Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.03.2018


Bezirk Schwaz

Jenbacher Beamter wehrt sich gegen Anzeigen

Der Jenbacher Bauamtsleiter sieht sich einer Anzeigenflut, Rufschädigung und Verfolgung durch vier Personen ausgesetzt. Zwei sitzen im Gemeinderat. Sie kontern, der Beamte mache Ähnliches mit ihnen.

Der Jenbacher Bauamtsleiter Christian Wirtenberger.

© DählingDer Jenbacher Bauamtsleiter Christian Wirtenberger.



Von Angela Dähling

Jenbach – Korruption, Geschenkannahme, Amtsmissbrauch, Unterschlagung von Spendengeldern, Verdacht der Bereicherung, Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und gegen die Tiroler Bauordnung ... Die Liste, deretwegen die Bezirkshauptmannschaft und die Staatsanwaltschaft gegen den Jenbacher Bauamtsleiter Christian Wirtenberger ermittelten, ist lang. Ähnlich lang ist aber auch die Liste der eingestellten Verfahren. „Bis jetzt sind alle Vorwürfe gegen mich im Sand verlaufen und die Verfahren wurden eingestellt“, sagt Wirtenberger. Den noch laufenden Verfahren sieht er gelassen entgegen: „Auch hier wird sich meine Unschuld noch herausstellen.“

Was aber an seinen Nerven zehrt, ist, dass eine Handvoll Menschen darauf aus sei, ihm zu schaden. Zwei Personen aus seinem privaten Umfeld und zwei Gemeinderäte nennt er in diesem Zusammenhang. „Ich bin das Opfer. Ich werde seit 2016 gestalkt, verfolgt und medial angegriffen. Man fährt mir mit dem Auto hinterher, ob beim Entsorgen des Hausmülls oder beim Schneefräsen – ich werde fotografiert und gefilmt. Und auch meine Besucher werden fotografiert“, sagt Wirtenberger, der einräumt, inzwischen ebenfalls „bei gewissen Dingen die Augen offenzuhalten“. Aber ihm reicht es jetzt: „Ich werde Verleumdungsklagen einreichen. Denn jemandem, der andere einer behördlichen Verfolgung aussetzt, obwohl er weiß, dass die Verdächtigung falsch ist, droht Freiheitsstrafe.“

Ein Fall, der im vergangenen Herbst auch in der TT Niederschlag fand, ist der vor zehn Jahren erfolgte Kellerausbau und Umbau in 60 m² Wohnfläche in Wirtenbergers Neue-Heimat-Mietwohnung. Alles soll ohne Baugenehmigung und ohne Wissen der Neuen Heimat erfolgt sein. „Der damalige Bürgermeister war informiert. Da hieß es, das passt schon, weil’s ja nur ein Keller ist“, sagt Wirtenberger. „Damals war man der Ansicht, das sei bewilligungsfrei“, meint er und behauptet, auch der damalige Hausverwalter der Neuen Heimat habe von den Baumaßnahmen gewusst. Wie berichtet, hatten die amtierenden Zuständigen der Neuen Heimat erklärt, alles sei ohne Wissen des Unternehmens passiert. Im Herbst 2017 suchte die NHT nachträglich erfolgreich um Baugenehmigung an, womit alles nun dem gesetzmäßigen Zustand entspricht. Auch ein Ermittlungsverfahren gegen Wirtenberger wegen Verstoßes gegen die Bauordnung wurde eingestellt. „Ich bin ja Mieter und nicht Eigentümer der Wohnung“, sagt Wirtenberger. Er zahle jetzt aber 30 Euro mehr Miete monatlich – zehn Euro pro Keller (die teilweise einst zu nachbarlichen Wohnungen gehörten).

Dass das Ganze überhaupt ins Rollen kam, lag an der FPÖ-Fraktion, die den Ausbau im Gemeinderat thematisierte. „Mit dem Einzug der Mandatare Norbert Rainer und Wolfgang Wittner in den Gemeinderat 2016 fingen die Angriffe auf meine Person an“, sagt Wirtenberger. Mehrere (Misstrauens-)Anträge ihn betreffend habe die FPÖ eingebracht, Rainer habe ihn wegen Amtsmissbrauchs angezeigt. Sie hätten keine Anzeigen gegen den Bauamtsleiter gemacht, behaupten Wolfgang Wittner und Norbert Rainer. Man habe lediglich um Aufklärung in einer öffentlichen Sitzung gebeten und bei der Gemeindeabteilung der BH Unterlagen in der Kellerausbau-Sache eingereicht. „Teilweise sind Verfahren dazu wegen Verjährung eingestellt worden oder weil einiges nicht mehr nachweisbar war“, behauptet Wittner und sieht die Sache noch immer kritisch. „Als Opposition hat man die Aufgabe, Dinge zu hinterfragen. Es kann nicht sein, dass wir politisch verfolgt werden, nur weil wir unserer Arbeit nachgehen“, sagt er weiter und verweist darauf, dass Rainer in baurechtlichen Sachen und er selbst wegen seines Wohnsitzes dank des Bauamtsleiters nun Ermittlungen ausgesetzt seien. Zudem gebe es anonyme Anzeigen gegen Rainer.

Laut Wittner habe er mit dem Bürgermeister und dem Amtsleiter darüber beraten, wie man wieder vernünftig zusammenarbeiten könne. „Eine Lösung gibt es noch nicht, aber wir sind dahinter.“




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