Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.03.2018


Innsbruck-Land

Polit-Zwist statt österlichem Frieden in Wattenberg

Vor der Volksbefragung zum neuen Gemeindezentrum sind die Fronten weiterhin verhärtet. Dass diese rasch aufweichen, ist kaum zu erwarten.

Bei der Volksschule Wattenberg sind bereits die Bagger aufgefahren. Das große Um- und Neubauprojekt ist am Ostermontag Thema einer Volksbefragung. Initiator Johann Geißler hofft auf ein klares Nein, BM Franz Schmadl auf ein Ja als doppelte Absicheruchung.

© Bei der Volksschule Wattenberg sind bereits die Bagger aufgefahren. Das große Um- und Neubauprojekt ist am Ostermontag Thema einer Volksbefragung. Initiator Johann Geißler hofft auf ein klares Nein, BM Franz Schmadl auf ein Ja als doppelte Absicheruchung.



Wattenberg – Von Osterfrieden ist in Wattenberg wenig zu spüren. „Die Stimmung ist weiterhin aufgeheizt“, sagt Gemeindevorstand Johann Geißler (Unser Wattenberg), Initiator jener Volksbefragung, die am Ostermontag stattfindet. Darin geht es, wie berichtet, um ein Großprojekt, das die Gemeindepolitik tief spaltet: Die Volksschule (nahe dem Gemeindeamt) soll umgebaut, der Turnsaal aufgestockt, Vereinsräume, ein Veranstaltungssaal und eine Kinderkrippe geschaffen werden. Auch der Umbau des Feuerwehrhauses beim Gasthof Mühle ist Teil des Gesamtvorhabens. Nun sind 623 Wattenberger aufgerufen, darüber abzustimmen, ob die Neu- und Umbauten wie geplant umgesetzt werden sollen.

Geißler plädiert für ein klares Nein: „Für ein ca. 3,5 Mio. Euro schweres Projekt hätte man zumindest Kompromisse suchen müssen. Aber der Bau wird vom Bürgermeister politisch durchgezogen.“ Geißlers Liste der Kritikpunkte ist lang: Eine Kinderkrippe solle besser gemeinsam mit dem großen Nachbarn Wattens und der Firma Swarovski umgesetzt werden. Der geplante Veranstaltungssaal sei unnötig und schade den ansässigen Gasthäusern. Die Musikkapelle wolle mit ihrem Probelokal im Feuerwehrhaus bleiben, dort sei man flexibler. Vor allem aber drohe beim neuen Vereinshaus angesichts der schma­len, einspurigen Zufahrt das große Verkehrschaos.

Der Bürgermeister, so Geißler weiter, habe den Volksbefragungstermin „so weit wie möglich hinausgezögert“ – bis nach der Vergabe der Bauleistungen –, „um die Volksbefragung sinnlos zu machen“.

BM Franz Schmadl (Bürgerliste) verweist dagegen auf die „vielen Möglichkeiten“ des neuen Gemeindezentrums – mit einer „attraktiveren Gestaltung der Schule“, der erstmaligen Betreuung von Kleinkindern und einem Saal, der für Gemeindeversammlungen, Schulvorführungen oder den Theaterverein große Vorteile bringe. Auch Chor, Brauchtumsgruppe oder Bäuerinnenorganisation seien sehr froh darüber. Das Musikprobelokal lasse sich per mobiler Trennwand sofort in einen Konzertsaal verwandeln. Zudem schaffe man einen Umkehrplatz für Busse und erweitere den Parkraum auf 42 Plätze. Beim Feuerwehrhaus sei die Parkplatzfrage dagegen prekär – und eine Erweiterung nicht möglich.

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Zugleich hätten, auch aufgrund förderrechtlicher Verpflichtungen, die Vorarbeiten für Kinderkrippe und Schulhaussanierung schon begonnen, beides müsse im Sommer umgesetzt werden und bis September fertig sein. „Es wäre auch finanziell Wahnsinn, das ganze Projekt neu zu beginnen“, meint Schmadl – der Grundsatzbeschluss dafür fiel schon Anfang 2017. Er hofft nun auf ein Ja der Bürger, „dann ist das Projekt doppelt abgesichert“. Bei einem Nein in der – rechtlich nicht bindenden – Volksbefragung werde erneut der Gemeinderat befasst, so Schmadl, der bereits ankündigt: „Ich persönlich werde in diesem Fall wiederum mit Ja stimmen.“

Geißler rechnet jedenfalls mit einem Nein – und hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung: „Dann hat der Bürgermeister Erklärungsbedarf.“ (md)