Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 29.01.2018


Bezirk Reutte

Spitzkehre als Nagelprobe für 7,5-t-Limit am Fernpass

Eine unveröffentlichte Einschätzung eines Verkehrsplaners sieht den Fernpass-Scheiteltunnel problematisch für die Tonnagebeschränkung.

null

© Paschinger



Von Alexander Paschinger

Nassereith, Biberwier – Die Befürworter des Fernpass-Scheiteltunnels werden nicht müde, das oberste verkehrspolitische Ziel für die Fernpassstrecke hervorzustreichen: „Das Halten des 7,5-Tonnen-Limits“, wie etwa der Imster Bürgermeister und VP-Landtagskandidat Stefan Weirather unlängst bekräftigte. Weshalb man sich auch gegen andere, größere Tunnelvarianten wie jenen durch die Gartnerwand (Bichlbach-Nassereith) wehre. Aber: Scheinbar ist auch der Scheiteltunnel kein Granat dafür, dass das Tonnage-Limit künftig halten würde. Das geht zumindest aus der Einschätzung des Verkehrsexperten Heinrich Fritzer von Mai 2012 hervor, das bislang nicht veröffentlicht wurde.

Der Zivilingenieur wurde um die Einschätzung gebeten, ob durch einen Scheiteltunnel im Bereich Fernpass das Lkw-Fahrverbot verkehrstechnisch noch gerechtfertigt sei. Der Experte hielt fest: „Mit dem Ausbau durch einen Fernpass-Scheiteltunnel entfallen allerdings aus der Begutachtung vom Oktober 2009 wesentliche Begründungen für den Bedarf eines Fahrverbotes für den Schwerverkehr auf der B 179.“ Dabei zählt er die „hohe Längsneigung und Kurvigkeit mit geringen Sichtweiten“, den eingeschränkten Platz für Schneeablagen und vor allem auch die so genannte Spitzkehre auf: Dort wird der Gegenfahrstreifen durch Sattel- und Lastzüge nicht nur mitbenutzt, sondern bedinge auch das „Warten vor der Kehre bei der Begegnung (Sattel- und Lastzüge, 15-m-Busse)“.

Fritzer kommt in seiner Einschätzung zum Schluss, dass „mit Inbetriebnahme der Ausbaustrecke zumindest eine neuerliche Begutachtung erforderlich wird“. Und auch die aktuellen Verkehrsdaten müssen in eine neuerliche Begutachtung einfließen, hielt er bereits 2012 fest.