Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.03.2018


Exklusiv

Lkw-Verkehr über den Fernpass explodiert

Die Grünen erklären, wie sie die Fernpassscheiteltunnel-Pläne durch zahlreiche Hürden verbarrikadieren wollen, und ernten dafür blaue Häme. Der Verkehr nahm entlang der B179 im Jahr 2017 sehr stark zu.

Der Lkw-Verkehr auf der Fernpassstrecke ist im Jahr 2017 um fast zehn Prozent gestiegen.

© TscholDer Lkw-Verkehr auf der Fernpassstrecke ist im Jahr 2017 um fast zehn Prozent gestiegen.



Von Helmut Mittermayr

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Reutte – Die politischen Nachbeben zum grünen „Ja, aber“ zum Bau des Fernpassscheiteltunnels sind noch nicht abgeklungen, da dürfte die brandneue Jahresverkehrszählungsstatistik betreffend die B179 für neuen Diskussionsstoff sorgen. Denn der Verkehr an der Fernpassstrecke nahm im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr kräftig zu. Die Gesamtzahlen (Pkw und Lkw) stiegen an der Zählstelle Fernsteinsee um 2,8 Prozent und erreichten einen täglichen Durchschnittswert von 13.885 Fahrzeugen. Geradezu explodiert ist der Lkw-Güterverkehr, der am Fernsteinsee im Vergleichszeitraum 2016/2017 um 9,8 Prozent auf 1313 Brummer täglich gestiegen ist. Die Untergruppe „Sattel und Lkw mit Anhänger“, die rund die Hälfte des unter Lkw subsumierten Verkehrs ausmacht, legte auf der Imster Seite um 8,9 Prozent auf 771 Fahrzeuge täglich zu.

Wem die Verkehrsbelastung am vielgeschmähten Fernpass schon hoch vorkommt, dem ist die Frequenz bei Bichl­bach nicht geläufig. Denn dort wälzt sich noch einmal um 20 Prozent mehr Verkehr über die B179 als auf der 16 Kilometer entfernten Passhöhe. 2017 erreichte der tägliche Durchschnittswert aller Fahrzeuge 16.728 – ein Plus gegenüber 2016 von 2,2 Prozent. Während die Pkw nur um 1,52 Prozent auf täglich 14.952 zulegten, schnellte der Lkw-Güterverkehr in Bichlbach in nur einem Jahr um 8,8 Prozent (1293) in die Höhe, die Sattelkraftfahrzeuge und Lkw mit Hänger sogar um 9,3 Prozent (755).

Zurück zur Tagespolitik: In einer Aussendung erklären die Grünen, warum sie glauben, die Scheiteltunnel-Pläne – trotz ihrer koalitionären Zustimmung zum Bau – durch „zahlreiche Hürden verbarrikadieren“ zu können. Für die grüne Gemeinderätin Regina Karlen, Schwester der Bezirkssprecherin Barbara Brejla, ist der Scheiteltunnel weiterhin „untragbar“. Sie hofft auf jene rechtlichen „Hürden“, welche die Grünen im Koalitionsabkommen verankert haben. Erstens dürften die Tunnelpläne der Alpenkonvention nicht widersprechen. Zweitens müsse garantiert werden, dass das 7,5-Tonnen-Limit für Lkw bestehen bleibe. Und drittens dürfe keine neue internationale Transitroute entstehen. „Für uns ist klar, dass der Scheiteltunnel an diesen Hürden scheitert“, erklärt die grüne Neoabgeordnete Stephanie Jicha. Die studierte Juristin sieht die Hürden als „unüberwindbar“.

Das Abkommen sehe nicht nur rechtliche Hürden vor, sondern auch verkehrslenkende Maßnahmen, die allesamt als Vorbedingung vor Tunnelplänen, egal welcher Art, umzusetzen seien. Neben der Fernpassstrategie etwa die Einführung eines automatischen und permanenten Dosiersystems in Grenznähe, um die tägliche Lkw-Frequenz auf dem Stand von 2017 einzufrieren.

Walter Bachlechner, gerade wegen der Zustimmung der Landesgrünen zum Scheiteltunnel als grüner Bezirksvize zurückgetreten, ist es wichtig zu sagen, dass er deshalb nicht – wie berichtet – mit den Grünen nichts mehr zu tun haben wolle. Bachlechner: „Das grüne gesellschaftliche, soziale und umweltrelevante Engagement entspricht in den meisten Punkten meiner Einstellung. Aus diesem Grund sind die Grünen daher immer noch die für mich einzig wählbare Partei.“

Zu Wort meldet sich auch FPÖ-Bezirksobmann Fabian Walch: „Die Grünen sind wie befürchtet im Liegen umgefallen, was den Scheiteltunnel anbelangt. Im Wahlkampf noch großspurig gegen jeglichen Ausbau der Fernpassstrecke, wurde diese Position aus Machtgier auf dem Altar der Koalition geopfert. Meine Hochachtung möchte ich Dr. Walter Bachlechner aussprechen, der mit seinem sofortigen Austritt Rückgrat bewiesen hat. Jeder Außerferner Grüne, der es ihm jetzt nicht gleichtut, macht sich hochgradig unglaubwürdig.“