Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.05.2018


Landespolitik

Uni-Verein: Kritik am PR-Tourismus

Scharfe Kritik übt der Rechnungs-hof am Verein zur Förderung der Öffentlichkeitsarbeit der Universitäten. Sein Präsident ist Uwe Steger von der Uni Innsbruck.

© iStockEine eigene Wissenschaft: Der Uni-PR-Verein befindet sich wohl selbst in einem selbstgezimmerten Elfenbeinturm der Uni.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Der Verein Uni.PR – Verein zur Förderung der Öffentlichkeitsarbeit der österreichischen Universitäten – wurde 1999 gegründet. Mitglieder sind die 21 öffentlichen Universitäten, die Donau-Universität Krems, die Anton Bruckner Privatuniversität Oberösterreich, die Österreichische Austauschdienst GmbH, die Österreichische Universitätenkonferenz, das Research Institute of Molecular Pathology und der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Aktueller Präsident ist der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Universität Innsbruck Uwe Steger. Als Ziele des Vereins werden u. a. genannt: Intensivierung des Informationsaustauschs zwischen Universitäten, der Öffentlichkeit und den nationalen und internationalen Medien, die Förderung der Öffentlichkeitsarbeit der Universitäten und eines positiven Images in der Öffentlichkeit. Nur die Führung der Vereinsangelegenheiten war offenbar unzureichend, so die nüchterne Analyse des Bundesrechnungshofs (RH) in einem aktuellen Bericht. „So gab es keine durchgängige Protokollführung, nicht alle Finanzberichte wurden vorgelegt und genehmigt, und die ,News‘ auf der Homepage des Vereins waren seit Mitte 2015 nicht mehr aktualisiert worden.“

Mit der Vereinsführung nahmen es die Mitglieder scheinbar auch nicht so genau, wie der RH aufzeigt. „Die Überprüfung durch den Rechnungshof ergab, dass das Rechenwerk des Vereins Uni.PR nicht geeignet war, die Finanzlage des Vereins rechtzeitig und hinreichend richtig abzubilden. So war insbesondere die Vollständigkeit und richtige Zuordnung nicht gewährleistet und konnte dem Rechnungshof auch nicht nachgewiesen werden.“ Und das Interesse der Mitglieder hielt sich in Grenzen: „Vor dem Hintergrund des Vernetzungsgedankens sah es der RH als nachteilig an, dass zumeist nur weniger als die Hälfte der Mitglieder bei den Vereinstreffen anwesend war – auch die Vertreterinnen und Vertreter der in die gegenständliche Gebarungsüberprüfung einbezogenen Universitäten (Medizinische Universität Innsbruck, Wirtschaftsuniversität Wien) nahmen nur unregelmäßig teil.“

Darüber hinaus standen in der praktischen Tätigkeit des Vereins Uni.PR Vernetzungstreffen (auch auf europäischer Ebene im Rahmen) und die Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen sowie die Durchführung von Beratungen und Schulungen zu Themen der Öffentlichkeitsarbeit im Vordergrund. Andere Vereinszwecke spielten laut RH keine oder eine lediglich untergeordnete Rolle.

Schlussendlich empfahl der Rechnungshof eine umfassende Reform des Vereins und regte auch eine Änderung in der Form der Zusammenarbeit an. In seiner Stellungnahme an den Rechnungshof teilte der Verein Uni.PR mit, dass er die notwendigen Maßnahmen zur klaren Sichtbarmachung der Vereinstätigkeit mittels lückenloser Protokollführung beschließen und umsetzen werde. Die Beteiligung an den Treffen hänge von den spezifischen Themenstellungen und von den verfügbaren Kapazitäten ab. Außerdem seien die Personalfluktuation und die Tendenz zu Umstrukturierungen innerhalb der Kommunikationsabteilungen an den Unis groß, was mitunter zu gewissen Problemen bei der Kontinuität der Zusammenarbeit führe.


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