Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.05.2018


Landespolitik

Strenge Auflagen für Hang-Sanierung in Gnadenwald

Mit einer Aushubdeponie soll umstrittene Rodung in Gnadenwald saniert, kein Kubikmeter Schotter aufgebracht und der vorgeschriebene Hochwasserschutz umgesetzt werden. SPÖ-Vize Georg Dornauer kritisiert das „System ÖVP“.

© TTEinst Wald, jetzt Wiese. Der Schönheitsfehler: 10.000 Kubikmeter Schotter wurden zu viel aufgebracht, die Hochwasserschutzvorgaben negiert. Foto: TT



Gnadenwald – Drei Hektar Wald wurden gerodet – trotz massiver Bedenken. Bei der „Kultivierung Speckhöfe“ zu einer Mähwiese in Gnadenwald hat dann der Projektbetreiber, der 2014 noch amtierende und mittlerweile ehemalige Bürgermeister Günter Strasser, die behördlich vorgeschriebenen Maßnahmen für den Hochwasserschutz missachtet. Weil auch 10.000 Kubikmeter Schotter zu viel aufgetragen wurden. Angrenzende Häuser haben seither ein massives Wasserproblem. Strasser muss den ordnungs- und bescheidmäßigen Zustand wiederherstellen, dazu hat ihn das Höchstgericht verdonnert. Zwischenzeitlich liegt jedoch ein Antrag auf Errichtung einer Bodenaushubdeponie vor: Dadurch könnte der „Schwarzbau“ letztlich saniert werden.

Derzeit prüft die Umweltabteilung des Landes. Sollte es grünes Licht für die Aushubdeponie geben, wird das nur unter strengen Auflagen – Umsetzung der seinerzeit vorgeschriebenen baulichen Vorkehrungen für den Hochwasserschutz – erfolgen. Auch darf kein zusätzlicher Schotter aufgetragen werden, sondern die Mähwiese bleibt, wie sie ist. Dass endlich Schutzmaßnahmen wie angemessen­e Retentionsbecken errichtet werden, fordert auch GR Josef Hehenwarter.

Für Umweltreferentin LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) ist das eine unerfreuliche Geschichte. „Ich habe natürlich keine Freude damit, dass der Hang durch eine Aushub­deponie saniert werden soll. Denn eigentlich hätte der Projektbetreiber zuvor alle Auflagen einhalten müssen.“ Trotzdem: Jetzt müsse man sehen, wie eine Sanierung bei dem zu hoch aufgeschütteten Gelände möglich sei.

Harsche Kritik übt auch SPÖ-Vize LA Georg Dornaue­r: „An diesem Fallbeispiel erkennt man einmal mehr das System ÖVP. Nicht nur, dass der Unternehmer Eduard Fröschl mit dem ehemaligen ÖVP-Bürgermeister zum Zweck einer Mähwiese drei Hektar Wald rodet.“ Diese sei noch nicht einmal grün, werde bereits der Antrag auf Umwidmung in Bauland gestellt. Das Begehren wurde aber im Raumordnungsausschuss der Gemeinde im Frühjahr 2015 abgelehnt. Weil nicht einmal die vorgegebenen Auflagen wie die Errichtung einfacher Retentionsmulden eingehalte­n werden, seh­e sich die SPÖ gezwungen, noch strengere Regeln für die Bewilligung von Kultivierungen bzw. Aushubdeponie­n zu fordern. „Auch wenn der Umgang in der Praxis dadurch nur zusätzlich erschwert wird. Zu verdanken haben wir das einigen wenigen schwarzen Schafen“, so Dornauer. Die Mitarbeiter in der Bezirkshauptmannschaf­t Innsbruck lobt der SPÖ-Politiker hingegen, weil diese hochprofessionell arbeiten würden.

Das Problem mit der weiteren Aushubdeponie in Gnadenwald ist nicht vom Tisch. Trotz einhelliger Ablehnung im Gemeinderat, negativer Stellungnahmen und ohn­e konkreten Bedarf sollen 55.000 Kubikmeter Aushub auf einer landwirtschaftlichen Fläche aufgebracht werden. Bisherige Proteste blieben allerdings erfolglos. (pn)