Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


Bezirk Kufstein

Hundebesitzer protestieren gegen Verordnung

Der Gemeinderat in Langkampfen hat eine neue Hundehalterverordnung erlassen und kassierte dafür Aufsichtsbeschwerden. Der Inhalt geht Hundbesitzern viel zu weit.

© Nicht ohne Leine und Maulkorb – Langkampfen hat eine strenge Hundehalteverordnung erlassen. Foto: iStock/deepblue4you



Von Wolfgang Otter

Langkampfen, Angerberg – Hundekot ist und bleibt ein Ärgernis: sei es auf landwirtschaftlichen Flächen oder Spielplätzen und anderen öffentlichen Flächen. Daher wird die Liste der Gemeinden, in denen es neben einem Leinenzwang in bestimmten Gebieten, auch eine Kotentsorgepflicht gibt, immer länger. Auch in Langkampfen beschloss der Gemeinderat eine entsprechende Verordnung. Darauf gab es eine eher unübliche Reaktion aus der Bevölkerung, wie im Gemeindeamt zu erfahren ist. Eine Langkampfenerin erstattete eine Aufsichtbeschwerde gegen diese Verordnung, acht Mitbewohner schlossen sich an. Über die Beschwerden istvon der zuständigen Behörde noch nicht entschieden worden. Den neun Hundebesitzern geht die Verordnung viel zu weit. So sind im Bereich landwirtschaftlicher Kulturen Hunde „im Zeitraum von 1. März bis einschließlich 15. Oktober jeden Jahres, im Bereich nicht abgeernteter Felder bis einschließlich 15. November jeden Jahres, an einer nicht mehr als zwei Meter langen Leine zu führen“, wie nachzulesen ist. Außerdem müssen die Tiere in öffentlichen Bereichen, Kindergärten und Gemeindehaus, Sportplätzen usw. an die Leine. Gewisse Flächen wie Kinderspielplätze dürfen überhaupt nicht mit den Vierbeinern betreten werden und natürlich müssen Hundebesitzer Verunreinigungen durch Kot entfernen.

Hintergrund der Verordnung ist laut Bürgermeister Andreas Ehrenstrasser, dass es zu massiven Beschwerden aus der Landwirtschaft gekommen sei. „So hat ein Landwirt gesagt, der für die Agrargemeinschaft eine Fläche mäht, dass er das nicht mehr macht, weil er seine Kühe nicht vergiften will. Er hatte nämlich auf zehn Quadratmetern zwanzig Hunde­haufen gefunden.“

Die Langkampfener Gemeinderäte gehen noch weiter. Sie haben auch einen Maulkorbzwang für Hunde erlassen. Er gilt beim Gemeindehaus, den Kindergärten und Schulen, in Kirchen und Kapellen, auf den Friedhöfen, Sportplätzen und im Altenwohnheim. Laut Gemeindeamt sei es aber eher als „Kannbestimmung“ gedacht. Sprich bei größeren Menschenansammlungen soll ein Hundehalter seinem Tier einen Maulkorb anlegen, falls er sich nicht über dessen Zuverlässigkeit sicher ist. Der Ansicht widerspricht aber der Verordnungstext, der besagt: „An den in den Abs. 1 bezeichneten Orten gilt eine Maulkorbpflicht für Hunde.“ Wer zuwiderhandelt, muss mit saftigen Strafen rechnen. Das Strafmaß reicht von 350 Euro bis zu 2000 Euro.

Laut Bürgemeister Ehrenstrasser wurde übrigens die Verordnung vom Amt der Tiroler Landesregierung vorgeprüft und genehmigt. Man habe nun die Aufsichtsbeschwerden an das Land weitergeschickt, entscheiden müsse man darüber aber bei der Bezirkshauptmannschaft Kufstein. Dort sind derzeit die Beschwerden noch nicht eingelangt.

Auch in Angerberg wird es in der Gemeinderatssitzung am Montag um den Leinenzwang und die Verpflichtung zur Entfernung des Hundekotes gehen. Wie BM Walter Osl erklärt, gebe es auch hier seitens der Landwirte Beschwerden und Bedenken. „An und für sich ist das Bewusstsein der Hundebesitzer sehr hoch, wir erwarten uns durch die Verordnung noch einmal eine Nachschärfung.“