Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.02.2018


Landtagswahl 2018

TT-Chat mit Platter: ,,Griaß di, Landeshauptmann“

Vor dem Transitgipfel in Bayern stellte sich ÖVP-Spitzenkandidat Landeshauptmann Günther Platter gestern im TT-Chat und am Telefon den Fragen der Leserinnen und Leser.

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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Das Zehnfingersystem habe er früher einmal ganz gut beherrscht, sagt Landeshauptmann Günther Platter, als er am Montagvormittag kurz vor Beginn der TT-Telefonstunde mit Online-Chat Platz nimmt. Und doch ist er froh, dass heute eine Redakteurin seine Antworten im Chat eingibt. „Ich würde mir wahrscheinlich die Finger brechen, wenn ich da jetzt so schnell tippen müsste“, lacht er. Abbrechen tut dann aber zunächst für ein paar Minuten nur die Internetverbindung – technische Probleme. „Ich müsste halt dann pünktlich um 12 Uhr weg“, erinnert Platter. Schließlich steht am Nachmittag in München der wichtige Transitgipfel auf dem Programm. „Wenn ich doch zu spät komme, dann habe ich aber wenigstens eine gute Ausrede für die Bayern. Dann waren es die Grenzkontrollen“, schmunzelt der Landeshauptmann. Mit ein paar Minuten Verspätung geht es dann aber doch los.

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LH Günther Platter stellt sich den Anrufer- und Onlinefragen der TT-Leser.

Zur Chat-Nachlese: http://go.tt.com/2s6ErFv

„Griaß di! Hallo Herr Landeshauptmann“, meldet sich ein Anrufer am anderen Ende der Leitung und Platter duzt den Mann, der sich endlich eine saubere Lösung und eine rasche Umsetzung in der Frage des Pflegeregresses wünscht, zurück. Auch der nächste Anrufer hat ein flottes „Griaß di“ zur Begrüßung auf den Lippen. Der Mann aus dem Lechtal bittet den Landeshauptmann um Unterstützung bei der Verbindung Lech – Warth. Diese für das Lechtal so wichtige Verbindung auf Vorarlberger Seite sei nämlich viel zu oft gesperrt. Platter erklärt dem Anrufer, das Problem zu kennen, und sichert ihm zu, seinen Vorarlberger Amtskollegen und ÖVP-Parteifreund Markus Wallner auf das Thema neuerlich anzusprechen.

Zwischen den Anrufen beantwortet Günther Platter die Fragen, die im TT-Chat eintrudeln. Und schon die erste betrifft das große Thema des Tages: Verkehr und Transit. „Die Bayern kritisieren unsere Blockabfertigung nach den Feiertagen und wollen das auf jeden Fall verhindern. Warum werden die Grenzkontrollen der Bayern in Kiefersfelden mit ihren Auswirkungen auf Tiroler Seite in dieser Diskussion von uns so stillschweigend hingenommen?“, will ein Leser wissen und Platter verweist sofort auf den Transit-Gipfel, der in ein paar Stunden in München stattfinden wird. „Ich akzeptiere nicht, dass die Blockabfertigungen zur Eindämmung des Transitverkehres in Bayern boykottiert werden und andererseits Grenzkontrollen auf unserer Seite stattfinden. Deshalb wird bei mir kein Nachgeben feststellbar sein, was die Blockabfertigungen betrifft. Es wird heute in München eine heftige Auseinandersetzung geben“, kündigt der Landeshauptmann an. Die Blockabfertigung werde in den kommenden Jahren als Maßnahme weiterhin durchgeführt, alleine für das Jahr 2018 seien 20 bis 30 Blockabfertigungen geplant.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) umringt von TT-Redakteuren.
- TT

„Ja, Günther Platter“, meldet sich der Landeshauptmann, als erneut das Telefon läutet. „Griaß di – ich darf doch du sagen, oder?“, gibt die Anruferin aus Telfs am anderen Ende der Leitung zurück. Die Frau ist hörbar erfreut und ein bisschen aufgeregt, tatsächlich mit dem Landeshauptmann verbunden zu sein. „Natürlich“, schmunzelt der ÖVP-Chef. „Zunächst einmal: Ich wünsche dir alles Gute für die Wahl, ich muss aber sagen, der Luft-100er auf den Autobahnen ist ein Wahnsinn.“ Ihr Mann müsse deshalb um 20 Minuten früher zur Arbeit aufbrechen und das gemeinsame Frühstück komme daher viel zu kurz. Was den Luft-100er betrifft, halte sich seine Begeisterung bekanntermaßen sehr in Grenzen, gibt Platter zur Antwort. „Das war aber eine Forderung der Europäischen Union, ansonsten hätte der Europäische Gerichtshof viele Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrs gekippt“, erinnert Platter. Sein größtes Ziel sei es, den Transitverkehr zu halbieren und die Bevölkerung zu entlasten. Mit Südtirol und Trentino und auch mit Italien gebe es weitgehend einen Konsens, „und Bayern müssen wir noch in die Knie zwingen“, gibt sich Platter mit Blick auf das spätere Treffen in München kämpferisch. „Wenn es um etwas geht, dann bin ich ein sturer Tiroler.“ „Und ich bin eine sture Tirolerin“, sagt die Anruferin. „Ja dann weißt du ja: Wenn wir zuerst einmal auf Granit beißen, dann beißen wir umso fester zu.“ Es ist offenbar genau das, was die Anruferin hören wollte. Zufrieden verabschiedet sie sich.

Mit dem „du“ der Leute hat Platter ganz offensichtlich kein Problem. Im Gegenteil, er scheint Freude an dem ungezwungenen Austausch zu finden. Und während er seine Antworten für den Chat in Schriftdeutsch formuliert, fällt er in den Gesprächen am Telefon rasch in den Dialekt. Man versteht sich eben.

Gleich mehrere Fragen über die verschiedenen Kanäle erhält der Landeshauptmann zur freien Fließstrecke am Inn – eine davon stellt die Umweltschutzorganisation WWF direkt im Chat: „Auf einmal soll es ,rechtliche Bedenken’ geben, die nicht nachvollziehbar sind. Kann man sich auf das Wort der Landesregierung und des Landeshauptmanns nicht mehr verlassen?“ „Sie können sich auf mein Wort immer verlassen“, antwortet Platter. Die freie Fließstrecke von Haiming nach Kirchbichl werde kraftwerksfreie Zone bleiben. Es könne aber nicht sein, dass durch eine Ho-ruck-Aktion zum Beispiel notwendige Maßnahmen in Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz unmöglich gemacht werden. „Das kann auch nicht im Sinne des WWF sein. Ich garantiere eine Umsetzung dieser Verordnung noch im 1. Halbjahr 2018“, verspricht Landeshauptmann Platter.

Pünktlich nach eineinhalb Stunden, um 12 Uhr, werden die Leitungen geschlossen. „Danke für die Möglichkeit, das ist eine tolle Sache“, sagt Günther Platter in die Runde und verabschiedet sich. Denn jetzt geht es nach Bayern. Zum Granitbeißen und In-die-Knie-Zwingen.


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