Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.04.2018


Exklusiv

9000 Euro Zuschlag: Kauf von Wohnungen wird in Tirol teurer

Auf Druck des Prüfverbandes müssen Tirols Gemeinnützige Bauträger geför­derte Mietkaufwohnungen jetzt um bis zu 9000 Euro teurer veräußern.

© APA(Symbolfoto)



Von Peter Nindler

Monatelang tobte im Hintergrund ein heftiger Streit zwischen dem Dachverband der gemeinnützigen Bauvereinigungen und den Tiroler Bauträgern. Der Vorwurf des Revisionsverbands aus Wien: Beim „Mietwohnkauf" mit Kaufoption nach zehn Jahren würden die Wohnungen zu günstig an die Mieter veräußert werden. Weil die Tiroler Gemeinnützigen bisher nur einen Teil des möglichen Preises ausgeschöpft hätten, wie wiederholt in Berichten kritisiert wurde. Für eine 75 Quadratmeter große Wohnung stand deshalb ein Aufschlag von nicht weniger als 25.000 Euro im Raum.

Angesichts der ohnehin angespannten Situation am Wohnungsmarkt hat sich das Land gewehrt und beharrte anfangs auf die von der Wohnbauförderung des Landes vorgegebenen Richtlinien. Zuletzt einigte man sich auf einen Kompromiss. Für die Ermittlung des höchstzulässigen Verkaufspreises wurde das Berechnungsschema geändert, bei einer 75 Quadratmeter großen Wohnung ergibt sich somit ein Zuschlag von 4000 bis 9000 Euro. Bei manchen Immobilien sind es jedoch mehr als 10.000 Euro. Die Vereinbarung hat noch der ehemalige Wohnbaulandesrat Hannes Tratter (VP) abgesegnet.

Der Obmann der Tiroler Gemeinnützigen, Franz Mariacher, sieht darin keinen Nachteil. „Weil der Verkehrswert solcher Wohnungen um 100.000 Euro höher ist als der Ankaufspreis von rund 170.000 Euro." Die Kosten für geförderte (Miet-)Kaufwohnungen seien nach wie vor vergleichsweise günstig.

Mietwohnkauf mit 9000 Euro Zuschlag

Das Signal ist denkbar ungünstig, schließlich plant die schwarz-grüne Landesregierung derzeit eine breit angelegte Wohnbauoffensive. Deshalb ist der Preisaufschlag von bis zu 9000 Euro oder mehr auf Mietkaufwohnungen der Tiroler gemeinnützigen Bauvereinigungen für Neo-Wohnbaulandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) auch nicht „gerade ideal". Doch der Revisions- bzw. Prüfverband hat in den vergangenen Monaten großen Druck auf das Land Tirol ausgeübt und in seinen Geschäftsberichten immer wieder auf die „unterpreisig" veräußerten Wohnungen aufmerksam gemacht.

Offenbar gab es auch bei den Tiroler Gemeinnützigen unterschiedliche Strömungen. Franz Mariacher, Obmann der zwölf Bauvereinigungen, die jährlich rund 1300 Wohnungen im Land errichten, bezeichnet die Verteuerung hingegen nicht als dramatisch. Berechnungsmodelle hätten ergeben, dass sie 4000 bis 9000 Euro betragen würden. Ursprünglich hatte der Dachverband in Wien, der auch als Prüforgan agiert, sogar Zuschläge von bis zu 25.000 Euro für 75-Quadratmeter-Wohnungen gefordert.

Die Richtlinien, nach denen die Wohnungen ab einer Mietdauer von zehn Jahren von den Mietern gekauft werden können, legt das Land fest. Ausschlaggebend dafür sind die Höhe der Abschreibungen und der Verbraucherpreisindex. Hier wurde jetzt das Berechnungsmodell geändert, um den Revisionsverband zufriedenzustellen.

Franz Mariacher spricht von einer guten Lösung, Nachteile für die Käufer von Mietwohnungen sieht er nicht. „Eine geförderte 75-Quadratmeter-Wohnung kostet rund 170.000 Euro, der Verkehrswert beträgt hingegen 280.000 Euro."

So weit, so gut: Die Vereinbarung bzw. die neuen Richtlinien wurden noch vor Angelobung der neuen Landesregierung am 19. März unterzeichnet, das Wohnbauressort wechselte danach bekanntlich von LR Johannes Tratter (VP) zu seiner Parteikollegin, Landesrätin Beate Palfrader. Bis zur Regierungsklausur Anfang Mai will Schwarz-Grün erste Maßnahmen für leistbares Wohnen präsentieren. 230 Millionen Euro sollen bis 2023 zusätzlich für den geförderten Wohnbau in Tirol zur Verfügung gestellt werden.