Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.02.2018


Bezirk Landeck

Fließer fordern Tunnel als Antwort auf Felssturz

Nach dem Felssturz auf der L 76 spricht sich der Gemeinderat für eine Tunnellösung zwischen der Fließer Au und Landeck aus.

© ZOOM.TIROL Seit dem Felssturz am 1. Februar ist die Landecker Straße zwischen der Bezirksstadt und der Fließer Au gesperrt. Die Gemeinde Fließ fordert nun einen Tunnel, um die Problemstelle zu entschärfen.Foto: Zoom-Tirol



Von Matthias Reichle

Fließ – Keine guten Nachrichten gibt es derzeit für die Land­ecker Straße (L76). Die Strecke zwischen der Gerberbrücke und der Fließer Au bleibt nach dem Felssturz Anfang Februar weiter gesperrt. Eine dauerhafte Lösung des Problems fordert jetzt die Gemeinde Fließ. Und eine solche kann laut Bürgermeister Hans-Peter Bock nur ein „Tunnel“ sein.

Ein entsprechender Antrag wurde Freitag vom Gemeinderat einstimmig beschlossen und ist inzwischen zu Landeshauptmann Günther Platter unterwegs. „Ich habe die Befürchtung, dass eine Galerie, wie vielfach gefordert, nur schwierig umzusetzen ist“, erklärt Bock. Nicht nur, dass die Umsetzung mit langen, vielleicht mehrjährigen Sperren verbunden wäre, auch das Bauwerk selbst ist für Bock problematisch. „Bei einer Absturzhöhe von 200 Metern kann die Galerie nicht leicht ausgeführt werden.“ Gleichzeitig müsse sie aufgrund der schluchtartigen Strecke mit hohen Stelzen zum Teil bis ins Bachbett hinunter abgesichert werden. „Ich habe kein gutes Gefühl. Wenn etwas abbricht, könnte auch die Galerie mitgehen“, so Bock, der den Stellenwert der Straße betont. „Durchschnittlich sind hier 6800 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Hauptsächlich wird sie von Einheimischen befahren.“

Heuer verzeichnete man auf der Strecke bereits zwei große Ereignisse. Die Geologie ist instabil. Laut den Überlegungen des Fließer Bürgermeisters würde ein 850 Meter langer Tunnel, der den Verkehr zwischen der Gerberbrücke und der Fließer Au in den Berg verlegt, das Problem lösen. Es sei sicher die teuerste Variante, so Bock, aber auch die effektivste. Er rechnet mit Kosten über 40 Mio. Euro.

In ihrem Antrag, der auch an die Abteilung Straßenbau des Landes und den Landesbaudirektor sowie das Baubezirks­amt und LHStv. Josef Geisler gerichtet ist, fordert der Gemeinderat dazu auf, diese Idee mitzuprüfen. Die Experten müssen schlussendlich entscheiden, was notwendig ist, so der Dorfchef.

Die Gemeinde Fließ wird derzeit zweifach von Felsstürzen geplagt. Auch die Dorfzufahrt über die Piller Landesstraße ist gesperrt. Die Umleitung nach Landeck führt deshalb über den Ortsteil Eichholz und den Land­ecker Tunnel – eine mit 22 Kilometern doppelt so lange Strecke als gewöhnlich, dazu zum Teil nur einspurig befahrbar. Bock rechnet, dass die Sperre am Ortseingang in der zweiten März-Woche aufgeht. „Vielleicht bereits einige Tage früher einspurig“, erklärt er.

Für die L76 hatte das Land zuletzt angekündigt, die Steinschlagsituation neu zu bewerten. Derzeit sind die Sicherungsmaßnahmen in vollem Gange. Einen Termin für die Öffnung der Straße gibt es nicht. Diese Woche bleibt die Sperre weiter aufrecht.