Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 05.02.2018


Exklusiv

Uni-Ehrentitel der Burschenschaften auf dem Prüfstand

Auf Antrag von Studierenden muss sich der Senat der Uni Innsbruck im März mit den schlagenden Burschen- und Sänger-schaften an der Alma Mater befassen.

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Von Peter Nindler

Innsbruck – Die rechten und deutschnationalen Burschenschaften werden jetzt an der Universität Innsbruck ebenfalls zum Thema. Der Studentenvertreter im Senat, Dejan Lukovic (GRAS), bringt nämlich einen Antrag auf Aberkennung des Ehrentitels „Universitätssängerschaft“ der fakultativ schlagenden Skalden ein. Der Senat ist neben dem Rektorat und dem Unirat das dritte Leitungsgremium an der Uni und besteht aus 26 Mitgliedern. Er setzt sich aus allen Gruppen von Universitätsangehörigen (Universitätsprofessoren, Angehörige des Mittelbaus und des allgemeinen Universitätspersonals sowie Studierenden) zusammen. In weiterer Folge soll auch über die schlagenden Burschenschaften „Brixia“ und „Suevia“ diskutiert werden. Sie führen beide die Bezeichnung „akademisch“.

Studentenvertreter Lukovic argumentiert mit universitärer Verantwortung. Die Skalden erhielten den Titel 1983, „sie hatten sich aber nie von den zahlreichen Tätern des Nationalsozialismus in ihren Reihen distanziert“. Außerdem würden die Skalden sogar innerhalb der rechten fakultativ schlagenden Sängerschaften noch weiter rechts stehen.

Um die „Brixia“ ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden, ein prominenter Vertreter ist der selbst der FPÖ zu weit rechts stehende Ex-Nationalrat Werner Königshofer. Die FPÖ hat ihn 2011 ausgeschlossen. Mit ihrer versteckten Distanzierung vom SS-Mann Gerhard Lausegger, der in der Pogromnacht 1938 an der Ermordung des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Innsbruck, Richard Berger, beteiligt war, kommt hingegen die „Suevia“ immer wieder ins Gerede.

Mitglied der Skalden ist der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Er stellte zuletzt klar, dass er nie ein Problem damit hatte, sich von ehemaligen Mitgliedern zu distanzieren, „die Verbrechen begangen haben“. Die Skalden hätten ihre Geschichte bereits 1990 offengelegt und sich damit aktiv beschäftigt. Das bestätigt der in Hildesheim lehrende Innsbrucker Historiker Michael Gehler. Es sei zutreffend, dass für seine Forschungen in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre „die Sängerschaft Skalden eine der wenigen löblichen Ausnahmen war und mir alle vorhandenen Archivalien zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt hat“. Das sei auch ein Beitrag zur Aufarbeitung gewesen, „den man klar so bewerten und auch nachlesen kann“, fügt Gehler auf Anfrage der TT hinzu.