Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.02.2018


Exklusiv

Viel Unzufriedenheit: Dicke Luft beim Öffi-Treff in Zirl

Im Fokus standen unbeliebte Streckenführungen, schlechte Anbindungen, der abgelegene Zirler Bahnhof und ein neuer Dorfbus als mögliche Lösung.

© Thomas Boehm / TTHitzige Debatte im überfüllten Saal: Der Zirler Bürgermeister Thomas Öfner, VVT-Geschäftsführer Alexander Jug, Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe und ÖBB-Regionalmanager René Zumtobel (linkes Bild, v. l.) diskutierten mit den Zirlern über Öffi-Probleme – und mögliche Lösungen. Fotos: Böhm



ZIrl – „Ein brisantes Thema, das bewegt!“, meinte der Zirler Bürgermeister Thomas Öfner mit Blick auf den übervollen Saal. Rund 150 Schüler, Lehrlinge, Studenten, Eltern, Pendler und Senioren waren gekommen, mit einem so großen Andrang hatte niemand gerechnet. Viele hatten keinen Platz mehr gefunden und versuchten vom Vorraum aus die Debatte mitzubekommen. Der achte Öffi-Treff in Tirol übertraf alle bisherigen Informations- und Diskussionsveranstaltungen dieser Art.

Auf Kritik waren die Vertreter von Verkehrsverbund Tirol (VVT) und ÖBB sowie Verkehrsreferentin LHStv. Ingrid Felipe bereits vorbereitet, und die kam dann auch in geballter Form. Heftig kritisiert wurde vor allem die neue Busstreckenführung, die nicht mehr über den Verkehrsknotenpunkt Hauptbahnhof Innsbruck verläuft und auch zu wenig kommuniziert wurde.

Eine ältere Frau erzählte von ihrer daraus entstehenden „Odyssee“ zu Fuß quer durch Innsbruck: „Das ist einfach eine Frechheit! Was soll das?“ Ein Herr aus Eigenhofen – der Weiler liegt einige Kilometer westlich des Ortsgebietes – sprach von einer „gravierenden Verschlechterung“: „Eigentlich fahre ich jetzt nur noch mit dem Auto.“

Rege Beteiligung im Publikum: Die Fragen der Zuhörer sorgten für hitzige Debatten.
- Thomas Boehm / TT

Durch die Änderung müssen Fahrgäste, die zum Innsbrucker Hauptbahnhof wollen, am Marktplatz aussteigen. Sie können dort gratis mit einer anderen Linie weiterfahren, alle anderen müssen eine zusätzliche Fahrkarte lösen.

Ein weiteres Problem sind die Intervalle, eine Studentin hat ausgerechnet, dass an der viel häufiger befahrenen Strecke nach Axams wesentlich weniger Menschen wohnen – „wir haben 9000 Einwohner mehr“. Die gern präsentierte Alternative S-Bahn – sie fährt untertags im Halbstunden-Takt – ließ sie, aber auch viele weitere Zirler, nicht gelten: Der Bahnhof Zirl sei zu abgelegen, der Weg eine Zumutung.

„Wir wissen, dass wir einen großen Aufholbedarf haben“, fasste VVT-Verkehrsplaner Andreas Knapp nach der zweistündigen, hitzigen Diskussion schließlich fünf Hauptpunkte zusammen: die fehlende Anbindung an den Innsbrucker Hauptbahnhof, die prinzipiell schlechte Anbindung an Wochenenden, abends und in der Nacht, das Problem der Bewohner von Eigenhofen und Dirschenbach, zu einer anderen, teureren Zone zu zählen, Verspätungen und der weite Weg zum Zirler Bahnhof.

Zumindest dafür konnte zum Schluss bereits eine Lösung präsentiert werden, die noch heuer mit der Gemeinde umgesetzt werden könnte. Ein kostenloser Dorfbus soll die Zugreisenden im Halbstunden-Takt vom Bahnhof abholen und in die wichtigsten Siedlungsgebiete bringen – ein Vorschlag mit Mehrfach-Effekt: Der viel schnellere Zug fährt häufiger, und es gibt auch weniger Verspätungen. Die Zirler setzen darauf, rund 30 Prozent sind durch die vergangenen Verbesserungen Jahreskartenbesitzer geworden – ein Rekordwert. (ms)