Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.05.2018


Bezirk Kitzbühel

Aufregung um geplantes Aparthotel in Fieberbrunn

Nicht jeder im Ort ist von der Idee des 149-Betten-Investorenmodells begeistert. Der Gemeinderat gab jetzt aber grünes Licht.

© All-Suite Resorts ÖsterreichSo soll das Aparthotel in Fieberbrunn aussehen. Mehr Ansichten des geplanten Projekts mit 149 Betten gibt es im Internet unter www.immobilienintirol.de/immobilien-fieberbrunn.Visualisierung: All-Suite Resorts Österreich GmbH



Von Michael Mader

Fieberbrunn – Wenn Sie pittoresken Charme ebenso schätzen wie Frühjahrsschnee und eine Verbindung zu einem der größten Skigebiete der Welt, könnte ein Appartement in Fieberbrunn in Tirol genau die richtige Wahl für Sie sein. Mit diesem Spruch macht die Betreiberfirma All-Suite Resorts, eine Schwesterfirma der Kristall Spaces und Kristall Group, Werbung für 36 Appartements, die mitten in Fieberbrunn entstehen sollen.

Wie berichtet, will die Schweizer Kristall Spaces AG als Verkaufsplattform des ebenfalls aus der Schweiz stammenden Immobilien­entwicklers Venture Plus AG in Tirol gleich mehrere so genannte Investorenmodelle umsetzen. Von Berwang über St. Anton bis Kühtai, Sölden, Ischgl und Seefeld. Für das Projekt in Fieberbrunn werden „bis zu acht Prozent Eigenkapitalrendite bei einer 55-Prozent-Finanzierung oder eine garantierte Gesamtkapitalrendite von vier Prozent des Nettokaufpreises in den ersten fünf Jahren“ angepriesen. Geboten werden insgesamt 36 exklusive Ferienwohnungen mit Bar/Restaurant und Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad usw.

Die Gemeinderäte in Fieberbrunn haben jedenfalls in der jüngsten Sitzung einstimmig (mit einer Stimmenthaltung) einen Erlassungsbeschluss für eine Änderung des Flächenwidmungsplans und des Bebauungsplans beschlossen, nachdem zuvor während der Auflagefrist die Stellungnahme des Fieberbrunners Florian Schroll eingegangen war.

Der bemängelt unter anderem, dass sich das geplante Aparthotel in unmittelbarer Nähe zum Gemeindeamt, zur Kirche und zur Johannes­kapelle befindet und daher einen besonders zu beachtenden Teil des Ortszentrums darstellen würde. Des Weiteren erscheinen ihm die geplanten Gebäudehöhen mit bis zu 20 Metern zu hoch, die insgesamt sechs Stockwerke würden das zentrale Ortsbild maßgeblich beeinflussen. „Im Entwurf steht eine Bettenanzahl von 150, laut Aussagen im Gemeinderat ist von höchstens 149 Gästebetten und zusätzlich Betreiber- und Personalwohnungen die Rede. Bei 150 Betten ist eine Sonderwidmung erforderlich, die von der Landesregierung nicht genehmigt werden würde“, ist Schroll überzeugt.

In der Stellungnahme der Gemeinderäte heißt es u. a., dass betriebsnotwendige Personalbette­n nicht zur Anzahl der Gästebetten zählen und eine Sonderflächen­widmung im Gesetz erst bei mehr als 150 Gästebetten vorgesehen sei. Die Gebäudehöhen wären mehrfach im Gemeinderat ausführlich diskutiert und von den Mandataren positi­v begutachtet worden.

Die Verträge wiederum seien von einem fachlich renommierten Rechtsanwalt erstellt und abgeschlossen worden, es herrsche ein striktes Freizeitwohnsitzverbot.

Fieberbrunns Amtsleiter Kaspar Danzl erklärt gegenüber der Tiroler Tageszeitung, dass alle Vertragsmuster von der Marktgemeinde genehmigt werden mussten: „Die Käufer verpflichten sich, ihre Wohnungen dem Hotelbetrieb zu überlassen, und verzichten darauf, hier einen Wohnsitz zu gründen bzw. einen Freizeitwohnsitz zu machen.“ Zwei Monate lang habe man über die einzelnen Punkte verhandelt.

Michaela Willeit von der Firma All-Suite Resorts betont, dass es sich bei der Betreiberfirma des Projekts in Fieberbrunn um eine Firma mit Sitz in Österreich handelt, ebenso wie bei der Projektgesellschaft, der Kristall Mountain Spa Fieberbrunn. All-Suite Resorts Österreich sei auch Proponent des Projekts, nicht die Kristall Spaces in London, die als Makler agiere. „Wir realisieren in den kommenden Jahren Resorts in Österreich im Gesamtvolumen von ca. 200 Millionen Euro mit ca. 1500 neuen Gästebetten und schaffen damit eine große Anzahl neuer Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung für die jeweiligen Bundesländer bzw.Österreich“, meint Willeit.


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