Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.01.2018


Exklusiv

Freizeitwohnsitz in Jochberg um 13 Mio. Euro erworben

Autovermieter Sixt erwirbt Liegenschaft, ein Teil davon ist als Freizeit-wohnsitz gewidmet. 16.200 Feriensitze sind in Tirol offiziell angemeldet.

© Kitzbühel Tourismus



Von Peter Nindler

Innsbruck, Jochberg – Es ist einer der größten Immobiliendeals, der im Vorjahr in Tirol über die Bühne gegangen und jetzt bekannt geworden ist. Und er betrifft ein sensibles Thema: nämlich Freizeitwohnsitze. 16.200 registrierte gibt es im Land, dazu kommen noch einmal rund 10.000 nicht angemeldete und illegal benutzte. Sie treiben die Grundstücks- und Immobilienpreise in den Gunstlagen und Ferienregionen in die Höhe.

Im Juni hat die JoRa OGH mit Sitz in München in Jochberg ein 2135 Quadratmeter großes Grundstück samt im Bau befindlichem Haus (1000 Quadratmeter Wohnfläche) erworben. Hinter der JoRa verbirgt sich eine Tochterfirma von Sixt. Eines der größten europäischen Autovermietungs- und Leasingunternehmen macht einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro. Die Söhne des Vorstandsvorsitzenden Erich Sixt, Konstantin und Alexander, sind die Geschäftsführer der Immobilienfirma. Die Liegenschaft wurde schließlich im August ins Eigentum der JoRa übertragen.

Verkäuferin ist die Kirini Immobilienverwaltung GmbH in Wien. Das neue Haus musste nach klaren Vorgaben von zwei Referenzprojekten in Reith bei Kitzbühel und Jochberg errichtet werden. Für das frühere Gebäude bestand seit dem Jahr 1995 eine Freizeitwohnsitzwidmung, in der neuen Immobilie werden 490 von 1000 Quadratmetern als Feriennutzung ausgewiesen. Hinsichtlich des weiteren Bestands „erklärt die Käuferin, durch diesen Rechtserwerb keinen Freizeitwohnsitz zu schaffen“, heißt es im Kaufvertrag. Als Übergabetermin hatte man den 15. Dezember 2017 vereinbart.

Aber wie soll das kontrolliert werden? Bürgermeister Günter Resch von der Freiheitlichen und Parteifreien Jochberger Gemeindeliste/FPÖ verweist auf eine notwendige Trennung zwischen den unterschiedlich genutzten Räumlichkeiten. Eine Kontrolle, wie die Immobilie letztlich bewohnt werde, sei jedoch schwierig bzw. kaum möglich. „Wenn ich alles überprüfen müsste, würde ich nicht fertig werden.“ Dem Firmenchef Erich Sixt und seiner Ehefrau Regine wurde übrigens das „unentgeltliche, unwiderrufliche und lebenslange Fruchtgenussrecht“ in der Jochberger Luxusvilla eingeräumt.

Jochberg zählt offenbar zu den mittlerweile begehrtesten Wohn- und Ferienadressen in Tirol. Neben der Unternehmerfamilie Sixt hat dort auch Ex-Finanzminister Hans Jörg Schelling (VP) gemeinsam mit seiner Frau Ursula um 300.000 Euro eine kleine Wohnung gekauft. Freizeitwohnsitzwidmung gibt es keine, zwischenzeitlich hat sich Ursula Schelling mit Hauptwohnsitz in Jochberg angemeldet. Einmal mehr kommt Bürgermeister Resch zum Handkuss, der eigentlich kontrollieren müsste, ob seine Gemeinde jetzt tatsächlich der Lebensmittelpunkt von Ursula Schelling ist. „Was ich vorher schon erwähnt habe: Für uns Bürgermeister ist das Gesetz über die Freizeitwohnsitze kaum zu vollziehen. Wir können nicht tagtäglich Detektiv spielen.“