Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.03.2018


Landespolitik

Bachlechner: „Das ist grüner Verrat an der Heimat“

Nach dem Ja der Tiroler Grünen zum Bau des Fernpassscheiteltunnels legt der stellvertretende Bezirkssprecher Walter Bachlechner seine Funktionen nieder. Obfrau Barbara Brejla hat dafür Verständnis.

© Mittermayr Helmut



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Am Tag 1 nach der Regierungsvereinbarung zwischen ÖVP und Grünen im Land Tirol, die auch den Bau des Fernpassscheiteltunnels beinhaltet, brannte es bei den Außerferner Ökobewegten lichterloh. Walter Bachlechner, grünes Urgestein im Bezirk und Stellvertreter von Obfrau Barbara Brejla, legte alle Funktionen zurück. „Bei der gestrigen Landesversammlung haben sie mir erklärt, dass so viele grüne Vorbedingungen zum Scheiteltunnel in die Regierungserklärung eingeflossen seien, dass er praktisch nicht kommen werde. Ich sagte dann, wenn er eh nie kommen wird, wieso er dann überhaupt im Übereinkommen steht“, erklärt Mediziner Bachlechner. Mit der Koalition habe man Schwarz-Blau verhindern wollen, habe es weiter geheißen. „Diese Entscheidung ist wohl immer noch eine Angelegenheit der Schwarzen und nicht unsere, habe ich dazu gesagt.“ Bachlechner, der Mittwochabend in Innsbruck gegen die Koalitionsvereinbarung gestimmt hat, zieht die Konsequenzen. Er will persönlich auch weiter gegen den Fernpassscheiteltunnel kämpfen, aber mit den Grünen in Tirol künftig nichts mehr zu tun haben.

Bezirkssprecherin Barbara Brejla ist konsterniert: „Der Schritt Walter Bachlechners ist mir bekannt und nachvollziehbar. Wir stehen gerade vor einer wahnsinnig schwierigen Situation. Der Bezirk ist wichtig, aber auch das Land. Wir haben eine Vorbildfunktion, es gibt eine soziale Seite, eine grüne Haltung. All das ist wichtig. Das alles unter einen Hut zu bekommen …“ Aussagen, wonach alle sieben Außerferner Vertreter geschlossen gegen den Koalitionspakt mit der ÖVP gestimmt hätten, weist die Reuttener Tierärztin zurück. „Es gab keine Absprache unter uns, natürlich auch keinen Klubzwang. Das musste jeder mit sich selbst ausmachen.“ Der Pakt mit der ÖVP erhielt unter den 124 Delegierten eine Zustimmung von 85 Prozent.

Für Brejla ist die jetzige Situation ein „Riesenriesendilemma, das einen fast zerreißt. So viele im Bezirk sind enttäuscht. Natürlich sind wir mit Albert Linser und seinen Vorgängern und Mitkämpfern gegen den Scheiteltunnel einer Meinung. Das ist schon seit Jahren eine einzige klare Richtung.“

In drei Wochen findet die turnusmäßige Bezirksversammlung der Grünen mit Neuwahlen statt. Nach zweimal drei Jahren als Obfrau wird Barbara Brejla nicht mehr kandidieren. Dies gab sie schon im Herbst intern bekannt. „Das hat nichts mit der aktuellen Entwicklung zu tun“, ist ihr wichtig zu deponieren. Die Versammlung sei schon überfällig und man sei auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger oder einer Nachfolgerin. Wie schwierig das zurzeit im Bezirk Reutte werden könnte, zeigt die wütende Reaktion von Albert Linser, seines Zeichens Sprecher einer wiederformierten Bewegung gegen den Bau des Fernpassscheiteltunnels: „Was die Grünen tun, ist Verrat an der Heimat.“

Bei Albert Linser, dem ehemaligen Bürgermeister von Bichl­bach, läutete am Donnerstag das Handy durch. Nur nicht aufgeben, sei die Botschaft, die er im Minu­tentakt mitgeteilt bekomme. Und das habe er auch ganz sicher nicht vor. „Die Grünen wird es im Außerfern zerbröseln“, war er sich auf TT-Nachfrage über den von ihm angekündigten „Super-GAU“ für die Ökopartei sicher. Grünen-Landes­chefin Felipe habe ihn in Sachen Scheiteltunnel vor der Koalitionsvereinbarung zweimal kontaktiert und er habe ihr jedes Mal gesagt „Hände weg von einem Tunnel!“. Man brauche sich nur die grünen Folder und grünen Forderungen zur Landtagswahl anzusehen. Das nunmehrige Ja zum Fernpassscheiteltunnel ist für Linser daher „Wortbruch und eine totale Verarschung der grünen Wähler. Alle Versprechungen der Grünen wurden gebrochen.“ Die Blauen könnten nun hingegen locker hinstehen und sagen, unter ihnen hätte es diesen Tunnel nicht gegeben.

Albert Linser will nun die vom Landeshauptmannbüro versprochene Aussprache mit Günther Platter täglich einfordern. „Und ich lasse mich sicher nicht einlullen. Konsequenzen unsererseits sind denkbar. Wenn man uns in die Enge treibt, werden wir umso härter. Früher war ich ein schwarzes Urgestein, jetzt bin ich nur noch Stein.“ Die grüne Entscheidung pro Tunnel regte Linser im Lauf des Gesprächs derart auf, dass er es beenden musste: „I muass zruck zu meine Viecher, zum Auskiahlen.“