Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.05.2018


Innsbruck-Land

Oberhofen bezieht künftig Trinkwasser aus Flaurling

Nach langen Verhandlungen haben sich die Nachbargemeinden vertraglich geeinigt. Vom Leitungszusammenschluss sollen beide Seiten profitieren.

© GemeindeBM Brigitte Praxmarer aus Flaurling und ihr Oberhofer Amtskollege Peter Daum unterzeichneten den "wasserdichten" Gemeindevertrag.



Von Michael Domanig

Oberhofen, Flaurling – Schon seit Jahren strebte die Gemeinde Oberhofen einen Wasserleitungszusammenschluss mit dem Nachbarort Flaurling an – nach Unterzeichnung eines Gemeindevertrages ist die Zusammenarbeit nun offiziell. Mit dem aus Flaurling bezogenen Wasser möchte Oberhofen, wie berichtet, die Trinkwasserversorgung absichern und zugleich die Härte des äußerst kalkhaltigen Oberhofer Wassers senken.

Die Verhandlungen zwischen den Gemeinden waren langwierig. „Es stockte bei den Abgabebedingungen, also bei Wasserpreis und -menge“, erklärt BM Peter Daum (Gemeinsam für Oberhofen), die Vorstellungen lagen hier noch auseinander. „Doch beide Seiten haben sich bewegt“, freut sich Daum – bis zur erfolgreichen Einigung.

Die auf 40 Jahre abgeschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Oberhofen eine Wassermenge von drei Sekundenlitern aus Flaurling erhält – wobei auch mehr möglich ist, wenn der Bedarf in Oberhofen gegeben ist und Flaurling ausreichend Wasser erübrigen kann. Preislich einigte man sich auf 45 % des gemittelten Wasserpreises beider Gemeinden, aktuell sind das 25 Cent pro Kubikmeter.

Das Flaurlinger Wasser wird jenem aus Oberhofen beigemengt, laut Daum strebt man ein Mischverhältnis von 25 zu 75 bis 50 zu 50 an.

Für Flaurling sei natürlich prioritär gewesen, die eigene Versorgung mit ausreichend Wasser weiter sicherzustellen, meint BM Brigitte Praxmarer (Gemeinsam für Flaurling). So benötige es stets eine Löschwasserreserve im Hochbehälter. Konkret darf die Füllmenge im Flaurlinger Behälter nicht unter 60 Prozent fallen – ansonsten kommt es zu einem automatischen Lieferstopp. In komplexen Berechnungen wurde zudem die künftige Entwicklung des Wasserverbrauchs in den beiden Gemeinden abgeschätzt.

„Bei der derzeitigen Quellschüttung dürfte es mit den Wassermengen kein Problem geben“, meint Daum, der auf den Vorteil für Flaurling verweist: „Das Überwasser, das Oberhofen abnimmt, bringt ihnen natürlich Einnahmen.“

In Oberhofen wurde der Vertrag einstimmig beschlossen, in Flaurling mehrheitlich. „Uns haben einige Details im Vertrag gestört“, so GV Martin Dosch (Wir für Flaurling) – vor allem dürfte es um einen höheren Wasserpreis gegangen sein. „Auch Oberhofen hat einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen, da kann man nicht die Verbraucherpreise als Maßstab heranziehen“, meint BM Praxmarer dazu.

Für die Umsetzung des Leitungszusammenschlusses ist nun Oberhofen zuständig. Zunächst gehe es um die technische Detailplanung, dann wolle man in die Ausschreibung gehen, sagt Daum. Ziel sei es, mit den Arbeiten im Herbst zu beginnen – nach der Erntezeit, da es durch die Aushubarbeiten auf den Feldern zu Beeinträchtigungen kommt.

„Im Bereich Lände 5 schließen die Oberhofer an unser Leitungsnetz an“, erklärt Vize-BM Adi Waldhart aus Flaurling, der bei den Verhandlungen federführend beteiligt war, dazu werde auch ein Übergabeschacht mit mechanischem Wasserzähler errichtet. Über den Kanzingbach wird die Leitung oberirdisch geführt, dann weiter unterirdisch den Waldrand entlang bis zum Oberhofer Hochbehälter. Genaue Kosten könne er noch nicht nennen, so Daum, dies hänge auch von den „Erschwernissen“ ab, auf die man stößt, vor allem bei den Bodenverhältnissen.