Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.04.2018


Bezirk Reutte

Fernpass-Scheiteltunnel löst weitere Geldflüsse aus

Grüne Handschrift: Zu jedem Tunnel-Euro am Fernpass muss ein Extra-Öffi-Euro hinzugefügt werden.

Reiseverkehr am Fernpass. (Archivbild)

© TT/Thomas BöhmReiseverkehr am Fernpass. (Archivbild)



Von Helmut Mittermayr

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Reutte – In den Details der Koalitionsvereinbarung zwischen ÖVP und Grünen in Tirol ist mehr grüne Handschrift herauszulesen, als manche glauben. Darauf verweist die aus dem Amt scheidende grüne Bezirkssprecherin im Außerfern, Barbara Brejla. Das den Grünen abgerungene Ja zum Bau des Fernpassscheiteltunnels hatte die Reuttenerin anfangs „in eine Art Schockstarre versetzt“. Aber die Vertragsdetails stimmen sie nun doch etwas versöhnlicher, da ökologische Aspekte stark gewichtet würden. Brejla: „So hat die ÖVP auf unser Drängen unterschrieben, dass die genau gleiche Summe, die der Scheiteltunnel schlussendlich kosten wird, auf der Fernpassstrecke in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, also der Bahn, gesteckt werden muss.“ Immerhin ist das Land Tirol bereit, für den Durchstich am Fernpassscheitel 100 Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Brejla freut sich auf die Millionen, die dem öffentlichen Verkehr zufließen werden. Wie auch auf ein Bürgerbeteiligungsmodell, das ebenfalls paktiert wurde. „In einer Art Lossystem wie bei Schöffen werden Bürger ausgelost, die neben Experten gänzlich neue Aspekte in die Fernpassstrategie einbringen können. Das wird spannend“, erklärt Brejla, die den Außerferner Grünen sieben Jahre lang vorgestanden ist.

Für die Tierärztin ist die von LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und LHStv. Josef Geisler (VP) in Gang gesetzte Fernpassstrategie mit Dosiersystem und vielem mehr einer der großen grünen Erfolge, an denen sie mitwirken durfte. „Schon meine erste Pressekonferenz fand am Fernsteinsee zur Verkehrsproblematik statt. Die wird sicher nie gelöst werden, aber zumindest verbessern können wir sie.“ Brejla weist hierbei auf Tourismusunternehmen in Talschaften wie dem Ötz- oder Pitztal hin, die alle viel Geld damit verdienen würden, aber so tun, als ob sie der vorgelagerte Verkehr nichts anginge.

Eine bittere Erfahrung für sie ist die Tatsache, dass sich auch heute noch Gleichgesinnte nicht öffentlich zu den Grünen zu bekennen getraue­n, weil sie persönliche Konsequenzen erwarten. „Bei den Landwirtschaftskammerwahlen haben wir zehn Prozent erreicht. Aber es war im Vorfeld fast unmöglich, nur sieben Unterstützungserklärungen im Bezirk zu bekommen.“ Die Landwirtinnen und Landwirte hätten Ressentiments gefürchtet, wie sie frei heraus erklärt hätten.

Um ihre Nachfolge ist Barbara Brejla nicht bange. Nach Sondierungsgesprächen würden derzeit mehrere Personen überlegen, ob sie die Zeit dafür aufbringen könnten. Dem Kernteam sei klar, wie viel Arbeit dahinterstecke. Deshalb wolle sie auch niemanden einfach dazu überreden. Sie gehe auch persönlich nicht von Bord, sondern trete in die zweite Reihe zurück. Im Mai werde gewählt. „Künftig werde ich für die Finanzen zuständig sein.“ Der Erfolg im Brotberuf, ein Zwölf- bis 14-Stunden-Tag, sei nicht mehr mit einer fordernden politischen Tätigkeit wie der einer grünen Bezirkssprecherin vereinbar gewesen.