Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.03.2018


Landespolitik

Heuer bereits 58.000 Lkw mehr am Brenner

Während die Tiroler Politik um Lösungen ringt, geht der grenzüberschreitende Gütertransport sprichwörtlich durch die Decke.

© jakob-gruber.at



Innsbruck – Die Transitsituation am Brenner spitzt sich weiter zu: Während die Tiroler Politik um Lösungen ringt wie eine Korridormaut auf der Brennerachse, geht der grenzüberschreitende Gütertransport sprichwörtlich durch die Decke. Das belegen die aktuellen Transitzahlen der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag für die Brennerautobahn.

In den ersten beiden Monaten des heurigen Jahres fuhren um 58.000 Lkw mehr am Brenner als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Steigerung betrug 16,7 Prozent, zuletzt im Februar 12,1 Prozent. Doch auch der Individualverkehr verzeichnete einen Zuwachs von acht Prozent oder 113.000 Fahrzeugen. Hinter den beim Transitgipfel Anfang Februar mit Italiens Noch-Verkehrsminister Graziano Delrio vereinbarten schrittweisen Mauterhöhungen auf dem italienischen Abschnitt der Brennerautobahn steht seit den Parlamentswahlen vom Sonntag ein großes Fragezeichen. Schließlich hat er zwar die Absicht bekundet, aber noch keine entsprechenden Taten gesetzt. Dass dürfte der Linkspolitiker in seiner verbleibenden Ministerzeit auch nicht mehr tun.

Die Frächter müssen in Italien nur 16 Cent pro Kilometer berappen, in Tirol im Durchschnitt 80 Cent. In Deutschland gilt ebenfalls der Billigtarif, der bayerische Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann lehnt aber mit Blick auf eine Mauterhöhung für Lkw auf der Strecke zwischen München und Rosenheim ab. Bayern setzt auf die Verlagerung der Straßenstransporte auf die Schiene und deshalb auf die Rollende Landstraße.

Dass Delrio die Mauterhöhung im Zusammenhang mit der Konzessionsvergabe an die Region Trentino-Südtirol noch nicht fixiert hat, bedeutet auch einen Rückschlag in den Bemühungen der Europaregion. Noch Mitte Jänner hat Tirols Landeshauptmann Günther Platter (VP) erklärt, dass es Ziel der Euregio sei, die Korridormaut noch vor der Parlamentswahl Italiens Anfang März im Abkommen mit Italien zur Autobahn-Konzession zu verankern.

„Es ist eingetreten, was ich befürchtet habe: Mit den Rechtspopulisten haben jene die Wahl gewonnen, die im Wahlkampf als Handlanger der Frächterlobby aufgetreten sind“, kritisiert Verkehrsreferentin und Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne). Ihre Befürchtungen sind groß: „Was wir in der Europaregion gerade beschlossen haben, wird jetzt nur mehr ganz schwer auch in Rom durchzubringen sein.“

Eine ausdrückliche Warnung gibt es bereits vom italienischen Frächterverband. Das Bekenntnis zur Korridormaut gleiche einem politischen Theaterstück, das einen Versuch Österreichs darstelle, die Wirtschaft Italiens zu behindern, übt Paolo Ugge von Conftrasporto heftige Kritik. (pn)




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