Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.01.2018


Bezirk Schwaz

Unterländer Bauern bleiben wehrhaft beim Hochwasserschutz

Lieber verkaufen oder enteignen lassen, als den Deal mit dem Land bezüglich Hochwasserschutz einzugehen, ist der Tenor etlicher Bauern.

© DählingAlfred Enthofer ist Landwirt in Strass und Sprecher der IG Unterinntal.



Von Angela Dähling

Strass – Entschlossener, durchdringender Blick, kräftige, tiefe Stimme und von stattlicher Natur. Alfred Enthofer verkörpert schon rein optisch das Bild eines bäuerlichen Kämpfers. Und das ist der Landwirt aus Strass auch. Enthofer ist Sprecher der IG Unterinntal. Das steht für „Interessengemeinschaft zum Schutz von Grund und Boden sowie privates und betriebliches Bauverbot durch Rote Zonen“ und hat eines zum Ziel: sich gegen die derzeit vom Land geplanten Retentionsflächen zum Schutz vor Hochwasser zur Wehr zu setzen.

Wobei Enthofer betont, man sei nicht grundsätzlich gegen Hochwasserschutz bzw. die Ausweisung von Retentionsflächen. Doch über das Wo, Wie und das Wieviel gehen die Meinungen auseinander. „Wir sind nicht dazu bereit, dass bei uns das Wasser von fast ganz Tirol geparkt werden soll. Und wir fühlen uns vom Land nicht wirklich ernst genommen, weil nach zig Gesprächen noch kein vernünftiges Ergebnis da ist“, sagt Enthofer, der auf weitere Mitstreiter hofft (Kontakt: ig-unterinntal@gmx.at). Gemeinsam mit Bauern aus weiteren Gemeinden entlang des Inns, wie Radfeld, Kundl, Kramsach, Münster, Strass und Schwaz, versteht er nicht, warum so viel bestes privates Ackerland dafür in Anspruch genommen werden soll. Es müsse auch mit weniger gehen, meint der Bauer.

„Die Innauen bieten sich auf Hunderten Hektar perfekt an, Wasser zu parken. Und sie gehören Bund und Land“, meint Enthofer, der auch diverse Schluchten als geeigneter ansieht, um Wasser für eine Zeit zurückzuhalten. Die Ill im Walgau nennt er als positives Beispiel für Hochwasserschutzmaßnahmen. „Der Inn ging auch schon in Völs und Kematen über. Wenn im Oberland Hochwasserschutzmaßnahmen getroffen würden, wäre in Innsbruck bereits weniger Wasser“, schildert der Strasser Landwirt seine Sicht der Dinge. Er und seine Mitstreiter sind der Meinung, jede Gemeinde solle Flächen zur Verfügung stellen. „Viele glauben, dass wenn das Thema im Bezirk Kufstein gelöst ist, braucht es eh fast nichts mehr für weitere Maßnahmen. Und wir fürchten, dass wir noch lange nicht die volle Wahrheit vom Land wissen. Wir entdecken immer wieder Ungereimtheiten“, ist Enthofer misstrauisch. Auch von der Landwirtschaftskammer fühle man sich im Stich gelassen. Da heiße es lediglich „wir müssen schauen“.

Kritik übt er am Entschädigungsmodell, seiner Meinung nach gibt es zu wenig Geld. Dass das Land per Grundbuchseintrag gewisse Eingriffsrechte auf den geplanten Retentionsflächen hat, die die Bauern weiterhin für die Landwirtschaft nutzen können, schmecke vielen Betroffenen auch nicht.

„Bevor ich diesen Eintrag ins Grundbuch zulasse, um Förderungen zu bekommen, verkaufe ich alles“, sagt Enthofer. Sein ganzes Leben habe er bisher nichts von seinem Grund verkauft. So wie er würden es viele betroffene Bauern sehen, sagt Enthofer. „Und manche denken daher daran, es auf eine Enteignung ankommen zu lassen.“

Demnächst stehen weitere Gespräche mit dem Land an.