Letztes Update am Sa, 10.02.2018 16:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Wirbel um Juden-Sager im ORF: Abwerzger fordert Entschuldigung

Antisemitische Aussagen eines 86-Jährigen in einem „Tirol heute“-Bericht sorgten für heftige Kritik am Tiroler FPÖ-Chef. Dieser sprach von einer verfälschten Darstellung – was den ORF zum Senden einer Klarstellung veranlasste. Abwerzger fordert nun eine Entschuldigung vom ORF.

© Screenshot ORFFPÖ-Chef Markus Abwerzger Abwerzger erklärt, er habe auf antisemitische Aussagen eines 86-Jährigen reagiert, der ORF habe das aber nicht gezeigt.



Innsbruck – Ein „Tirol heute“-Bericht über den Landtagswahlkampf der FPÖ hat am Samstag einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und Rücktrittsforderungen an den Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger nach sich gezogen. Der Vorwurf: Abwerzger habe auf antisemitische Aussagen eines Bürgers nur mit Nicken reagiert. Durch eine Klarstellung im ORF wurde der blaue Spitzenkandidat später jedoch entlastet.

„Ordnung und Zucht“ bei der Hitlerjugend

Am Ende der knapp vierminütigen Reportage vom Freitag, in der ORF-Reporterin Sybille Brunner Abwerzger und sein Team zu einem Wahlkampftermin im Olympischen Dorf in Innsbruck begleitete, kam ein Mann zu Wort, der durch antisemitische Äußerungen auffiel. Der 86-Jährige berichtete dem geduldig zuhörenden FPÖ-Chef von seiner Zeit in der Hitlerjugend, wo noch „Ordnung und Zucht“ geherrscht hätten. Weiters beschwerte er sich darüber, dass man „stinkerte Juden“ heute nicht mehr sagen dürfe, ohne gleich als Nazi bezeichnet zu werden. Ein kurzes Nicken des FPÖ-Chefs war zu sehen, bevor der Bericht mit den Worten „ein blauer Landtagswahlkampf auf Hochtouren“ abmoderiert wurde. Ob die Szene noch weiterging, zeigte der ORF-Bericht zunächst nicht.

Rücktrittsaufforderungen an Abwerzger waren die Folge. „Wer derlei Aussagen unkommentiert stehen lässt, gar noch anerkennend nickt, kann kein Vertreter der Tirolerinnen und Tiroler sein“, meinte etwa Tirols SPÖ-Chefin Elisabeth Blanik. Esther Fritsch, Ehrenpräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, kritisierte gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass im ORF solch antisemitische Sager gezeigt werden – noch dazu ohne Kommentar von der Reporterin oder dem Studiomoderator.

Abwerzger selbst reagierte empört und sprach von einer verfälschten Darstellung. Er forderte ebenso wie FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky den ORF dazu auf, das gesamte Material zu veröffentlichen.

Neuer Beitrag entlastet FPÖ-Chef

Dieser Aufforderung kam der Sender dann mit einer modifizierten Version des Beitrags in der „Zeit im Bild“ um 13 Uhr nach. Dabei wurde klar, dass Abwerzger sehr wohl auf den Sager des Mannes reagierte – wenn auch nicht mit jener Schärfe, die wohl die meisten nach einer derart eindeutig antisemitischen Entgleisung erwarten würden. Als sich der Pensionist beschwerte, dass man „stinkerte Juden“ nicht mehr sagen dürfe, entgegnete Abwerzger: „Soll man auch nicht sagen“. Ähnliche Worte kamen von FPÖ-Klubobmann Rudi Federspiel, der in dem Beitrag zwar nicht zu sehen, aber zu hören war. Dieser fügte noch hinzu: „Jeder Mensch hat seine Würde und jeder Mensch hat seine Rechte.“

In einem aktuellen Interview mit dem ORF räumte Abwerzger ein, „dass ich vielleicht früher hätte sagen sollen, er soll den Blödsinn lassen“. Man habe dem Mann zugehört und das nachher auch mit ihm besprochen. Es sei nun aber klar gestellt, dass er die Aussagen des Mannes nicht widerspruchslos zur Kenntnis genommen habe.

Abwerzger fordert nun eine Entschuldigung des ORF. Zudem brauche es „nachweisliche Konsequenzen“ im öffentlich-rechtlichen Sender, verlangte der FPÖ-Chef am Samstagnachmittag in der TT-Diskussion der Spitzenkandidaten für die Landtagswahl (siehe hier http://liveblog.tt.com/live/elefantenrunde-live ). Bewusst Stellungnahmen wegzulassen sei „letztklassig“, so Abwerzger.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) entgegnete Abwerzger bei der TT-Konfrontation: „Solche Diskussionen müssen sofort beendet werden. Da muss man sofort einschreiten und sagen: Diese Diskussion ist in Tirol nicht zulässig.“ Sowohl Politik als auch Medien müssten alles daran setzen, dass derartige Dinge in Tirol keinen Platz haben.

ORF steht zu Beitrag

Einen Fehler des ORF ortete die Chefredakteurin des ORF Tirol, Brigitte Gogl, indes nicht. Bei der Gestalterin des Beitrags handle es sich um eine erfahrene Journalistin, der sie es zutraue, dass diese – wenn sie über mehrere Stunden für einen Beitrag drehe – wisse, „wo sie kürzt, ohne sinnentstellend zu sein“. Ihrer Information nach habe sich die Redakteurin mit Abwerzger ausgesprochen. Sie werde aber noch einmal mit der Redakteurin ein Gespräch führen, sagte Gogl. (ema)