Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.05.2018


Exklusiv

FPÖ will Luft-100er in Teilzeit schicken

Tempobremse soll ab 22 Uhr und an Wochenenden außer Kraft gesetzt werden. Felipe erteilt klare Absage.

© BöhmWenn die Nacht kommt, soll der Luft-100er gehen: Die FP startet einen neuen Anlauf gegen das Tempolimit.



Innsbruck – Von Mittwoch bis Donnerstag treffen Regierung und Opposition im Landhaus wieder aufeinander. Die ersten Ausschüsse haben getagt, die einzelnen Abgeordneten ihre Positionen in- und außerhalb der Fraktion bezogen. Es wird dies die erste Arbeitssitzung des im Februar gewählten neuen Landtages sein.

Zwischen altem und neuem Landtag hat sich zumindest auf Seiten der FPÖ eines nicht geändert: Den so genannten „Luft-100er“ lehnt sie nach wie vor ab. Mit einem Antrag machen die Blaue­n nun erneut einen Anlauf, die ungeliebte Tempobrems­e auszubremsen. Konkret fordert die FPÖ in dem Antrag den Landtag auf, das seit November 2014 geltende Pkw-Geschwindigkeitslimit für die Autobahnabschnitt­e Kufstein – Brenner sowie bis Zirl bzw. zwischen Imst und Zams teilweise wieder aufzuheben. Und zwar konkret täglich ab 22 Uhr und an den Wochenenden. „Wenn man ehrlich ist, dann besteht der Lufthunderter nur wegen der hohen Frequenz im Verkehrsaufkommen. Und Fakt ist, dass der Transitverkehr für die Luftverunreinigung ursächlich ist“, sagt FPÖ-Landeschef Markus Abwerzger. Gerade aber in den Nachtstunden und an den meisten Wochenenden könne dieses Argument für die 100 km/h nicht länger aufrechterhalten werden: „Schließlich gibt es für Lkw ein Nacht- und Wochenendfahrverbot.“ Das sektorale Fahrverbot für bestimmte Güter (Müll, Schrott) würde durch die teilweise Aufhebung der Tempobremse nicht tangiert. Immerhin war der Lufthunderter Tirols Freifahrtschein für das sektorale Fahrverbot.

Ginge der FP-Antrag durch, so könnten Pkw ab 22 Uhr wieder mit Tempo 110 und am Wochenende mit 130 Sachen durchs Inntal rauschen.

Wird er aber nicht. Wenig überraschend erteilt ihm bereits vorab die für Verkehr zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) eine klare Abfuhr: „Das beste Argument für den Luft-100er ist die Luftreinhaltung.“ Die blaue Idee sei ein Trugschluss, wie Felipe mit Verweis auf Experten sagt: „Die Ausbreitungsbedingungen für Schadstoffe sind in der Nacht anders als unter Tag – das wäre extrem kontraproduktiv.“ Zudem finde sie, dass das Tempolimit bereits in der Bevölkerung außer Streit stehe.

Zudem verweist Felipe auf das Verwaltungsgericht Latium, das Rom nun wegen ständiger Überschreitungen der Luftschadstoffwerte entlang der Brennerautobahn verurteilt hat, die TT berichtete: „Es war zu erwarten, dass auch die Gerichte immer stärker auf die Schadstoffüberschreitungen in den Regionen reagieren. Die letzten Erkenntnisse in Deutschland mit der Möglichkeit, Diesel-Fahrverbote in den Städten zu erlassen, haben das schon gezeigt. In der Europaregion Tirol müssen wir deshalb den eingeschlagenen Weg fortsetzen und weitere Maßnahmen ergreifen, um die Luft­situation zu verbessern. Vor allem im Transitbereich.“ Andererseits seien jedoch auch die Nationalstaaten gefordert. (mami, pn)