Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.02.2018


Exklusiv

Land Tirol reagiert auf Protest: Geld für Arztpraktikum

Die Kritik der Hochschülerschaft, unterstützt von einigen Politikern, war erfolgreich: Für das Klinisch-Praktische Jahr an den Spitälern der Tirol Kliniken werden angehende Mediziner künftig entlohnt.

© Keystone(Symbolfoto)



Innsbruck – Was die anstehende Landtagswahl am 25. Februar so alles bewirkt. Die Medizinstudenten in Innsbruck können sich jedenfalls freuen. Seit vier Jahren bemühen sie sich nämlich vergeblich darum, für das seit 2014 im Medizinstudium vorgesehene „Klinisch-Praktische Jahr (KPJ)“ an den Krankenhäusern der Tirol Kliniken auch eine Aufwandsentschädigung zu bekommen. Derzeit erhalten sie lediglich ein Essen, während österreichweit in fast allen anderen Spitälern bis zu 650 Euro im Monat bezahlt werden.

Zuletzt hat sich die Hochschülerschaft der Medizinischen Universität wieder einmal an die Tirol Kliniken gewandt. In einem Brief machte sie auf die prekäre Situation aufmerksam. Unterstützt wurden die Studenten nicht nur von Rektorat, Universitätsrat, Senat, den Kurien und dem Betriebsrat, sondern auch von SPÖ, Grünen, NEOS und der Liste Fritz. Ihr Protest hatte jetzt endlich Erfolg. In der Landesregierung war ein Entgelt für das Klinisch-Praktische Jahr überdies stets ein Thema, doch offenbar benötigte es für einen Durchbruch erst die Landtagswahlen.

LH Günther Platter (VP) und der zuständige Gesundheits-LR Bernhard Tilg (VP) beauftragten am vergangenen Freitag die Geschäftsführung der Tirol Kliniken, ein entsprechendes Entschädigungsmodell zu entwickeln und die Umsetzung voranzutreiben. Die Tirol Kliniken werden dafür jährlich eine Mio. Euro zur Verfügung stellen. Die Höhe der Entschädigung soll zwischen 400 und Euro 600 pro Monat betragen. Vorgesehen sind zudem finanzielle Schwerpunktsetzungen wie bei den Mangelfächern in der Strahlentherapie, Kinder-Jugend-Psychiatrie oder der Allgemeinmedizin.

„Da es für Studierende neben einer unbezahlten 35-Stunden-Tätigkeit kaum möglich ist, zusätzlich zu arbeiten, werden wir im Laufe des ersten Halbjahres 2018 auch an den Tirol Kliniken eine Entschädigung für das KPJ einführen“, betont Landeshauptmann Günther Platter.

Der Druck auf die Politik wurde in den vergangenen Monaten größer, schließlich liegen alarmierende Studien vor. So ergab eine von der Hochschülerschaft veröffentlichte repräsentative Umfrage, dass sich derzeit acht von zehn Innsbrucker Medizinstudierenden gegen eine Absolvierung ihres KPJs an den Tirol Kliniken entscheiden, weil diese im Gegensatz zu anderen Tiroler Spitalsträgern bislang keine Aufwandsentschädigung entrichten. Die Studierenden würden das KPJ häufig auch dazu nützen, künftige Arbeitgeber kennen zu lernen; die Mehrzahl der Mediziner bleiben jenen Gesundheitseinrichtungen im späteren Arbeitsleben treu, in welchen sie während ihres Praktikums positive Erfahrungen gemacht haben.

Das sieht auch Gesundheitslandesrat Tilg jetzt so. „Mit der gewählten Vorgangsweise möchten wir sicherstellen, dass alle Studierenden unabhängig von ihrer finanziellen Situation an den Tirol Kliniken ihr KPJ absolvieren können und auch entsprechend finanziell unterstützt werden.“ Bereits vor zwei Wochen hat die Hochschülerschaft auf eine positive Entwicklung hingewiesen. Denn in einer neuen Erhebung der Medizinischen Universität Innsbruck zeigt sich, dass sich Jungärzte nunmehr nach Abschluss ihrer universitären Ausbildung vermehrt in Österreich niederlassen und nicht in die deutschsprachigen Nachbarländer abwandern. Damit untermauerte die ÖH auch die Forderung nach der jetzt zugesagten Entschädigung, um auch die künftige medizinische Versorgung in Tirol zu gewährleisten. (pn)


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