Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.02.2018


Bezirk Schwaz

Jenbacher Mandatar im Visier der Behörde

Gegen den Jenbacher Gemeinderat und Baumeister Norbert Rainer laufen mehrere Verfahren seitens der Baubehörde. Rainer fühlt sich sekkiert, der Ortschef dementiert.

© DählingDie Baubehörde prüft, ob die Sonderfläche Hofstelle in Jenbach illegal als Baustofflager genutzt wird. Ein Verfahren läuft auch wegen eines nicht genehmigten straßenseitigen Zaunteilstücks dort.



Von Angela Dähling

Jenbach – Der Zaun sei nicht genehmigt, der Swimmingpool nicht bauverhandelt. Und dann noch die angeblich widmungsfremde Nutzung des geerbten Bauernhofes als Baustofflager. Diese Vorwürfe gegen den Baumeister und FPÖ-Gemeinderat Nobert Rainer machen in Jenbach derzeit die Runde.

Dass der Baumeister einen kleinen mit Baugittern abgezäunten Lagerplatz mit zwei Baucontainern in Wiesing als seinen offiziellen Firmensitz eingetragen hat und die Steuern damit nach Wiesing statt nach Jenbach fließen, sorgt ebenfalls für Diskussionen.

Gemeinderat Norbert Rainer, der auch Mitglied im Jenbacher Bauausschuss ist, will das so nicht stehen lassen. Er habe einen geteilten Firmensitz, erklärt er auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Sein Baumeisterbüro sei in der Tratzbergstraße in Jenbach in einem Wohnhaus, nahe der besagten Hofstelle. „Aber 98 Prozent meiner Baustellen sind außerhalb Jenbachs. Die gewerbliche Ausführung findet also außerhalb Jenbachs statt. Und das Areal in Wiesing müssen meine Mitarbeiter praktisch täglich anfahren, daher ist das mein Betriebsstandort“, argumentiert er. Das als Sonderfläche „Hofstelle“ gewidmete Grundstück mit Bauernhof und Ställen im Jenbacher Ortszentrum habe er verpachtet. „Und in einem Stall, den der Pächter nicht braucht, kann ich ein paar Baumaterialien zwischenlagern“, sieht Rainer darin nichts Unrechtes. Vielmehr sieht er sich durch anonyme Anzeigen sekkiert. Was den Zaun betrifft, habe er erkennen müssen, dass es auch dafür Bauregeln gibt. Der Zaun wurde wieder niedergerissen. „Jetzt habe ich einen Behelf aufgestellt, da gibt es wieder einen Abbruchbescheid. Und wegen eines Aufstellpools im Garten werde ich auch angegriffen“, sagt er kopfschüttelnd. Seine Erklärung: „Der Jenbacher Bauamtsleiter hegt einen Groll gegen mich!“ Das Ganze sei eine Retourkutsche des Beamten wegen einer Schwarzbausache.

Das Wiesinger Areal ist der offizielle Betriebsstandort des Jenbacher Baumeisters und Gemeinderats.
- Dähling

Bauamtsleiter Christian Wirtenberger dementiert: „Ich hege persönlich keinen Groll gegen Norbert Rainer. Als Beamter habe ich jeden Bürger gleich und objektiv zu behandeln, was ich auch tue.“

Bürgermeister Dietmar Wallner (VP) bestätigt auf Anfrage der TT, dass gegen Rainer mehrere Verfahren laufen. „Was der Bauamtsleiter und der Baumeister für ein Verhältnis zueinander haben, spielt für mich als Baubehörde keine Rolle. Ich habe mich an der Tiroler Bauordnung zu orientieren und die lässt nicht viel Spielraum“, erklärt der Gemeindechef. Die anderweitige Nutzung der Hofstelle sei öffentlich bekannt. „Ich bestelle externe Sachverständige und lasse mir Gutachten erstellen, denn die Außen­sicht ist mir wichtig“, will Wallner Objektivität gewahrt wissen.

Zu den laufenden Verfahren gegen den FPÖ-Gemeinderat, der sich selbst als parteilos bezeichnet, sage er nichts. Nur so viel sei allgemein erklärt: Auch bei Zäunen gibt es Vorschriften – u. a. die Maximalhöhe betreffend. Sie müssen daher nach Einreichung und Prüfung bewilligt werden. Und während ein aufblasbares Planschbecken für Kinder kein Fall für die Baubehörde ist, seien es große, aufstellbare Swimmingpools, die mit Wasser gefüllt tonnenschwer sind, schon. „Es geht um Wasserhygiene, dass das Wasser ordnungsgemäß in die Kanalisation fließt, und um das große Gewicht.“ Auch ohne Fundament seien solche Pools bewilligungspflichtig.

„Ich bemühe mich jetzt um einen Firmenstandort in Schwaz oder Wiesing und ziehe mich gewerblich ganz aus Jenbach zurück“, sagt Rainer. „Dafür werde ich viel Geld in die Hand nehmen, in Jenbach geht das offenbar nicht“ meint er. Nachsatz des Oppositionspolitikers: „Ich glaube nicht, dass ich danach handzahmer werde in Jenbach.“