegner konnten augenscheinlich auch keinen Nutzen aus dem negativen Ergebnis bei der Olympia-Volksbefragung ziehen.

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