Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 07.05.2018


Imst/Landeck

10 Millionen für den Kampf gegen die Naturgewalten

Für die Wildbach- und Lawinenverbauung hat die Arbeit an der Zähmung der Natur wieder begonnen. Budget 10 Mio. € im Oberland.

© WildbachBis 2030 ist die Wildbach mit dem Leonhardsbach beschäftigt – hier eine Geschieberückhaltesperre.Foto: Wildbach



Von Hubert Daum

Imst, Landeck – Seit Dezember 2017 haben die 558 Wildbäche und 913 Lawinen in 54 Gemeinden der Bezirke Imst und Landeck einen neuen „Chef“: Der Außerferner Daniel Kurz wurde Leiter des Gebietes Oberes Inntal der Wildbach- und Lawinenverbauung. „Ich habe praktisch mit dem Hubschrauber meinen neuen Arbeitsplatz angetreten“, schmunzelt der Neue, „denn im heurigen Jänner war die Lawinensituation kritisch. Wir unternahmen unzählige Erkundungsflüge.“ Letztendlich sei die Erkenntnis übriggeblieben, dass die „Verbauungen super gehalten und Gröberes verhindert haben“.

Eine schöne Bestätigung der Arbeit, die beileibe nicht nur aus Lawinenverbauung besteht. Kurz: „Dann gab’s anschließend überdurchschnittlich viele Steinschläge und Hangrutschungen, die ebenfalls in unsere Kompetenz fallen, wenn sie Siedlungsraum bedrohen. So wie die Hangrutschung in Grins, die auch Schäden an Gebäuden verursachte.“ Die Gebietsbauleitungen haben in diesem Falle die Kompetenz, Sofortmaßnahmen einzuleiten. „Das ist eine unserer großen Stärken, dass wir schnell reagieren können, wie im Katastrophensommer in Imst, weil Planung und Ausführung in einer Hand liegen“, präzisiert Kurz.

Rund 10 Millionen Euro stehen heuer für über 40 Projekte bzw. Baustellen zur Verfügung. Rund eine Million Euro wird etwa die Verbauung des Grinner Mühlbaches nach dem Murereignis im September 2016 heuer verschlingen. Die Realisierung des 2,5-Millionen-Projektes ist auf die nächsten fünf Jahre verteilt. Als „wichtig und sehr schwierig“ bezeichnet der Bauleiter die Sanierung der Bauwerke am Lattenbach in Pians und Grins. Das Großprojekt – Gesamtkosten 6,8 Millionen Euro – wird heuer in Angriff genommen und zieht sich bis ins Jahr 2025.

Als einer der gefährlichsten Wildbäche gilt der Leonhardsbach in Roppen. Er bedroht im Extremfall 43 Gebäude und die ÖBB-Trasse. Diese größte Verbauungsbaustelle im Bezirk Imst startete bereits 2015, ist projektiert bis zum Jahr 2030 und wird in Summe 8,700.000 Mio. € kosten.

Auch den 52 Arbeitern wird heuer sicher nicht langweilig, denn zudem stehen zahlreiche Steinschlagverbauungen, wie beispielsweise in Oetz und Dollinger, an. „Für die Bevölkerung nicht sichtbar, aber für uns sehr zeitraubend ist die zusätzliche Erstellung von bis zu 1000 Gutachten im Jahr“, führt der Gebietsbauleiter aus, „drei Mitarbeiter sind beschäftigt.“ Für die Region ist die Wildbach ein Segen: Neben den 67 bestehenden Arbeitsplätzen werden möglichst von heimischen Unternehmen Großgeräte angemietet.