Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.12.2017


Bezirk Kufstein

Kufstein setzt auf Integration

Im Integrationskonzept sollen Maßnahmen für Zugewanderte festgeschrieben werden.

Professionelle Deutschkurse werden in Kufstein in Zukunft auch in den türkischen Moscheen angeboten.

© iStockphotoProfessionelle Deutschkurse werden in Kufstein in Zukunft auch in den türkischen Moscheen angeboten.



Von Michael Mader

Kufstein – Die Stadtgemeinde Kufstein wird im Jahr 2018 ein Integrationskonzept erstellen. Damit soll geklärt werden, wie die Integration mit Zugewanderten in Kufstein in absehbarer Zukunft aussehen soll und welche Maßnahmen dafür notwendig werden. Erarbeitet werden soll das Konzept mittels Fokusgruppen. Unter anderem zu den Themenfeldern Jugend, Ehrenamt und Migrantenvereine. „In den Gruppen sitzen von uns ausgewählte Leute, vor allem Bevölkerungsgruppen, die viel mit Integration zu tun haben“, erklärt Gemeinde­rätin Brigitte Obermüller, Obfrau der Ausschüsse für Bildungsangelegenheiten und Integration.

Die erste Fokusgruppe „Bildung und Integration“ hat bereits im Rathaus getagt. Obermüller: „Dazu haben wir im Vorfeld Interviews mit allen Kindergartenleiterinnen und Schulleiterinnen der Pflichtschulen in Kufstein gemacht. Vor allem wurde abgefragt, was noch gar nicht gelingt.“ Und das war relativ schnell klar: Das Erlernen der deutschen Sprache bleibt oft auf der Strecke. „Auffallend ist, dass Kinder aus syrischen Familien nach einem halben Jahr besser Deutsch können als Kinder aus türkischstämmigen Familien der dritten Generation“, zieht Obermüller Bilanz. Da gebe es noch sehr alte Strukturen, eine Bildungsnähe sei bei diesen Personen nicht so gegeben.

Im kommenden Jahr werden die Deutschkurse jedenfalls auch in den türkischen Moscheen angeboten. Obermüller wertet dies als großen Erfolg, viele Frauen würden so eher das Angebot in Anspruch nehmen. Ein Teil der Kosten für die Kurse wird dabei von der türkischen Gemeinschaft übernommen. Obermüller war selbst überrascht, dass das so problemlos laufe. Im kommenden Jahr werden jedenfalls dann die restlichen Fokusgruppen stattfinden. Danach soll das Integrationskonzept fertig gestellt werden. Bereits gestartet wurde das ABC-Café, ein niederschwelliges Bildungsangebot für Personen mit nichtdeutscher Erst­sprache, die ihre Deutschkenntnisse verbessern und mehr über das Leben in Österreich erfahren möchten.

Ein Problem sieht Obermüller hingegen in der Beschäftigung mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Diese würden ihrer Ansicht nach vom Land nur sehr wenig betreut: „Die jungen Leute müssen noch sehr viel an Bildung nachholen“, sieht sie in der mangelnden Perspektive der jungen Leute oft auch psychische Probleme. In Zusammenarbeit mit der Caritas Salzburg soll deshalb auch ein Beschäftigungsprojekt in der Gastronomie gestartet werden. Dazu ist Obermüller bereits in Kontakt mit der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sollen dazu in erster Linie auf den Arbeitsstandard in Österreich gebracht werden.

Den Vorwurf, das Land würde zu wenig tun, weist Georg Mackner von den Tiroler Sozialen Diensten zurück: „Wir haben nicht nur ein Betreuungskonzept für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, sondern auch einen wesentlich besseren Betreuungsschlüssel als vom Bund vorgeschrieben.“