Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.05.2018


Tirol

Kira Grünberg: Keine Leistung wird gekürzt

Kira Grünbergs Abrechnung mit Bad Häring in ihrem Buch sorgt für Debatten. Die SPÖ stellt die VP-Behindertensprecherin in Frage.

© APANR Kira Grünberg (Behindertensprecherin) mit Kanzler Sabastian Kurz.



Innsbruck – Dass die querschnittgelähmte ÖVP-Behindertensprecherin und Nationalrätin Kira Grünberg in ihrem Buch „Mein Sprung in ein neues Leben“ kapitelweise das Rehabilitationszentrum Bad Häring und dort tätige Ärzte und Therapeuten massiv kritisiert, schlägt Wellen. Schließlich hat die ehemalige Bad-Häring-Patientin in der Debatte über die Sparpläne der Bundesregierung bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA mehr oder weniger geschwiegen. Sie äußerte sich nur über den ÖVP-Parlamentsklub.

Jetzt nimmt Grünberg erstmals Stellung dazu und verweist auf den von Wirtschaftsbundobmann NR Franz Hörl angeregten Brief einen Tag vor der Betriebsversammlung in Bad Häring am 18. April. Die Verunsicherung unter den Mitarbeitern und Patienten war damals sehr groß, selbst LH Günther Platter (VP) rügte in der Vorwoche „die Verunsicherungspolitik“ von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ). „Wie bereits in einer schriftlichen Stellungnahme gemeinsam mit meinen Tiroler VP-Nationalratskolleginnen und -kollegen an den Betriebsratsvorsitzenden der Reha Bad Häring, Josef Lintner, festgehalten, bekennen wir uns dazu, dass keine Einrichtungen geschlossen und/oder Leistungen gekürzt werden. Das gilt natürlich auch für Bad Häring“, so Grünberg gegenüber der TT. Auch die große Wertschätzung gegenüber der Arbeit der dort tätigen Mitarbeiter werde in diesem Schreiben ausdrücklich betont.

Ihre Ausführungen in der Biographie zu Bad Häring haben die Mitarbeiter dort jedoch vor den Kopf gestoßen. Offen schreibt sie darin über Drohungen ihres Vaters, sogar den damaligen Sportminister Gerald Klug (SPÖ) einzuschalten. Grünberg versucht heute zu relativieren: „Gemeinsam mit dem Ärzte-, Therapeuten- und Pflegeteam haben wir dort Tag für Tag daran gearbeitet, meine Bewegungsfähigkeit zu verbessern und damit einen möglichst hohen Grad an Selbstständigkeit zu erreichen. Aber ja, es gab in der damaligen Ausnahmesituation auch Momente, wo mein Umfeld und ich der Meinung waren, dass andere Behandlungs- und Therapie­methoden erfolgversprechender wären.“ Gemeinsam mit ihrem Umfeld hätte sie sich deshalb für andere Therapiewege entschieden, „weil wir nach Einholung mehrerer ärztlicher Expertisen zum Schluss gelangt sind, dass in meinem individuellen Fall andere Therapieformen besser geeignet wären“. Trotz mancher Auffassungsunterschiede, so Grünberg, habe sie sich am Ende ihres Aufenthalts in Bad Häring bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre engagierte Arbeit bedankt. „An dieser Meinung hat sich nichts geändert.“

Deutlich kritischer beurteilt die SPÖ die Aussagen der ÖVP-Behindertensprecherin. „Aufgrund ihrer dramatischen Abrechnung verwundert ihr Verhalten in den vergangenen Wochen in der Diskussion über Bad Häring und über die AUVA nicht“, erklärt SPÖ-Parteivize LA Georg Dornauer. Aus seiner Sicht ist Kira Grünberg deshalb nicht mehr länger als ÖVP-Behindertensprecher tragbar. (pn)