Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 07.03.2018


Landespolitik

Transitforum droht mit Autobahnblockade

58.000 Lkw mehr: LH Platter will noch im März weitere Blockabfertigungen vorbereiten.

© RottensteinerFritz Gurgiser bringt wieder Autobahnblockade ins Spiel.



Innsbruck – Einen Monat nach dem Brennergipfel in München schrillen wieder die Alarmglocken: 58.000 Lkw mehr fuhren alleine in den ersten zwei Monaten des heurigen Jahres über den Brenner. Insgesamt wurden damit über 402.000 Lkw im Jänner und Februar an der Mautstelle gezählt, 2017 waren es noch knapp über 344.500 Lkw. Gleichzeitig wackelt das Versprechen von Noch-Verkehrsminister Graziano Delrio aus Italien für eine schrittweise Anhebung der Mauttarife für Lkw auf dem italienischen Abschnitt der Brennerautobahn.

Um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in einem ersten Schritt zumindest an besonders verkehrsreichen Tagen aufrechtzuerhalten, hält LH Günther Platter (VP) deshalb an den Blockabfertigungen fest: „Der Checkpoint bei Kufstein Nord wird noch im März erneut hochgefahren. Die Ausarbeitung eines endgültigen Dosierkalenders durch unsere Expertinnen und Experten ist derzeit in der Finalisierung und wird in Kürze bekannt gegeben.“

Andererseits glaubt der Landeshauptmann nach wie vor an die Vereinbarungen von München: Er fordert von der noch im Amt befindlichen und auch von einer möglichen zukünftigen italienischen Regierung, sich an Absprachen zu halten. „Wir haben uns vor einigen Wochen auf die Verlagerung des Güterschwerverkehrs auf die Schiene sowie eine einheitliche Korridormaut von Kufstein bis Verona verständigt“, erinnert Platter an den Brennergipfel.

Fritz Gurgiser vom Transitforum will die nächsten Wochen abwarten und dann darüber entscheiden, ob es wieder einmal Protestmaßnahmen auf der Autobahn notwendig sind. „Wir denken darüber nach.“ Neben einer Lkw-Korridormaut auf der Brennerachse von München nach Verona, also die Angleichung auf den durchschnittlichen Kilometertarif von 80 Cent in Tirol, fordert Gurgiser ein Ende der Ausnahmegenehmigungen. „Die Lkw-Fahrverbote werden aber durch einen Wildwuchs an Ausnahmebewilligungen selbst unterlaufen.“ Er spricht sich für eine restriktive Neufassung aller Ausnahmeregelungen von bestehenden Lkw-Fahrverboten unter der Priorität Gesundheit vor falsch verstandenen Verkehrsfreiheiten aus. Dazu zählt er vor allem die Rücknahme der Sonderstellung von Lkw der Schadstoffklasse 6 vom Nachtfahrverbot sowie vom sektoralen Lkw-Fahrverbot. „Letzteres ist aus diesem Grund bisher wirkungslos“, kritisiert Gurgiser. (pn)