Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.01.2018


Bezirk Kufstein

Die Silvesterknallerei freut in Kufstein nicht jeden

In Kufstein ist das Vorsilvesterfeuerwerk in der Schwebe. In Wörgl denkt man über eine Begrenzung der Knallerei zur Jahreswende nach. In allen Gemeinden bereitet die Feinstaubbelastung große Sorge.

© Hubert BergerDas Vorsilvesterfeuerwerk in Kufstein steht für 2018 auf dem Prüfstand.



Von Wolfgang Otter

Kufstein, Wörgl – Der erste Morgen des neuen Jahres 2018 bescherte wieder vielen einen Kater – und den Grundbesitzern landauf, landab eine unschöne Hinterlassenschaft der Silvesternacht: Auf Wiesen und Feldern fanden sich die Reste der Raketen und anderer Feuerwerkskörper.

„Eine Zumutung für die Grundbesitzer“, kritisiert auch die Wörgler Bürgermeisterin Hedi Wechner diesen Umstand. Sie gehört nicht zu den Fans der obligatorischen Knallerei, „vor allem nicht, wenn sie drei Tage vorher beginnt und dann noch zwei Tage lang nach Silvester andauert“, ärgert sich die Stadtchefin. Aus zahlreichen Gesprächen wisse sie, dass viele Wörglerinnen und Wörgler sich über Böller und Co. ärgern. Ganz abgesehen von der extremen Belastung für Tiere.

Daher gibt es immer mehr Orte, in denen man laut über ein Verbot der Silvesterknallerei nachdenkt oder sie zumindest stark eingrenzen will. Auch in Innsbruck stiegen zum Jahreswechsel beim Bergsilvester zum letzten Mal die Raketen in die Höhe.

Ausschlaggebend für die Diskussion über die Feuerwerke ist die Belastung durch Feinstaub. Die Werte explodieren in der Silvesternacht geradezu, wie das auf der Webseite des Umweltbundesamtes (www.umweltbundesamt.at) dokumentiert ist. In der Silvesternacht stieg in Wörgl an der Messstelle in der Stelzhamerstraße von 0 Uhr bis 2 Uhr Früh die Feinstaubbelastung (PM10) von knapp über 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³) auf 125 µg/m³. Der Grenzwert liegt bei 50 µg/m³. An der Messstelle in der Kufsteiner Praxmarerstraße schnellten die Werte innerhalb von Minuten auf 105 µg/m³. Besonders dramatisch zeigte sich die Situation in Brixlegg: An der Messstelle am Innweg erreichten die Feinstaubwerte 240 µg/m³. Meist dauerte es Stunden, bis die Werte wieder unter den Grenzwert sanken.

Laut BM Wechner werde sich die Stadt heuer Maßnahmen überlegen. „Ein Feuerwerk ist sicher schön anzuschauen, auch zur Begrüßung des neues Jahres“, meint sie. Aber die Stadtgemeinde könnte eine Verordnung zur zeitlichen und örtlichen Eingrenzung am Silvesterabend ausarbeiten. Damit könnte es künftig Privatpersonen nur noch auf einer abgesperrten Wiese unter Aufsicht erlaubt sein, Feuerwerkskörper abzubrennen.

Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel sieht kaum Möglichkeiten, in der Silvesternacht die Knallerei einzugrenzen. „Das Problem ist, dass ein Verbot nur schwer exekutierbar ist und es sich um einen Brauch handelt“, meint Krumschnabel, der aber auch die Umweltbelastung sieht. Wenig Freude mit der Knallerei hat auch der Brixlegger Bürgermeister Rudolf Puecher, der einen zu sorglosen Umgang mit Feuerwerkskörpern kritisiert. „Ansonsten schimpft man hinter jedem Lkw her, zu Silvester sind die extremen Feinstaubwerte aber scheinbar egal“, meint der Gemeindechef. Er genehmige daher im Ortsgebiet auch keine größeren Feuerwerke.

Die Umweltbelastung könnte auch ein Grund dafür sein, dass es künftig am Vorsilvestertag in Kufstein feuerwerksmäßig dunkel in der Stadt bleibt. Das große, eine fünfstellige Summe verschlingende Spektakel um null Uhr am 31. Dezember hat seinen Ursprung in der einstigen Vorsilvesterparty der Top City, zu der jährlich Tausende Besucher strömten. Diese gehört mittlerweile der Vergangenheit an, zur Unterstützung allfälliger Aktivitäten von Wirten finanzierte die Stadt aber das große Feuerwerk weiterhin. „Aber es wird sich zeigen, ob es 2018 eines gibt“, sagt Krumschnabel. Dafür spreche, dass die Kufsteiner begeistert davon seien, dagegen spreche der Umweltgedanke.