Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.05.2018


Landespolitik

Wunsch nach Spitals-Holding wird lauter

Strukturreformen im Spitalsbereich sind unausweichlich. Angesichts von 60,3 Mio. Euro Defizit fordert die SPÖ eine landesweite Holding.

© APA (Archiv/Fohringer)Die Kosten in den Spitälern galoppieren auch in Tirol davon.Foto: APA



Innsbruck – 60,3 Millionen Euro: Der Betriebsabgang aller zehn Tiroler Krankenhäuser lässt die Alarmglocken in der heimischen Gesundheitspolitik schrillen. Allein die Klinik Innsbruck (Tirol Kliniken) erwirtschaftete im Vorjahr einen Betriebsabgang von 40,5 Millionen Euro. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (VP) hat bereits Strukturreformen angekündigt, der Bettenplan mit 4200 Spitalsbetten wird überarbeitet. Sogar die Fusion von Abteilungen ist in Spitälern wie in Innsbruck angedacht. Und ambulante Primärversorgungseinheiten sollen die Krankenhäuser strukturell und finanziell entlasten.

Das geht der Tiroler SPÖ noch zu wenig weit. „Bei einer wirklichen Reform, die LR Bernhard Tilg in Aussicht stellt und offenkundig ernsthaft plant, führt an einer langjährigen SPÖ-Forderung kein Weg vorbei: Alle Tiroler Landes- und Bezirkskrankenhäuser müssen unter einem Dach gebündelt werden“, fordert der stellvertretende SPÖ-Chef LA Georg Dornauer. Selbst Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf (SP) unterstütze mittlerweile diesen Wunsch, fügt er hinzu. Die Krankenhausgesellschaft wäre für Dornauer der Grundstein für alle weiteren, überaus drin­genden Reformen im Tiroler Gesundheits- und Spitalswesen. Er verweist auf entsprechende Anträge der SPÖ im Landtag, „herausgekommen ist bisher allerdings noch nichts“. Weil die Spitalsverbände in den Bezirken dagegen waren.

Im aktuellen Positionspapier an die schwarz-grüne Landesregierung spricht der Gemeindeverband allerdings von „fast nicht mehr finanzierbaren Herausforderungen“. Durch ein möglichst effizientes Vorgehen der Entscheidungsträger, ohne eine qualitätsvolle Gesundheitsversorgung in Frage zu stellen, sei dieser Entwicklung entgegenzutreten, heißt es. „Ein Ansatz, der zu einer Kostenreduktion führt, wäre, eine umfassende Strukturreform durchzuführen“, heißt es.

Die Liste Fritz nimmt vor allem das Krankenhausmanagement in Innsbruck und Tilg in die Pflicht. „2011 wiesen die Tiroler Spitäler zusammen ein Minus von 21,4 Mio. Euro auf, 2017 ist es auf 60,3 Millionen explodiert. Eine Verdreifachung!“, kritisiert Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider. Gesundheitslandesrat Tilg habe es verabsäumt, ein Gesamtkonzept vorzulegen, um den schwierigen Spagat zwischen bester Gesundheitsversorgung und vernünftigen Ausgaben zu schaffen. (pn)