Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.01.2018


Bezirk Imst

Heizkraftwerk sorgt in Stams für hitzige Diskussion

Der Stamser Bürgermeister unterstützt eine zweite Anlage. Der Baubescheid ist fertig, aber die Betriebsanlagengenehmigung fehlt.

© Dorn



Von Alexander Paschinger

Stams – Zwischen Weihnachten und Neujahr hat der Stamser Bürgermeister Franz Gallop den Baubescheid unterzeichnet. „Er ist schon hinausgegangen“, erklärt er auf TT-Anfrage. Es geht um das „Hackschnitzel-Holzvergaser-Blockheizkraftwerk“, das die Vorarlberger Längle GmbH neben dem bestehenden Biomassekraftwerk errichten möchte, die TT berichtete. Noch fehlt allerdings die Betriebsanlagengenehmigung nach einer ersten Verhandlung vom 18. Dezember: „Da müssen noch ein paar Auflagen erfüllt und Unterlagen nachgebracht werden“, macht sich Gallop diesbezüglich aber „keine Sorgen“.

In der Gemeindepolitik hat das zweite Heizkraftwerk aber sehr wohl für Aufregung gesorgt: Der oppositionelle Gemeinderat Peter Thaler hatte festgehalten, dass sich durch ein zweites Kraftwerk durch angekarrtes Holz und mehr Emissionen die Ist-Situation verschlechtern würde. Außerdem habe sein Ersatzgemeinderat nicht mitgestimmt, weil ihm vom Dorfchef suggeriert worden sei, dass bei ihm Befangenheit vorliege.

„Diese Aufsichtsbeschwerde ist durchgeflogen“, sagt Gallop, außerdem habe jeder Gemeinderat für sich selbst festzustellen, ob er befangen ist. Und der Betroffene habe auch nicht unter Vorbehalt mitgestimmt. „Das hätte an der Widmungs-Entscheidung für das Kraftwerk nichts geändert“, sagt der Bürgermeister.

Im neuen Blockheizkraftwerk sieht Gallop jedenfalls eine Chance für die e5-Gemeinde Stams (man liegt derzeit bei vier „e“s): „Wir können dann das bestehende Kraftwerk um 40 Prozent zurückfahren und können es auch während des Sommers für die Wartung zwei bis drei Monate ausschalten.“ Denn die Vorarlberger Firma würde 400 kW über 8000 Stunden im Jahr liefern. Das bestehende Kraftwerk in Stams beliefert „80 Häuser im Dorf, mit 50 Prozent sind das Stift und das Schigymnasium die beiden größten Abnehmer“. Dazu kommen freilich die Gemeinde selbst und die anderen Schulen sowie Gebäude im Gewerbegebiet, wie etwa das Lutz-Lager, das durch die Lackiererei auch im Sommer einen großen Wärmebedarf aufweist. „Die Spitzen können wir so in Zukunft jedenfalls besser abdecken“, macht er das Projekt schmackhaft. Und auch die zusätzlichen 100 Lkw „spürt man über das ganze Jahr gesehen fast nicht“, winkt er Einwände ab.

Auf der Gegenseite betont Thaler, dass die Sache noch nicht gelaufen sei. „Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder das neue Kraftwerk fährt mit seinen geplanten Emissionen extrem herunter oder das bestehende Kraftwerk dreht zurück.“ Das Erste wäre kostspielig, die zweite Variante finanziell fragwürdig für das bestehende Werk. Von den Gesamt-Emissionen her müssen beide Anlagen als ein Ganzes gesehen werden.

Die BH Imst wird sich voraussichtlich Ende Februar erneut mit der Betriebsanlagengenehmigung befassen.