Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.03.2018


Exklusiv

Ablehnung des Scheiteltunnels eint

Albert Linser hatte gerufen und rund 40 Fernpassscheiteltunnelgegner waren in den Gasthof Krone nach Lähn gekommen. Den Grünen wurde der „Super-GAU“ angedroht, sollten sie ihr Wahlversprechen brechen.

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© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Bichlbach – Hochoffizielle Einladungen dazu hatte es nicht gegeben. Nur informell wurde das Treffen beworben, zu dem der frühere Bichlbacher Bürgermeister Albert Linser gerufen hatte. 40 Interessierte waren Freitagnachmittag dann in den Gasthof Krone im Bichlbacher Weiler Lähn gekommen. Sie alle einte eines – die Ablehnung des von der ÖVP forcierten Scheiteltunnels am Fernpass. Albert Linser hoffte mit dem Treffen für die fast abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen noch Druck auf die Ökopartei aufbauen zu können, bei der Tunnelablehnung unbedingt standfest zu bleiben.

Linser freute sich, dass so viele gekommen waren und er „Gleichgesinnten eine Stimme geben“ dürfe. „Der Scheiteltunnel bringt nichts“, was Richtung Entlastung gehe. „Aber er bringt mehr Verkehr, zusätzliche Blockabfertigungen und die 7,5-Tonnen-Tonnagebeschränkung wackelt“, beschrieb er das ganze Ungemach, das er vom Tunnelprojekt erwartet.

Der Bichlbacher konnte in der Runde unterschiedlichste politische Vertreter wie die grüne Bezirks­chefin Barbar­a Brejla, den Obmann der Freiheitlichen, Fabian Walch, Alt-LA Maria Zwölfer (Impuls) und den Reuttener Bürgermeister Alois Oberer begrüßen. Die NEOS hatten ihr späteres Kommen noch avisiert. An die Grünen gewandt, meinte Linser: „Alle Parteien außer der ÖVP haben im Landtagswahlkampf erklärt, dass der Bau des Fernpassscheiteltunnels nicht in Frage komme, und nun verhandeln die Grünen über eine Koalition mit der ÖVP. Ich bin längst ein gelernter Skeptiker und hoffe nicht, dass die Grünen umfallen werden, nämlich dass sie in Sachen Scheiteltunnel doch einen Kompromiss eingehen werden.“ Denn in der Tiroler Tageszeitung sei bereits vermeldet worden, dass das Thema Fernpass bei den Koalitionsverhandlungen als einer der ersten Punkte vom Tisch gewesen sei. Noch gelte die Unschuldsvermutung für die Grünen, führte Linser weiter aus. „Sollten sie jedoch umgefallen sein, dann wird das für sie hier im Außerfern der Super-GAU. Dann sind sie für die Leut’ gestorben.“

Barbara Brejla erklärte, dass sie persönlich noch nicht über Details informiert sei, das Thema in der Landesversammlung morgen Mittwoch um 17 Uhr aber ganz sicher auf den Tisch komme. „Wir Bezirksgrünen werden alles in unserer Macht Stehende gegen den Tunnel unternehmen, egal welche Regierung es geben wird.“ Der Mediziner Walter Bachlechner will bei der grünen Landesversammlung ebenfalls „Druck machen“, wie er im Gasthof Krone erklärte.

Linsers Wünsche deckten sich mit denen des Reuttener Bürgermeisters Alois Oberer, der vor allem eine Feinjustierung des „erfolgreichen“ Dosiersystems anstrebt. Obere­r wollte auch nicht in den Kopf, warum in dieser Frage nicht mehr auf die Anliegergemeinden gehört werde. Reutt­e und Biberwier seien offiziell dagegen, in Lermoos und Bichlbach die Gemeinderäte. Nur Heiterwang verhalte sich ruhi­g. Reuttes Marktchef glaubt, dass mit dem Bau des Tunnels und Verlust der Spitzkehre auf Imster Seite das Tonnagelimit schwerstens gefährdet sei und die großen Lkw damit ungehemmt rollen könnten. Unterschiedliche Angaben von 40 bis 60 Prozent, wie hoch die Gefahr der Aufhebung sei, wurden von den Diskutanten jeweils Experten zitierend in den Raum gestellt. Dazu der Lermooser Gemeinderat Fritz Mitterbauer: „Man stelle sich einen Skitourengeher vor, der bei einem 50-prozentigen Lawinenrisiko Frau und Kind mitnehmen würde. Das wäre ein Verbrecher. Aber bei der Tonnagebeschränkung ist’s scheinbar egal.“

FPÖ-Obmann Walch wusste, dass der ÖVP der Scheiteltunnel in den Sondierungsgesprächen „sehr, sehr wichtig“ gewesen sei. „Uns eint hier und heute die Gegnerschaft zu diesem Projekt. Wir fordern aber Großtunnellösungen durch das Außerfern.“ Dem konnte auch Maria Zwölfer (Impuls) zustimmen, die das 7,5-Tonnen-Tonnagelimit schon fallen sah: „Und wenn hier eine Sonja Ledl-Rossmann von der Bezirks-ÖVP das Gegenteil behauptet, ist das ziemlich irrelevant.“

Albert Linser hoffte abschließend auf ein klärendes Gespräch mit dem Landeshauptmann, das ihm versprochen worden sei und zu dem er eine Handvoll Mitstreiter mitnehmen möchte. „Noch ist die Zeit des Dialoges, den wir selbstverständlich anbieten.“ Andere Mittel wollte er auch nicht gänzlich ausschließen, die B179 sei schon blockiert worden. Aber so weit sei es noch lange nicht.