Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.02.2018


Landtagswahl 2018

Stell dir vor, es ist Wahl und niemand geht hin

Wörgl und Kufstein kämpfen mit einer sehr geringen Wahlbeteiligung. Ein Gegenmittel ist aber nur schwer zu finden.

Die FPÖ zweifelt das Landtagswahlergebnis an.

© APA/MARKUS LEODOLTERDie FPÖ zweifelt das Landtagswahlergebnis an.



Von Wolfgang Otter

Kufstein, Wörgl – Nur 49,1 Prozent der wahlberechtigten Wörgler und knapp 50 Prozent der wahlberechtigten Kufsteiner gaben bei der Landtagswahl am Sonntag ihre Stimme ab. Also jeweils fast die Hälfte pfiff darauf, wer in den nächsten Jahren Tirol regiert. Auch die bezirksweite Wahlbeteiligung lag am Sonntag mit 58 Prozent unter dem Tirolschnitt (60 %). Dabei war die Beteiligung in den beiden großen Städten im Bezirk heuer nicht einmal der (traurige) Tiefpunkt: Bei der Landtagswahl 2013 gingen in Wörgl überhaupt nur 47 Prozent zu den Urnen. Auch in Kufstein waren es damals nur 49,98 Prozent.

Kufstein und Wörgl sind in bester Gesellschaft mit anderen Städten in Tirol. Außer Innsbruck (58 %), Hall (57 %) und Landeck (57 %) kommt keine auch nur in die Nähe der tirolweiten Beteiligung (60 %). In Reutte ging auch nur jeder Zweite zur Wahlurne und in Kitzbühel waren es 52 Prozent. Von einer Beteiligung wie in Mariastein von 73 Prozent kann man hier also nur träumen.

Dass es auch anders geht, zeigt die Beteiligung an der Nationalratswahl 2017 im Bezirk. Der entsprechend hitzig geführte Wahlkampf schien auch zur Stimmabgabe zu animieren. An die 76 Prozent gingen damals im Bezirk zu den Urnen. Aber auch hier fielen die beiden Städte stark ab, so waren es in Kufstein 62 Prozent und in Wörgl 61 Prozent.

In den Stadtämtern macht sich ob der Zahlen Ratlosigkeit breit: „Es ist mir unverständlich, und ich finde es extrem schade, wenn Menschen dieses Recht nicht wahrnehmen“, sagt Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel. Gegenstrategie hat der Stadtchef keine, „wir haben früher längere Öffnungszeiten gehabt, aber das hat nichts gebracht. Wenn wir nicht die Briefwahl hätten, wäre es noch schlimmer.“

Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner hat ebenfalls keine Erklärung. „Wir beobachten das schon länger. Ich kann es mir auch nicht mit Politikverdrossenheit erklären, Landtagswahlen sind sehr naheliegend“, meint sie.

Wer wählte, hatte die Möglichkeit, Vorzugsstimmen zu vergeben. Und da erhielt LA Alois Margreiter (VP) mit 4694 Stimmen die meisten im Bezirk, gefolgt von VP-LA Barbara Schwaighofer (1624), dem Ebbser VP-Vize-BM Sebastian Kolland (1476) und VP-LA Bettina Ellinger (1395). Die vier distanzierten Kandidaten anderer Parteien weit. So erhielt SPÖ-Bezirksspitzenkandidatin Patricia Bittersam-Horejs 513 Stimmen, der an zweiter Stelle gereihte Wörgler SPÖ-NR Christian Kovacevic 580. Auf 880 Vorzugsstimmen brachte es der FPÖ-Spitzenkandidat Christofer Ranzmaier, FPÖ-GR Walter Thaler erhielt 570 und die an 10. Stelle gereihte Wörgler FPÖ-NR Carmen Schimanek immerhin noch 500. Nicole Schreyer (Grüne) kam auf 474 Stimmen, Isabella Gruber (Fritz) auf 468, Andrea Krumschnabel (Family) auf 510, Franziska Schumi (NEOS) auf 315 und Christian Herbst (Impuls) auf 34.