Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.03.2018


Exklusiv

Trinkwasser wird in Buch zur Schmutzwäsche

In der Bucher Gemeinderatssitzung ging es am Mittwoch hoch her: BM Wex wurde wegen Colibakterien im Trinkwasser angezeigt – u. a. von Otto Mauracher. Auch laufende Ermittlungen gegen ihn waren Thema.

© Dähling



Von Angela Dähling

Buch i. T. – Vordergründig schienen zunächst die Zeichen auf friedliche Zusammenarbeit bei der Bucher Gemeinderatssitzung am Mittwochabend zu stehen. Diverse Tagesordnungspunkte – überwiegend unbedeutend erscheinende Grundstücksangelegenheiten – wurden einstimmig beschlossen, auch wenn mehrfach erwähnt wurde, dass dem Ganzen umso hitzigere Debatten im Bauausschuss vorausgegangen sein sollen. Ungewollt komisch wurde es kurzzeitig, als VBM Walter Wallner irritiert und leicht fassungslos darauf hinwies, dass in der Fotogalerie der Bürgermeister plötzlich ein Bild fehle: das seines Schwagers und Listenkollegen Ex-BM Otto Mauracher. „Ich habe es nicht“, stellte die Bürgermeisterin Marion Wex aufgeregt klar. Das Bild befinde sich in Reparatur.

Alles andere als komisch und friedlich verlief die Sitzung gegen Ende und bei wirklich wichtigen Themen wie der Trinkwasserversorgung. Für manche der zahlreich erschienenen Bürger verkam sie zum Schmierentheater. „Schämen solltet’s euch – alle miteinand’“, war hier nur eine von vielen Bemerkungen. Was war los?

Den Anfang machte VBM Walter Wallner mit einem Plädoyer für das Wasser aus der Blaikner Quelle. Wie berichtet, wurde die Zufuhr dieses Wassers in die Trinkwasserversorgung behördlich wegen zu hoher Antimonwerte vor vielen Jahren verboten. Wallne­r wies darauf hin, dass die dennoch erfolgte Einspeisung unter seiner Federführung und der von Ex-BM Maur­acher nur selten (im Schnitt 1x jährlich) und nur in geringen Mengen erfolgt sei und zudem das Blaikner Wasser immer mit anderem Wasser vermischt worden sei. „Das Wasser ist genießbar, man kann es trinken. Dass es verseucht ist, stimmt so nicht“, sagte er und forderte, dass die Bevölkerung dahingehend informiert werde. Laut ihm ist der „Böse“ in Sachen Trinkwasser nämlich nicht er oder Mauracher, sondern BM Marion Wex. Zusammen mit Gemeindevorstand Matthäus Haberl haben beide die Gemeindechefin bei der Bezirkshauptmannschaft in Sachen Trinkwasserversorgung am 5. Februar wegen „bewusster Gesundheitsgefährdung und Gefahr im Verzug“ angezeigt.

Am 2. November seien bei einer Wasserüberprüfung sechs Coliformebakterien im Hochbehälter St. Margarethen festgestellt worden, bei einer Nachprüfung seien es noch vier gewesen. „Dass diese Kontrolle erst sechs Wochen später stattfand, ist unerklärlich. Ebenso, dass keine Maßnahmen ergriffen wurden und die Bevölkerung nicht informiert wurde“, wetterten Wallner und Mauracher. „Das ist sehr dubios. Da stimmt was nicht“, so Wallner. Zudem gebe es seit 21. Dezember keinen Eintrag ins Wasserbuch mehr.

BM Wex konterte erbost: „Das Bucher Trinkwasser ist wahrscheinlich das best­über­wachte Tirols!“ Kontrollen und Maßnahmen seien nur durch das Lebensmittelhygieneinstitut zu treffen, das Wasserbuch liege bei der BH auf. Die Gemeinde habe lediglich ein Betriebsbuch. Während bis zur Anzeige die Gemeindebediensteten bereitwillig Auskunft über diverse Prüfberichte etc. gaben, ist damit seither Schluss. „Das geht jetzt nur noch über mich. Ihr hättet mich fragen können, aber das habt ihr kein einziges Mal. Du warst seit meinem Amtsantritt ganze zweimal bei mir im Büro“, schimpfte die Bürgermeisterin Richtung Wallner. Laut Umwelthygieniker seien die bakteriologischen Parameter eingehalten worden. Lediglich Indikatorparameterwerte seien durch die coliformen Bakterien überschritten worden. Die Quellwasser seien in Ordnung, ein Entnahmehahn befinde sich offenbar zu nah am Boden. „Das hätte längst geändert werden müssen und ist in Auftrag“, sagte Wex. Bei der Prüfung im Februar wurden keine Colibakterien mehr festgestellt.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen GV Otto Mauracher wegen diverser Grundstückskäufe laufen noch immer. Ob er schuldig sein könnte, beschäftigt seine Liste aber weit weniger als die Frage, wer die anonyme Anzeige einst eingebracht hat. „Sie soll von der Opposition ausgegangen sein“, informierte GR Dietmar Ritzberger. „Ich war nicht involviert, das habe ich schon fünfmal gesagt“, antwortete Oppositionsführer Markus Mayr. Wallner hielt Wex dann ein Kuvert hin: „Ist das deine Handschrift?“, fragte er. Wex: „Weiß nicht.“ Maur­acher: „Ein Gutachten bestätigt, es ist deine!“ Wallner sprach vom möglichen „Vertrauensbruch“, da Wex durch seine Liste Bürgermeisterin wurde. Wex fühlte sich überrumpelt. „Das Kuvert wurde im Mai abgestempelt, die Anzeige erfolgte im April“, sagte sie nur. Da sie selbst Polizistin ist, seien wegen Befangenheit Wiener Kollegen im Fall tätig.