Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 11.04.2018


Exklusiv

Energiekonzept bringt Musikhaus ins Schwitzen

Das Grundwasser, mit dem der Kulturbau geheizt und gekühlt werden soll, ist zu kalt. Einer Fernwärme-Alternative steht die Rad-WM im Weg.

Anfang August sollen die Arbeiten am Haus der Musik großteils abgeschlossen sein. Zwei Monate später wird es eröffnet.

© Rudy De MoorAnfang August sollen die Arbeiten am Haus der Musik großteils abgeschlossen sein. Zwei Monate später wird es eröffnet.



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Musiker sind keine unempfindlichen Menschen. Ein wohltemperiertes Haus zum Üben und Vortragen ist umso wichtiger. Das noch in Bau befindliche und mit 6. Oktober zu eröffnende Haus der Musik in Innsbruck soll auch klimatisch auf der Höhe der Zeit sein. Für die Heizung und auch Kühlung des – derzeit mit reinen Baukosten von 62,7 Mio. Euro hochgerechneten – Werks von Stadt und Land ist eine thermische Nutzung des Grundwassers (via Wärmetauscher) vorgesehen, die TT berichtete. Hierfür wurde in der Herrengasse ein Grundwasserbrunnen angelegt.

So weit, so gut. Nun stellt sich aber heraus, dass das aus dem Brunnen zu entnehmende Wasser nicht jene Temperatur hat, die von den Fachleuten für das Energiekonzept des Musikhauses berechnet worden sein soll. „Das Wasser ist kälter als angenommen“, bestätigt der zuständige Vorstand der Innsbrucker Kommunalbetriebe (IKB), Thomas Pühringer, auf Anfrage. Genau genommen ist seine Temperatur um zwei Grad zu gering. Mit ein Grund soll sein, dass es sich eben nicht ausschließlich um Grundwasser, sondern auch zum Teil um Uferfiltrat aus dem nahen Inn handelt, heißt es. Dorthin würde das Wasser am Ende des Heiz- bzw. Kühlzyklus laut Konzept auch wieder abgeleitet. Auch der Chef der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG), Franz Danler, räumt das Temperaturproblem mit dem Grundwasser ein. Beim Haus der Musik ist die IIG der Bauherr, die IKB für die Grundwasserversorgung des Energiekonzeptes zuständig.

IKB-Experten seien der Meinung, dass das System auch mit einer tieferen Wassertemperatur funktionieren könne, sagt Pühringer: Wir tun alles, um die Anlage zu optimieren.“ Was für das Kühlen besser sei, sei naturgemäß für die Heizphase schlechter, sagt Danler. Interne Berechnungen zu möglichen Auswirkungen seien bereits am Laufen.

Sollten dennoch alle Stricke reißen, müsste das Haus der Musik aber doch an die Fernwärme Wattens angeschlossen werden. Ob mit Komplettumstieg oder nur als Ergänzung – auch diese Szenarien werden durchgespielt. Die Anlage wäre kompatibel, heißt es von Seiten der IKB. Doch leitungsmäßig müsste man baulich vorsorgen. Aber das würde neue Grabungsarbeiten rund um das Musikhaus notwendig machen.

Die allerdings, so wird kolportiert, könnten sich vor der Eröffnung nicht mehr ausgehen. Weil eben zuvor die Ende September anstehenden Rad-Weltmeisterschaften mit sämtlichen Ankünften am Rennweg im Wege seien. „Kalt“ würde der Prestigebau seinen Nutzern aber auf keinen Fall übergeben werden, heißt es. Notfalls müsste mit Strom geheizt werden – als Zwischenlösung.

Aber auch wenn die Temperaturprobleme gelöst werden – „durch“ ist das System deshalb noch lange nicht. Als „wasserwirtschaftlicher Versuch“ genehmigt, muss es nach fünf Jahren evaluiert werden – ob Grundwassernutzer im Umfeld beeinträchtigt werden. IKB und IIG haben für diesen Fall bereits vorgesorgt: Die Stadt hat die Ausfallshaftung in Millionenhöhe bereits übernommen.