Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Innsbruck-Land

Telfs denkt den Verkehr ganz neu

Kreisverkehr statt Kreuzung beim Sicherheitszentrum, eine Begegnungszone im Ober- und Untermarkt: Der Entwurf des Telfer „Verkehrskonzepts 2035“ enthält markante Vorschläge. Im Detail ist aber noch nichts fixiert.

© MG Telfs/DietrichDie stark belastete Kreuzung zwischen B171 und B189 soll laut Konzept durch einen Kreisverkehr mit „Bypässen“ ersetzt werden. Foto: MG Telfs/Dietrich



Telfs – „Das ist nur ein Vorschlag bzw. Entwurf des Verkehrsplaners, noch ist nichts im Detail fixiert. Alle Punkte sind noch separat zu diskutieren und zu beschließen“, schickt BM Christian Härting mit Nachdruck voraus – und meint damit das Telfer „Verkehrskonzept 2035“: Nach zweijähriger Vorarbeit wurde das Konzept, das den Verkehr in der Marktgemeinde neu ordnen soll, in der jüngsten Gemeinderatssitzung erstmals öffentlich präsentiert.

Bauamtsleiter Andreas Kluibenschedl, der die Grundzüge vorstellte, erklärte, warum das Konzept notwendig ist: Gerade zu Stoßzeiten gebe es in Telfs Verkehrsprobleme, etwa bei der großen Kreuzung neben dem Sicherheitszentrum, der „Fuggerkreuzung“ östlich des Ortskerns oder im Unter- und Obermarkt. Und die letzte größere Verkehrsanalyse liege über 20 Jahre zurück.

Also beauftragte die Marktgemeinde das Büro Planoptimo aus Reith mit der Ausarbeitung des Konzepts. Erster Schritt war eine groß angelegte Verkehrsanalyse mit genauen Zählungen. Bei einer Haushaltsbefragung zum Mobilitätsverhalten gingen 1200 Fragebögen ein. In der Folge erstellte der Planer dann ein Verkehrsmodell und konnte diverse Varianten simulieren. „Stakeholder“ aus der Bevölkerung – Geschäftsleute, interessierte Freiwillige – wurden bei bislang zwei Bürgerforen in den Prozess eingebunden.

Flüssigen Verkehr sicherstellen, die Verkehrssicherheit verbessern, den Ortskern attraktivieren, den Fußgänger- und Radverkehr aufwerten – so lauten einige wichtige Ziele. Die Umsetzung ist in vier Phasen bis 2035 vorgesehen.

Schon die erste Phase (Umsetzungshorizont bis 2020) sieht markante Neuerungen vor: Zunächst soll – als Voraussetzung für viele andere Maßnahmen – der teils überlastete Knoten zwischen B171 und B189 beim Sicherheitszentrum „ertüchtigt“ werden: Ein Kreisverkehr samt zwei Bypässen (also am Kreisel vorbeiführenden „Adern“) soll an die Stelle der Kreuzung treten. Von LHStv. Geisler liege die schriftliche Zusage vor, „dass mit der Einreichplanung begonnen wird und die Umsetzung dann zeitnah erfolgen soll“, berichtet Härting.

Im Konzept ebenfalls enthalten ist die Verordnung einer 20-km/h-Begegnungszone im Unter- und Obermarkt – konkret zwischen Restaurant „DoReMi“ und Weißenbachplatz. Zentrales Ziel sei, die Aufenthaltsqualität im Ortskern und die Verkehrssicherheit zu erhöhen, betont Härting. Es sei statistisch bewiesen, dass Begegnungszonen sicherer sind, so Kluibenschedl. Und de facto bestehe in diesem Bereich schon eine Art Begegnungszone, „weil die Passanten überall, nicht nur bei Zebrastreifen, queren“. Dies würde man also künftig „legalisieren“.

Ein weiterer Vorschlag in Phase eins sieht die Schaffung einer eigenen Südausfahrt beim Inntalcenter-Parkdeck vor, um die bestehende Ausfahrt und den Kreisverkehr im Osten zu entlasten. Dieser Ansatz sei mit den Eigentümern schon grundsätzlich besprochen worden, so Härting.

Um den in Telfs noch unterentwickelten Radverkehr attraktiver zu machen, regt das Konzept u. a. die Schaffung von beidseitigen Mehrzweckstreifen in der Sagl- und Olympstraße an, ebenso überdachte Radabstellanlagen.

Für Phase 2 (bis 2025) wird dann u. a. vorgeschlagen, die bestehenden Einbahnen im Untermarkt und der Josef-Schöpf-Straße umzudrehen und eine Durchfahrtssperre Richtung Norden ab dem Weißenbachplatz vorzusehen. So sollen Ober- und Untermarkt entlastet werden. Die politische Überlegung unterscheide sich hier aber von jener des Verkehrsplaners, so Härting: „Wir wollen die Einbahnsituation zunächst gleich lassen und abwarten, wie sich die Einführung der Begegnungszone bewährt und auf die Verkehrssituation auswirkt.“ Ebenfalls Teil von Phase 2 ist der Umbau der heiklen Fuggerkreuzung. Phase 3 rückt dann die Attraktivierung der Anton-Auer-Straße, einer der wichtigsten Telfer Verkehrsachsen, in den Fokus.

Der Entwurf des Verkehrskonzepts wird dieser Tage bei einem weiteren Bürgerforum präsentiert. Eine öffentliche „Bürgerversammlung“ zum Thema ist ebenfalls geplant. Am 22. Juni soll das Konzept dem Grunde nach im Gemeinderat beschlossen werden – wobei Härting eben klarstellt, dass jedes Projekt, auch finanziell, dann einzeln zu beschließen ist. (md)