Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.05.2018


Bezirk Reutte

Reutte kann über die halbe Südtiroler Siedlung verfügen

Die Marktgemeinde erringt einen Punktesieg in der Kontroverse um die Unterschutzstellung des zentralen Ortsteils. BM Oberer beruhigt 91 Mieter.

© MittermayrDer zentrumsnahe Teil der Südtiroler Siedlung bleibt unter Denkmalschutz.Archivfoto: Mittermayr



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Die jahrelange juristische Auseinandersetzung hat sich gelohnt – jedenfalls für die Marktgemeinde Reutte. Die Südtiroler Siedlung im Herzen Reuttes wird nicht, wie vom Bundesdenkmalamt verfügt, komplett unter Denkmalschutz gestellt. Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass die Siedlung in zwei Zonen aufgeteilt wird. Für den vom Marktzentrum entfernter gelegenen Bereich (Zone 2 mit 47 Prozent Fläche) wird jegliche Unterschutzstellung aufgehoben. In der zentrumsnahen Zone 1 (53 Prozent) sind die Außenfassaden künftig sakrosankt, nicht aber die Stiegenhäuser. Sie dürfen zeitgemäß adaptiert werden. Das Bundesdenkmalamt kann noch bis 30. Mai außerordentliche Beschwerde einbringen. Bis heute wurde dahingehend aber nichts unternommen. Wegen der Absenz des Chefs am Dienstag konnte beim Bundesdenkmalamt Innsbruck niemand Stellung nehmen, ob das Urteil akzeptiert wird.

Bürgermeister Alois Oberer gab den Richterspruch in der vergangenen Gemeinderatssitzung freudig bekannt. Selbstverständlich werde in Zone 1 das gesamte Ensemble samt geräumigen Freiflächen erhalten. Ansonsten würde der Charakter der Siedlung zerstört. In Zone 2 sei hingegen alles denkbar, aber nichts geplant. „Das ist ein klarer Punktesieg für Reutte. Ich hoffe den Aktendeckel endlich zumachen zu können. Von den Mietern braucht niemand Angst zu haben, dass er ausziehen muss“, bekräftigte er seine schon vor der Gemeinderatswahl 2016 getroffene Aussage.

Der Marktchef bejaht die TT-Frage, ob das Urteil mit der halben Freigabe nun einen großen Wertgewinn für die Marktgemeinde darstelle. Statt einer Art Unterhaltspflicht für denkmalgeschützte Wohngebäude verfügt Reutte nun bei der halben Siedlung über 10.000 m² wertvollsten, frei verfügbaren Grund mitten im Zentrum.

In der Gemeinderatssitzung freute sich GR Ernst Hornstein (VP), der als einziger Mandatar die Vollunterschutzstellung befürwortet hatte, dass Oberer zumindest seine Idee aufgreife und eine Wohnung mit Museumscharakter wie in den 1940er-Jahren herrichten lasse. Hornstein bat Oberer aber inständig, keine vier Stockwerke hohen neuen Wohnblöcke hochzuziehen.

In der weiterhin geschützten Zone 1 leben 136 Personen in 87 Wohnungen, in Zone 2 sind derzeit 91 Menschen in 67 Wohnungen in Miete.