Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.04.2018


Innsbruck-Land

Kolsasser Bürgermeister im zweiten Anlauf entlastet

Der Kolsasser Gemeinderat hat die von Ortschef Hansjörg Gartlacher vorgelegte Jahresrechnung doch noch genehmigt. Die Opposition hofft auf mehr Einbindung.

Überschreitungen, etwa beim Umbau des Feuerwehrhauses, seien zu spät kommuniziert worden, kritisiert ein Teil der Kolsasser Gemeinderäte. BM Gartlacher war zunächst die Entlastung versagt geblieben.

© DomanigÜberschreitungen, etwa beim Umbau des Feuerwehrhauses, seien zu spät kommuniziert worden, kritisiert ein Teil der Kolsasser Gemeinderäte. BM Gartlacher war zunächst die Entlastung versagt geblieben.



Kolsass – Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Vergangene Woche hatte der Kolsasser Gemeinderat, wie berichtet, den Rechnungsabschluss 2017 abgelehnt – mit sechs Enthaltungen bzw. Nein-Stimmen bei ebenso vielen Ja-Stimmen blieb BM Hansjörg Gartlacher die Entlastung verwehrt. Hauptkritikpunkt der Opposition: Gartlacher habe den Gemeinderat zu spät über Kostenüberschreitungen beim Zu- und Umbau des Feuerwehrhauses oder am Fußballplatz informiert. Auch zwei Mitglieder der Bürgermeisterliste stellten sich gegen die Entlastung.

Bei der erneut einberufenen Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend wurde Gartlacher nun, ebenfalls in einer geheimen Abstimmung, mit 9:4 Stimmen als Rechnungsleger entlastet.

„Die Vorgangsweise der Opposition und leider auch von Teilen meiner Liste ist nicht zu verstehen“, erklärt Gartlacher zur ersten Sitzung. Denn der Rechnungsabschluss sei korrekt und verzeichne sogar ein Plus von knapp 200.000 Euro. „Die Kritik, den Gemeinderat zu spät bei Überschreitungen informiert zu haben, ist zum Teil berechtigt, hat aber nichts mit der korrekt geführten Rechnungslegung zu tun.“ Zudem habe der Überprüfungsausschuss unter Vorsitz der Opposition keine Beanstandungen kundgetan. Die Finanzlage der Gemeinde sei ausgezeichnet, so Gartlacher weiter: „Wir haben in den letzten Jahren massiv in die Infrastruktur investiert, Grundstücke angekauft und viel Geld in Straßen, Kanal und Wasserversorgung gesteckt. Dies konnten wir alles ohne Schulden bewältigen.“ Auch die Tatsache, dass Kolsass heuer gemeinsam mit Weer und Kolsassberg den Gemeindekooperationspreis GEKO erhalten hat, sei eine Bestätigung des erfolgreichen Kurses.

GV Verena Schgaguller (SPÖ und Parteifreie) geht nach der zunächst versagten Entlastung „stark davon aus, dass die Botschaft angekommen ist und sich jetzt einiges ändert“. Gartlacher habe sich mehrfach entschuldigt. „Wir sind optimistisch, dass es nun transparent weiterläuft.“ Die nächsten Großprojekte wie Um- oder Neubau von Volksschule und Kindergarten stünden ja schon an.

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GR Josef Weinseisen (FPÖ) ist skeptischer: „Die Gemeinderäte gehören allgemein – bei jedem Thema – mehr eingebunden. Anregungen für Verbesserungen sind da, ob das wirklich passiert, muss man aber erst abwarten.“ Es sei „kaum vorstellbar, dass man einen Bürgermeister, der 26 Jahre im Amt ist, von heute auf morgen ‚umdrehen‘ kann“. Die Opposition verweist auch darauf, dass die Bürgermeisterliste für die erneute Sitzung insgesamt drei Ersatzgemeinderäte nominiert habe. (md)