Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.02.2018


Exklusiv

Wohngebiet in Oetz muss Investorenmodell Platz machen

Ein Schweizer Unternehmen setzt in Tirol etliche Investorenmodelle um. In Oetz müssen dafür 5800 m² Wohngebiet weichen. Das Land prüft.

© Screenshot: TirisAuf 5800 m² soll in Ötz ein Investorenmodell errichtet



Von Max Strozzi

Oetz – Die Venture Plus AG ist ein Immobilienentwickler mit Sitz in der Schweiz, die Schweizer Kristall Spaces AG die dazugehörende Verkaufsplattform. Beide sind der Familie Atterbury zuzurechnen. Deren Geschäftsmodell in Tirol bzw. Österreich besteht darin, Investorenmodelle auf die Beine zu stellen. Dabei werden beispielsweise Hotels in Wohnungen umgebaut und Wohnungen an kaufkräftige Investoren – meist aus dem EU-Ausland oder auch an Firmen von Nicht-EU-Bürgern – verkauft. Die Anleger verpflichten sich dabei vertraglich, ihre Wohnung an Touristen zu vermieten bzw. vermieten zu lassen, die Vermietung übernimmt in der Regel ein eigener Betreiber. Anlegern werden einträgliche Renditen in Aussicht gestellt.

Investorenmodelle sorgen in Tirol immer wieder für Diskussionen, Kritiker sprechen von einem Einfallstor für versteckte Freizeitwohnsitze. Tirols Hotelier-Obmann Mario Gerber warnt vor Wettbewerbsverzerrung gegenüber „herkömmlichen“ Hoteliers und fordert daher stärkere Kontrollen.

Venture Plus und Kristall Spaces errichten in Tirol zahlreiche solcher Projekte. Insgesamt neun Investorenmodelle wurden umgesetzt oder sind in Planung: von Berwang mit 400 Betten über St. Anton mit 130 Betten, Karwendel, Ischgl, Kühtai, Sölden, Seefeld bis zu Fieberbrunn mit 150 Betten. Eines soll auch in Oetz entstehen: 55 Wohnungen mit knapp 250 Betten verteilt auf 5 Gebäude, dazu Wellnesshaus, Schwimmteich, Restaurant. Pikant: Um das touristische Großprojekt zu ermöglichen, hat der Gemeinderat mehrheitlich im vergangenen Herbst rund 5800 Quadratmeter gemischtes Wohngebiet in Sonderfläche Beherbergungsgroßbetrieb umgewidmet. Somit weicht Wohngebiet dem Investorenmodell für Anleger. Auch acht neue Freizeitwohnsitze wurden in dem Komplex mitgewidmet – Oetz liegt aber noch unter der 8 %-Schwelle.

Die Umwidmung muss das Land absegnen. Für das Land Tirol ist die Umwidmung durchaus heikel. Schließlich sieht die Raumordnung als ein oberstes Prinzip auch die Erhaltung und Weiterentwicklung der Siedlungsgebiete zur Deckung des Wohnbedarfes der Bevölkerung vor. Gerade in Tirol wird die Wohnbaupolitik heftig diskutiert, die besiedelbare Fläche ist vergleichsweise gering. Wie das Land im Fall von Oetz entscheiden wird, ist offen. „Derzeit sind die entsprechenden Raumordnungsverfahren in der Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht anhängig und werden gerade einer Prüfung unterzogen“, lässt der für Wohnbau, Gemeinden und Raumordnung zuständige LR Johannes Tratter (ÖVP) über sein Büro ausrichten. Grundsätzlich seien die Investorenmodelle rechtlich zulässig. „Durch zivilrechtliche Verträge steht den Gemeinden im Zuge der Vertragsraumordnung ein Instrument zur Verfügung, um eine allfällige Schaffung von (unzulässigen) Freizeitwohnsitzen (z. B. durch eine Eigennutzung des Investors) zu verhindern“, betont das Büro Tratter.

Laut dem Oetzer Bürgermeister Hansjörg Falkner gebe es seitens des Landes bereits grünes Licht. „Meines Wissens nach ist die Umwidmung an sich erledigt. Es hat eine kleine Korrektur gebraucht, ist aber soweit genehmigungsfähig“, sagt Falkner. Laut dem Ortschef soll der Bau im Frühjahr starten. Die Gefahr versteckter Freizeitwohnsitze sieht er angesichts der Verträge mit dem Betreiber des Investorenmodells nicht. „Es gibt eine Vereinbarung, es gibt eine Vertragsraumordnung, es gibt Vertragsstrafen, die für die Investoren bindend sind“, so Falkner. „Wir brauchen dringend hochwertige Gästebetten, weil wir zuletzt ein Bettensterben hatten. Wir hoffen, damit die Infrastruktur wie etwa die Bergbahnen zu beleben“, so Falkner. Drei Gemeinderäte hatten sich gegen die Umwidmung ausgesprochen.

Anwalt Erich Lackner, der die Projekte für Kristall Spaces betreut, versichert, dass Investorenmodelle eine Form seien, um überhaupt Beherbergungsbetriebe finanzieren zu können. Es gehe um eine touristische Nutzung und nicht um versteckte Freizeitwohnsitze. Abgesichert sei dies durch Betreiberverträge mit der Gemeinde, die die touristische Nutzung garantieren und vorrangig im Grundbuch eingetragen seien.