Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Exklusiv

Das Land nimmt Spitäler und Betten ins Visier

Tirol Kliniken und die Bezirkskrankenhäuser verzeichneten 2017 einen Abgang von 60,4 Mio. Euro. Vor allem in Innsbruck muss gehandelt werden.

© KeystoneDas Angebot in den Tiroler Spitälern soll verbessert und die Bettenstruktur von derzeit 4200 Spitalsbetten unter die Lupe genommen werden. Foto: Keystone



Von Peter Nindler

Innsbruck — Die Spitalsfinanzierung ist eine der größten politischen Herausforderungen der kommenden Jahre. Wie Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) gegenüber der TT bestätigt, wird jetzt der Tiroler Spitalsbettenplan überarbeitet. „Der Startschuss ist vor wenigen Tagen gefallen, am Ende des Tages benötigt es Reformen, um die Kosten im stationären Bereich zu dämpfen", sagt Tilg. In einem Jahr soll der Prozess abgeschlossen sein.

Derzeit gibt es in den zehn Krankenanstalten — sechs Bezirksspitäler und vier Hospitäler der Tirol Kliniken — rund 4200 genehmigte Betten. Knapp eine Milliarde Euro wird jährlich dafür aufgewendet, im Vorjahr betrug der Betriebsabgang laut aktuellen Rechnungsabschlüssen 60,3 Millionen Euro.

Gegenüber 2016 konnte das Defizit zwar um 6,8 Millionen Euro verringert werden, doch das ist vor allem auf die peripheren Krankenhäuser zurückzuführen. Ihre Bilanzen wiesen insgesamt ein Minus von 2,7 Mio. Euro auf. Demgegenüber erhöhte sich der Abgang in der Innsbrucker Klinik um 3,5 auf 40,5 Millionen Euro. Es herrscht Handlungsbedarf, eine Fusion von Abteilungen steht durchaus im Raum.

Im Forderungskatalog des Gemeindeverbands werden ebenfalls Strukturreformen im Spitalsbereich vorgeschlagen. Das Positionspapier wird diese Woche im Landtag diskutiert. Apropos Reformen: Diese fordert die SPÖ generell von der schwarz-grünen Regierung. Hauptkritikpunkte sind Soziales und leistbares Wohnen, hier vermisst die SPÖ Weichenstellungen.

Spitalsbettenplan soll überarbeitet werden

An Strukturreformen im stationären Gesundheitsbereich führt auch in Tirol kein Weg vorbei. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) hat deshalb Ende April den Startschuss für eine Überarbeitung des Spitalsbettenplans 2009 gegeben. Am Ende des Tages soll eine Entlastung der Spitäler stehen; finanziell wie strukturell.

Zehn öffentliche Krankenanstalten mit 4200 genehmigten Betten gibt es in Tirol, vier davon wie die Klinik Innsbruck werden von der Landeskrankenhausholding Tirol Kliniken geführt. Der Betriebsabgang hat sich im Vorjahr auf 57,6 Mio. Euro erhöht, 40,5 Mio. Euro entfallen dabei auf das Landeskrankenhaus

Klinik Innsbruck. Von den Bezirkspitälern schrieben Kufstein, Lienz, Reutte und das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Zams rote Zahlen. In Innsbruck fällt vor allem das neue Arbeitszeitgesetz ins Gewicht, 100 zusätzliche Ärzte wurden angestellt. Obwohl die Bezirksspitäler mit einem Abgang von 2,7 Mio. Euro deutlich besser abgeschnitten haben als die Tirol Kliniken, sieht Landesrat Bernhard Tilg generell Handlungsbedarf. „Es braucht Schwerpunktsetzungen und eine bessere Abstimmung der Angebote", sagt er gegenüber der TT.

Eine Milliarde für Finanzierung

Im Detail geht es natürlich auch um die Spitalsfinanzierung. Rund eine Milliarde Euro wird dafür ausgegeben. Aus diesem Grund muss für Tilg das tagesklinische Angebot erweitert werden, gleichzeitig sollen ambulante Erstversorgungseinheiten den stationären Bereich entlasten. „Und es könnte auch Fusionen von Abteilungen geben", kündigt der Gesundheitslandesrat an. In einem Jahr sollen Bettenplan und die Spitalsreform stehen.

Der Tiroler Gemeindeverband hat sich in seinem Positionspapier an die schwarz-grüne Landesregierung bereits für Strukturreformen ausgesprochen. Die Gemeinden als Träger der sechs Bezirksspitäler sind nämlich mit immer neuen und fast nicht mehr finanzierbaren Herausforderungen konfrontiert.